Cedars - Cowards Tipp

Cedars - Cowards
    Electronic Rock, Progressive, Industrial

    Label: Gruene Records
    VÖ: 11.06.2021
    Bewertung:8/10

    Cedars online


Auf ihrem neuen Album "Cowards" vereinen CEDARS aus Texas die Stimming von PIXIES und RADIO HEAD mit Industrial-Elementen à la NINE INCH NAILS und schaffen dabei ein Electronic-Rock-Album mit jeder Menge Tiefgang.

Dahintreiben auf dem Meer und Raven im Club

Über elf Songs hinweg lädt das Quartett auf eine Reise durch diverse musikalische Landschaften ein. Der Opening Track "Claymore" zieht mit seinem tiefen und wuchtigen Sound sofort alle Aufmerksamkeit auf sich, wobei die Kombination aus instrumenteller und elektronischer Musik punktet. Als eine weitere Schicht legen sich die verhallten Vocals der Leadsängerin und des zweiten Sängers über die Musik und ergänzen die bereits extrem starke Atmosphäre um noch mehr Tiefe.

Die Band wählte ein passendes erstes Lied, das einen guten Vorgeschmack auf den Rest der Platte bietet und Lust auf mehr macht: Insgesamt hat "Cowards" einen sehr reichen Klang und bietet dabei von Song zu Song gewisse Variationen, die den Stil frisch halten und das Gesamtwerk etwas aufbrechen.

Während "Mockingbirds" zum Beispiel an den Pop der späten 90er erinnert, bis die Gitarren im Chorus wie ein Brett einschlagen, findet man sich in "Give Up The Ghost" förmlich in einem verschwitzten, düsteren Club auf einem Rave wieder, während der Schweiß von der Decke tropft. In diesem Industrial-lastigen Song steht die kernige und drückende Musik in einem angenehmen Kontrast zum hymnenhaften Gesang, der dem Lied einen komplett anderen Ton verleiht, welcher dennoch perfekt passt – CEDARS spielen mit Gegensätzen und vereinen diese passend miteinander.

Ausloten von Grenzen

Auch die Texte fügen sich stimmig ins Gesamtwerk ein. "Lost At Sea" dreht sich, wie der Titel vermuten lässt, um Isolation und erzeugt das Gefühl, hilflos aber gleichzeitig friedvoll auf dem Meer zu treiben. Dieser Song öffnet mit einem treibenden Synthesizer, begleitet von den Versen: "Burn everything, all is lost. I'm floating out at sea." Die Vocals und Instrumentals ergänzen einander perfekt und erzeuen eine immense Immersion, die durch den ganzen Song aufrecht erhalten wird. In den Lyrics findet die Gruppe dabei genau die richtigen Worte, um die Stimmung ihrer Musik zu beschreiben.

In "Chasing Vapor" hingegen geht es um Übermut und Aufwand, der sich als vergebens entpuppt. Im Chorus heißt es beispielsweise: "Chasing vapor flying too close to the sun. These wings are paper and nothing is enough." Währenddessen öffnet sich der Song und wechselt von einem beklemmenden Instrumentalpart mit tiefem Gesang zu einem anmutigen Synthesizer-Segment, begleitet von hohem Gesang. Der Text ist hier Programm und spiegelt wider, wie die Musik fast schon nach Fliegen klingt. CEDARS nutzen alle Ebenen der Musik, um ein stimmungsvolles Gesamtwerk zu schaffen und sich kreativ auszuleben.

Fazit:

Mit "Cowards" liefert die texanische Gruppe ein stimmiges Gesamtwerk ab, das einen sehr tiefen und durchdachten Sound bietet. Dabei wird sie den eingangs genannten Inspirationsquellen gerecht und verschafft ihrem Electronic Rock durch die bunte Mischung an Einflüssen eine eigene Note.

Fans von Musik, die sich langsam aufbaut und entfaltet, dürften diesem Album einiges abgewinnen können. Wer jedoch eher auf seichten Rock mit vereinzelten elektronischen Elementen hofft, ist hier an der falschen Adresse: CEDARS gehen weit darüber hinaus und schaffen einen deutlich tieferen Sound als Bands, die lediglich Synthlines in ihre Musik einbinden. Stattdessen verschwimmen auf diesem Werk die Grenzen zwischen instrumenteller und elektronischer Musik.

Tracklist zu "Cowards:

1. Claymore
2. Lost At Sea
3. Chasing Vapor
4. Happy Now
5. Mockingbirds
6. Funeral Dress
7. Formerly Known
8. Give Up The Ghost
9. Bearing Swords
10. Cowards
11. Liminal

Marcel

Stile: Post-Hardcore, Metalcore, Mathcore, Hardcore, ein wenig Grindcore und Nu Metal

Bands: Enter Shikari, Letlive, Fever 333, Glassjaw, Vein, SeeYouSpaceCowboy, Sharptooth

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