Leader Of Down - Cascade Into Chaos

Leader Of Down - Cascade Into Chaos
    Hard Rock

    Label: Cleopatra
    VÖ: 19.10.2018
    Bewertung:3/10


Wieder mal was Neues aus dem Dunstkreis um Lemmy: LEADER OF DOWN war die Band des ehemaligen MOTÖRHEAD-Gitarristen Würzel, der bis zu seinem Tod 2011 zusammen mit Bassist Tim Atkinson und Drummer Steve Clarke (ex-FASTWAY) an Material arbeitete.

Um die zehn Songs fertig zu stellen, verstärkte sich das verbliebene Duo mit Matt Baker (Vocals) und Alex Ward (Gitarre) und lud zahlreiche Gastmusiker ins Studio ein – darunter Lemmy, Phil Campbell und Fast Eddie Clarke, Whitfield Crane (UGLY KID JOE), Lee Richards (ex-GODSMACK), Bruce Foxton (THE JAM) und Cliff Evans (TANK). Der posthume Tribut an Würzel und die ebenfalls verblichenen Lemmy und Fast Eddie Clarke trägt den Titel "Cascade Into Chaos".

Daumen (halb-)hoch für die Gäste

Vier der zehn Tracks wurden mit Gästen am Mikro aufgenommen. Zu "Paradise Turned Into Dust" meinte Würzel noch zu Lebzeiten, dass er Lemmy wie auf den Leib geschneidert sei. Und tatsächlich passen Lemmy Vocals (aufgenommen kurz vor seinem Tod 2015) und sein Bassspiel perfekt, die Nummer wirkt wie eine etwas gemäßigtere MOTÖRHEAD-Nummer und ist definitiv ein Highlight. Auch zum knackigen "Laugh At The Devil" hat die Ikone Vocals beigesteuert. So wie Lemmy hier röhrt, muss das aber schon ein paar Jährchen her sein. Seine Performance und das Gitarrenspiel von Fast Eddie Clarke lassen den Song wie ein vergessenes MOTÖRHEAD-Relikt aus den frühen Neunzigern erscheinen.

Der ehemalige MOTÖRHEAD-Gitarrist darf auch in "Snakebite" ran – und zwar nicht nur an der Sechssaitigen, sondern auch an den Vocals. Hier herrscht pures Rock-Feeling, das ein wenig den MOTÖRHEAD-Geist aus den Siebzigern atmet, ohne allerdings den beiden Nummern mit Lemmy das Wasser reichen zu können. In "Children Of Disease" hingegen wird's ruhiger und melodischer, dazu passen Whitfield Cranes Gesang und das bluesige Solo von Phil Campbell. Nicht weltbewegend, aber nett.

Daumen runter für den Rest und den unfertigen Sound

Die restlichen sechs Nummern auf "Cascade Into Chaos" allerdings sind verzichtbar. Weder der Titeltrack noch "People Say I'm Crazy" können nachhaltig beeindrucken, "Punch And Geordie" und "Feel Good" nerven sogar schon beim ersten Hören. Lediglich das heftige "The Killing Rain" – übrigens die letzte Nummer, die Würzel jemals aufgenommen hat – und noch eher "Serial Killjoy" lassen kurz aufhorchen, sind aber meilenweit von großartigen Rocksongs mit Ohrwurmpotenzial entfernt.

Überdies schwebt über dem gesamten Album der Eindruck des Unfertigen. MOTÖRHEAD-Stammproduzent Cameron Webb hat zwar versucht, das Beste aus dem Material zu machen, und der insgesamt sehr rohe Live-Sound ist sympathisch, doch Lautstärkeunterschiede und Qualitätsschwankungen sind so deutlich, dass man hier kaum von einem Album aus einem Guss sprechen mag. Überdies wirkt ausgerechnet "Laugh At The Devil" wie live im Studio aufgenommen – was an sich nicht schlimm wäre, würde das Ergebnis am Ende nicht völlig aus dem Takt wirken.

Überflüssige CD, überflüssige Band

Wären die Gast-Beiträge in Form einer Tribute-EP erschienen, wäre das Ergebnis ein völlig anderes. Selbst hartgesottene MOTÖRHEAD-Fans werden in dieser Form mit "Cascade Into Chaos" nicht viel anfangen können. Da ist PHIL CAMPBELL AND THE BASTARD SONS die deutlich sinnvollere Alternative für alle, die Lemmy nachtrauern.

So Leid es mir tut – gerade, weil es schön ist, Lemmy noch mal zu hören: Ohne die Gastbeiträge bzw. Würzel himself braucht LEADER OF DOWN kein Mensch.

Trackliste:

Paradise Turned Into Dust ( Gesang Lemmy )
Cascade Into Chaos
People Say I’m Crazy
Serial Killjoy (zusätzlicher Bass Bruce Foxton)
Children Of Disease (Whitfield Crane Gesang, Lee Richards backing vocals, Phil Campbell zweites Gitarren Solo)
Snakebite (Fast Eddie Gesang und Gitarre)
Punch and Geordie
Feel Good (Cliff Evans erste Gitarren Solo)
The Killing Rain ( letztes Stück, das Würzel jemals aufgenommen hat)
Laugh At The Devil ( Lemmy Gesang, Gitarre Fast Eddie Clarke)