Ein Line-up der Extraklasse
Bereits das Vorprogramm ließ keine Zweifel offen, wohin die Reise geht. Den frostigen Anfang machten FROZEN SOUL, die mit ihrem wuchtigen Old-School-Death-Metal die ersten Moshpits des Abends provozierten. Gefolgt von den Modern-Death-Metal-Pionieren THE BLACK DAHLIA MURDER, die das Tempo massiv anzogen, war die Halle bereits auf Betriebstemperatur, als THE HALO EFFECT die Bühne betraten. Die schwedische Allstar-Truppe lieferte eine derart spielfreudige Performance ab, dass man sie fast als Co-Headliner hätte durchgehen lassen können.
Marcus Bischoff vs. das "Berlin-Klischee"
Als HEAVEN SHALL BURN schließlich unter donnerndem Applaus die Bühne stürmten, entlud sich eine Energie, die man in dieser Intensität selten erlebt. Sänger Marcus Bischoff zeigte sich sichtlich beeindruckt: In seiner Moderation gab er offen zu, dass er Berlin oft als „typisch distanziert" und weniger enthusiastisch in Erinnerung hatte. An diesem Abend jedoch strafte das Berliner Publikum dieses Klischee lügen. 3.500 Fans verwandelten die Halle vom ersten Riff an in einen einzigen, gewaltigen Hexenkessel.
Der "Graben" im Dauereinsatz
Was die Energie im Saal jedoch endgültig auf die Spitze trieb, war die schiere Masse an Bewegung. Schon nach den ersten Riffs öffneten sich Circle Pits, die zeitweise die halbe Hallenfläche einnahmen. Doch die Action blieb nicht nur am Boden: Ein permanenter Strom an Crowdsurfern ergoss sich in Richtung Bühne. Die Ordner im Graben hatten alle Hände voll zu tun, um die Fans sicher in Empfang zu nehmen – ein logistischer Kraftakt, der perfekt zur brachialen Soundkulisse passte.
Pyro, Pathos und politische Kante
Die Show war gewohnt druckvoll und visuell beeindruckend. Eine massive Pyroshow untermalte die brachialen Hymnen der Thüringer, während die Band gewohnt klare Kante zeigte. Die lautstarken "Alerta Alerta Antifaschista"-Rufe aus dem Publikum unterstrichen die tiefe Verbundenheit zwischen Band und Fans in ihren Werten.
Nach 90 schweißtreibenden Minuten und einer Setlist, die keine Wünsche offen ließ, folgte das unverzichtbare Finale. Mit der Hymne "Valhalla" (im Original von BLIND GUARDIAN) entließ die Band ein vollends erschöpftes, aber glückseliges Publikum in die Berliner Nacht.
Fazit: Wenn Marcus Bischoff nach Jahrzehnten im Business noch von der Energie einer Stadt überrascht werden kann, dann hat Berlin gestern alles richtig gemacht. Ein denkwürdiger Abend, der bewies, dass HEAVEN SHALL BURN live nach wie vor das Maß aller Dinge im modernen Metal sind.
