Ray Wilson - Propaganda Man Tipp



Stil (Spielzeit): Singer/Songwriter (44:37)
Label/Vertrieb (VÖ): Sandport Ltd./Soulfood (22.05.09)
Bewertung: 8,5/10
Link: www.raywilson.net


RAY WILSON dürfte den meisten Menschen entweder als kurzzeitiger GENESIS-Sänger auf „Calling All Stations" (der Beipackzettel geht damit erfrischend ironisch um) oder Mitglied von STILTSKIN bekannt sein. Seit vielen Jahren veröffentlicht Wilson aber auch Soloalben. Sein neuestes Album trägt den Titel „Propaganda Man", wurde allerdings bereits 2008 auf Konzerten verkauft und konnte über das Internet bezogen werden.


Dass Wilson eine markante und äußerst angenehme Stimme mit hohem Wiedererkennungswert besitzt, ist nichts Neues. Dass der Sänger es aber schafft, ein Singer/Songwriter-Album mit gelegentlichen, um E-Gitarren und Drums verstärkten Ausbrüchen zu erschaffen, das keinen einzigen auch nur annähernd langweiligen Song enthält, nötigt einem aber schon ein wenig Respekt ab.
Das Terrain, in das sich Wilson für „Propaganda Man" niedergelassen hat, ist ein eher undankbares, denn viel zu schnell können akustische, ruhige Nummern nerven. Wilson hat es aber durch verschiedene Instrumentierungen (das Akkordeon spielt eine große Rolle), sehr gutes Gitarrenspiel und vor allem fühlbare Stimmungen (überraschend melancholisch!) geschafft, die elf Tracks sehr abwechslungsreich zu gestalten. Neben ruhigen Stücken wie „Lately", „The Brakes Are Gone", dem schönen „Razorlite", dem nach hinten ausbrechenden „Things Don't Stop" oder „Modern Day Miracle" sind es der Titeltrack mit seiner ganz leichten THE SISTERS OF MERCY-Schlagseite und dem melodischen Refrain, der später in „More Propaganda" nochmals aufgenommen wird, „Cosmic Baby" (mit wunderschönen Gitarrensoli) und vor allem der Einstieg „Bless Me" (der rockigste Song des Albums, der eine unvergleichliche Stimmung verbreitet und wirklich für Staunen sorgt), die „Propaganda Man" zu einem absolut gelungenen Werk machen. Ray Wilson singt sich von Anfang an in die Herzen der Zuhörer und weiß sowohl in rauen, tieferen Stimmlagen als auch mit kräftigem Gesang hundertprozentig zu überzeugen.
Auch die Texte sind nicht bloß Beiwerk zur Musik, sondern ehrlich und persönlich und lassen einem in bestimmten Situationen doch sehr nachdenklich zurück.


Das erdige, angenehm warm produzierte Album sollte sich jeder Anhänger von Wilson spätestens jetzt, nach der offiziellen Veröffentlichung, zulegen, und generell kann man mit diesem zumeist düsteren, durchdachten, eingängigen und abwechslungsreichen Singer/Songwriter-Stoff jedem JACK JOHNSON-Fan das Fürchten lehren. Well done, Mr Wilson!