Geschrieben von Dienstag, 17 März 2026 18:59

HEAVEN SHALL BURN in der Columbiahalle: Der Berliner „Abriss“ des Jahres

Heaven Shall Burn live in Berlin Heaven Shall Burn live in Berlin Fotos: Heiko Becker

Wenn eine Institution wie HEAVEN SHALL BURN zur „Heimat Over Europe Tour 2026" lädt, ist mit körperlicher Ertüchtigung zu rechnen. Doch was sich am Abend des 13. März in der restlos ausverkauften Columbiahalle abspielte, übertraf selbst die Erwartungen der Band.

Ein Line-up der Extraklasse

Bereits das Vorprogramm ließ keine Zweifel offen, wohin die Reise geht. Den frostigen Anfang machten FROZEN SOUL, die mit ihrem wuchtigen Old-School-Death-Metal die ersten Moshpits des Abends provozierten. Gefolgt von den Modern-Death-Metal-Pionieren THE BLACK DAHLIA MURDER, die das Tempo massiv anzogen, war die Halle bereits auf Betriebstemperatur, als THE HALO EFFECT die Bühne betraten. Die schwedische Allstar-Truppe lieferte eine derart spielfreudige Performance ab, dass man sie fast als Co-Headliner hätte durchgehen lassen können.

Marcus Bischoff vs. das "Berlin-Klischee"

Als HEAVEN SHALL BURN schließlich unter donnerndem Applaus die Bühne stürmten, entlud sich eine Energie, die man in dieser Intensität selten erlebt. Sänger Marcus Bischoff zeigte sich sichtlich beeindruckt: In seiner Moderation gab er offen zu, dass er Berlin oft als „typisch distanziert" und weniger enthusiastisch in Erinnerung hatte. An diesem Abend jedoch strafte das Berliner Publikum dieses Klischee lügen. 3.500 Fans verwandelten die Halle vom ersten Riff an in einen einzigen, gewaltigen Hexenkessel.

Der "Graben" im Dauereinsatz

Was die Energie im Saal jedoch endgültig auf die Spitze trieb, war die schiere Masse an Bewegung. Schon nach den ersten Riffs öffneten sich Circle Pits, die zeitweise die halbe Hallenfläche einnahmen. Doch die Action blieb nicht nur am Boden: Ein permanenter Strom an Crowdsurfern ergoss sich in Richtung Bühne. Die Ordner im Graben hatten alle Hände voll zu tun, um die Fans sicher in Empfang zu nehmen – ein logistischer Kraftakt, der perfekt zur brachialen Soundkulisse passte.

Pyro, Pathos und politische Kante

Die Show war gewohnt druckvoll und visuell beeindruckend. Eine massive Pyroshow untermalte die brachialen Hymnen der Thüringer, während die Band gewohnt klare Kante zeigte. Die lautstarken "Alerta Alerta Antifaschista"-Rufe aus dem Publikum unterstrichen die tiefe Verbundenheit zwischen Band und Fans in ihren Werten.

Nach 90 schweißtreibenden Minuten und einer Setlist, die keine Wünsche offen ließ, folgte das unverzichtbare Finale. Mit der Hymne "Valhalla" (im Original von BLIND GUARDIAN) entließ die Band ein vollends erschöpftes, aber glückseliges Publikum in die Berliner Nacht.

Fazit: Wenn Marcus Bischoff nach Jahrzehnten im Business noch von der Energie einer Stadt überrascht werden kann, dann hat Berlin gestern alles richtig gemacht. Ein denkwürdiger Abend, der bewies, dass HEAVEN SHALL BURN live nach wie vor das Maß aller Dinge im modernen Metal sind.

Heiko

Ich bin Heiko Becker, gebürtiger Schleswig-Holsteiner und seit vielen Jahren in Berlin zu Hause. Meine musikalische Herkunft liegt im Grunge und der „angezerrten Gitarrenmusik“ der frühen 90er – Bands wie Nirvana, Guns N’ Roses, AC/DC, Pearl Jam, Foo Fighters, Machine Head, Pantera, Slayer, Metallica, Paradise Lost und Sick Of It All gehören zu meinen prägendsten Lieblingsbands. Aber auch Rap, Hip-Hop und Songwriter begeistern mich, solange die Musik handgemacht ist und bei mir Emotionen weckt.

Viele Jahre war ich als normaler Besucher auf Festivals wie Roskilde, Wacken Open Air, Hurricane Festival und Dynamo Open Air unterwegs. Seit 2024 darf ich endlich als akkreditierter Fotograf dabei sein und tolle Bilder von diesen besonderen Momenten machen.

Musik für mich ist immer eine emotionale Erfahrung – egal ob im Publikum oder hinter der Kamera, Hauptsache, sie berührt und bleibt im Gedächtnis.