Flyleaf - s/t


Review

Stil (Spielzeit): Rock (36:24)
Label/Vertrieb (VÖ): Gun / SonyBMG (18.08.06)
Bewertung: 8,5/10
Link: www.flyleafmusic.com

Merkt Euch den Namen FLYLEAF - denn so wie auf diesem Debüt klingt spannender, moderner Rock anno 2006.

Auffälligstes Merkmal der Texaner, die sich 2001 bereits gründeten, ist unbestritten Sängerin Lacey Mosley, die mich hin und wieder an Amy Lee (EVANESCENCE) oder eine abgedrehte Avril Lavigne erinnert, nur mit viel mehr Emotionalität zwischen den Stimmbändern, welche zwischen zart und heftig, sanft und brachial alles raushauen. Schade eigentlich, dass eruptive Schrei-Ausbrüche wie auf der Single „I'm So Sick" später nur noch ein einziges Mal (bei „Sorrow") vorkommen. Aber auch ohne Growls transportieren die 12 Songs eine ungewohnte Vielfalt an Zwischentönen, leicht grungig-disharmonischen Riffparts und zuckersüßen Melodien, die nicht nach 0815-Ami-Massenware klingen, sondern in ihrer Zusammenstellung Ecken und Kanten besitzen, sich nicht beim allerersten Mal erschließen und letztlich doch hängenbleiben - so wie beispielsweise der Refrain von „All Around Me": eigängig, einfach und ungewöhnlich intensiv.

Überhaupt ist die Musik nicht komplex konzipiert und auch klanglich weit entfernt davon, überladen oder überproduziert zu sein, obwohl mächtig Saft hinter den Songs steckt. Immer wieder stoße ich auf Passagen, in denen mich die variablen Drums faszinieren, ein Basslauf durch schiere Songdienlichkeit und Simplizität begeistert oder ein Gitarrenlick melancholisch schmeichelnd zwischen harten Riffs hervortänzelt. Die Grundstimmung des Albums ist nachdenklich, der Horizont verhangen, und auch die Lyrics spiegeln dies wider. In den Texten werden Missbrauch, Vernachlässigung und Sucht aufgearbeitet, bereits der Bandname kündet von schweren Gedanken: „FLYLEAF nennt man die leere erste Seite in einem Buch", erklärt die Sängerin. „Sie ist für Widmungen gedacht, wenn man das Buch verschenkt. So ähnlich sind unsere Songs: Persönliche Botschaften, die die Leere füllen." 

In den USA durch Touren mit u.a. EVANESCENCE, STAIND oder P.O.D. bekannt und erfolgreich (das bereits veröffentlichte Debütalbum ist in den Billboard-Charts bis auf Platz 60 vorgestoßen), sollte es in unseren Landen nicht allzu lange dauern, bis auch hier der Name FLYLEAF bekannter ist. Verdient haben die fünf es, denn diese Band klingt anders und gibt zumindest mir die Hoffnung zurück, dass moderner Rock nichts mit schwülstigen Hymnen oder Konzeptarbeit a la NICKELBACK und Co. zu tun haben muss.