The Mars Volta - Amputechture


Review


Stil (Spielzeit): Prog-Gewitter (76:04)
Label/Vertrieb (VÖ): Universal (08.09.06)
Bewertung: 7,5/10
Link: http://www.themarsvolta.com

Was soll man über The Mars Volta sagen? Diese Band als einzigartig zu bezeichnen, ist fast noch untertrieben. Nicht nur ihr Sound oder ihre Haltung der Musik und den Fans gegenüber (nachdem sie auf einem Gig im Sommer den Zusehern mitgeteilt hatten, moshen sei "retarded", wurden sie mit einem Becher voller Urin beworfen) stellt sie schon abseits der großen Masse. Auch schaffen sie es dank dieser Faktoren, zu polarisieren, wie sonst kaum ein Act abseits von Tokio Hotel und US5. Sie spalten die Massen in Fans und Hasser. Sie spalten ihre Fans in die Leute, die "Frances the Mute" lieben und die Leute, die "De-loused in the Comatorium" verehren. Und nun spalten sie mich mit "Amputechture".

Anfangs war da der Schock, wie immer, wenn man neuen Output des At the Drive-In-Sprosses hört. Man versucht, sich darauf vorzubereiten, ist am Ende sicher, gewappnet zu sein und trotzdem überfällt einen die Musik kaltblütig von hinten. Auch wenn das ruhige "Vicarious Atonement" einen relativ geruhsamen Einstieg ohne zu viel Tempo bietet, spätestens mit "Tetragrammaton" wird man hinweggespült. Und ist mittendrin, in den gewohnten Mars Volta Songs, wo eben so gar nichts gewohnt oder gewöhnlich vorkommt.

Trotz allem ist dieses "gewohnt" der Punkt, an dem sich alles spießt. Die große Änderung ist diesmal, dass sich Cedric Bixler-Zavala und Omar Rodriguez-Lopez, die beiden Doppelnamen, die das Gehirn der Mars Volta bilden, nicht an einen roten Faden hielten um den sie ein Konzept sponnen. Ansonsten blieb - wie immer - alles anders. Die langen Geräuschsequenzen der "Frances" werden verabschiedet, aber man zieht sich auch nicht auf die "Kürze" der "De-loused" (bis zu 12 Minuten lange Songs spotten diesem Wort) zurück. 

Weiter mit den Gemeinsamkeiten: Allen Mars Volta-Alben kann man immer das gleiche vorwerfen. Sei es, dass der Musik bei dem vielen Gefrickel die Seele fehle, dass "das alles einfach zu kompliziert und anstrengend" sei, oder (der Standardeinwurf spätestens beim 3. Album einer Band) dass die Band es nicht mehr schaffe, sich neu zu erfinden. Ob das nun wahr ist oder nicht, sei dahingestellt, keiner dieser Kritikpunkte ist objektiv bewertbar. 

Fest steht für mich, dass diese CD absolut klasse ist und wo sie zu verbessern wäre, wüsste ich nicht. Trotzdem fehlt etwas. Irgendwo bin ich nicht so einverstanden, wie das bei den ersten beiden Alben der Fall war. Irgendwo bin ich versucht zu sagen, dass der Sound schon zu gewohnt klingt. Eventuell bin ich aber auch in ein bis zwei Jahren, wenn das nächste Mal Mars Volta-Fans mit nervösen Fingern die neue Scheibe in ihre Anlage legen, nur einer derjenigen, der nicht zur Die-Hard-Fan-Fraktion von "Amputechture" gehört.

Es sei jedem überlassen, diesen Punkt für sich zu entscheiden. Wer auf den ersten beiden Alben nicht zu dieser Musik gefunden hat, wird es auch auf "Amputechture" nicht tun. Wer Fan ist - sei es nun von "Frances" oder "De-loused", wird auch auf der Neuen seine persönlichen Momente entdecken und Spaß daran haben. Für die Bestnoten fehlt's bei mir dann doch an dem kleinen unbestimmbaren Etwas.

Anspieltipps: Tetragrammaton, Meccamputechture, Asilos Magdalena
BYE Redaktion

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