Liquid Steel - Mountains Of Madness

Liquid Steel - Mountains Of Madness

Mit "Mountains Of Madness" veröffentlichen LIQUID STEEL ihr drittes Album. Wer "Steel" im Band- oder Albumtitel trägt, kommuniziert aus Sicht des Metalfans offen: "Hey, wir spielen Power Metal!"

Und genauso ist es auch. Stilistisch bewegt sich das österreichische Quintett irgendwo zwischen MYSTIC PROPHECY, HAMMERFALL und SEVEN KINGDOMS. Heißt also: Knackiger, riffbetonter und melodischer Power Metal mit sattem, sympathisch rauem Sound.

Teils geile Power-Metal-Hymnen von LIQUID STEEL

Musikalisch ist das, was LIQUID STEEL abliefern, verdammt vielversprechend: "Traveller In Time" geht mit seinen knackigen Riffs, doppelläufigen Leads und kraftvoller Rhythmusarbeit samt an frühe BLIND GUARDIAN (sic!) erinnernden Chorus direkt ins Ohr. Das hymnische "Victim Of The Night" und "Heavy Metal Fire" sind Songs aus dem Power-Metal-Lehrbuch, wirken aber extrem frisch, motiviert und zu keiner Zeit altbacken oder wie schon hunderte Male durchgekaut.

Daneben wissen vor allem der abwechslungsreiche, epische Titeltrack und "Alpine Warrior" zu begeistern. Vor allem das letztgenannte Fast-Instrumental wirkt enorm spritzig und hätte selbst von IRON MAIDEN zu  Hochzeiten kaum spielfreudiger vertont werden können. Im abschließenden "Thunder And Lightning" schwingen LIQUID STEEL erneut die epische Keule und erinnern an längst vergangene MANOWAR-Tage.

"Phoenix" stinkt dagegen im direkten Vergleich ab. Und "On The Run", "City Lights" und "Nothing To Lose" tönen mir ihrem deutlich rockigeren, fast schon sleazigen Touch gar nicht so übel, doch kraftvoller Power Metal steht den Österreichern einfach deutlich besser.

Musikalisch hui, gesanglich ...

Arrangements, Melodien, Riffs, Soli, überhaupt die gesamte Instrumentalarbeit ist streckenweise auf verdammt hohem Niveau und macht mit der satten Produktion von Jay Hundert echt Spaß.

Da gibt's nur eine Sache, die diesen trübt: Die Vocals von Sänger Fabio Carta. Seine Stimme ähnelt der von Joacim Cans (HAMMERFALL), die Betonung der englischen Worte liegt auf dem Niveau von Fabio Lione in den frühen Jahren von RHAPSODY, ist also je nach Sichtweise sympathisch oder grausig.

Doch obwohl sich Carta wirklich rein hängt, lassen es die Vocals albumübergreifend an Durchschlagskraft vermissen und wirken für den energiegeladenen Power Metal von LIQUID STEEL einfach viel zu dünn – insbesondere bei den misslungenen Versuchen, markerschütternde Screams abzuliefern.

Die Ohrwurmdichte auf dem mit einem tollen, vo H. P. Lovecraft inspirierten Artwork versehenen "Mountains Of Madness" ist bis auf die deutlich schwächere zweite Albumhälfte enorm hoch. So überzeugend kernig klang in den letzten Jahren abgesehen von SEVEN KINGDOMS oder NIGHT DEMON kaum eine andere Band im Power-Metal-Sektor. Das Ding hier ohne die schwächeren Beiträge und mit kraftvollen Vocals, die dich so richtig an den Eiern packen – und wir hätten ein saugeiles, knackig-kurzes und durchgehend überzeugendes Power-Metal-Brett vor den Latz geballert bekommen. 

"Mountains Of Madness" Trackliste:

01 Traveller In Time
02 Victim Of The Night
03 Heavy Metal Fire
04 Mountains Of Madness
05 Phoenix
06 Alpine Warrior
07 On The Run
08 City Lights
09 Nothing To Lose
10 Thunder And Lightning

LIQUID STEEL Line-up:

Fabio Carta – Gesang
Ferdinand Berktold - Gitarren
Jürgen Herrnegger – Gitarren
Dominik Lechner – Bass
Martin Eberharter – Schlagzeug