Geschrieben von Donnerstag, 08 Mai 2008 23:04

Fuck The Commerce XI - Der Bericht


Review

 

Als eines der ersten Festivals in diesem Jahr öffnete vom 01. – 03. Mai 2008 das FUCK THE COMMERCE nahe Jüterbog seine Pforten, um die Liebhaber gepflegter Death- und Grindballerei zum mittlerweile elften Male mit eben dieser zu beglücken. Im Vorfeld wurde viel darüber diskutiert, ob das Festival in diesem Jahr überhaupt stattfinden würde und wenn ja, wo. Zum Glück war’s dann doch nichts mit der Indoorparty oder gar einem Komplettausfall, denn Anfang des Jahres kam dann die gute Nachricht: Das FTC findet statt und es bleibt ein Open-Air.

Leider konnte ich dann aber nicht von Beginn an dabei sein, hatte es aber wenigstens geschafft, am letzten der drei Tage anzureisen. Zuerst einmal war es jedoch gar nicht so einfach, den Ort des Geschehens zu finden, denn trotz der präzisen Wegbeschreibung auf der Homepage des FTC fuhren wir erst ein paar Mal am Festivalgelände vorbei, ehe wir dann doch den richtigen Schleichweg fanden. Endlich angekommen, sah es dann auch fast so aus, als hätten noch mehr Besucher das Festival erst gar nicht gefunden, denn leider waren diese nicht ganz so zahlreich erschienen.
Die, die da waren jedoch, ließen sich davon anscheinend nicht beeindrucken, denn bereits als wir gegen 14:30 Uhr aufschlugen, wurde gebangt und getanzt. Ich ließ mir erzählen, dass einige bestimmte Leute schon seit Donnerstag vor der Bühne standen und dort, die Hände gen Himmel erhoben, ununterbrochen im Kreis liefen. Wem’s Freude bringt - lustig anzusehen war es allemal!

Aufgrund der etwas verzögerten Anreise fand der erste Auftritt des Tages dann leider ohne mich statt; die Potsdamer Grinder/Deather von IN DEMISE spielten nämlich bereits um 13:00 Uhr und somit für mich ein wenig zu früh.

Auch die folgenden INTERNAL DECAY hatten es für mich zeitlich nicht ganz so gut erwischt, doch konnte ich hier wenigstens noch die letzten Stücke verfolgen. Während ich über das Festivalgelände wanderte und mit dem einen Auge erst einmal die recht zahlreich vertretenden Stände unter die Lupe nahm, konnte ich mit dem anderen Auge den Auftritt der Jungs aus Dresden beobachten. Diese boten wirklich hörenswerten Death/Grind zum Mitbangen, was für die Besucherzahlverhältnisse des Festivals auch recht zahlreich getan wurde.

Nach einer kurzen Umbaupause war es dann an FLAYING, das Publikum zu begeistern, und die Mannen aus Lettland schafften es auch, die anfangs sehr spärlich vertretenen Zuschauer im Laufe ihres Sets zu vermehren. Ihr Brutal Death war zwar so gesehen nichts Besonderes, er lockte aber den ein oder anderen verschlafenen Besucher endgültig aus dem Zelt und vor die Bühne. Auf dieser konnte man lustige Dinge beobachten; denn das Klischee des bösen Grinders wurde von den Jungs augenscheinlich nicht allzu ernst genommen. So wurde zwar die meiste Zeit in blutigen T-Shirts über die Bühne gesprungen, ab und zu gab’s aber auch eine kleine Umziehpause und dann wurden die blutbespritzten Doktorkittel mit passendem Mundschutz angepellt oder die hübsche rote Henkersmaske aus dem Köfferchen geholt. Mit FLAYING gab’s also auch was für’s Auge.



Bei den nun folgenden SLIT flachte das Interesse seitens des Publikums leider ein wenig ab. Die Jungs aus Malta waren zwar mit Herz bei der Sache und boten eine energiegeladene Bühnenshow, ihr hardcorig angehauchter Metal traf aber anscheinend nicht ganz den Nerv der Zuschauer. Dessen ungeachtet zog die Band ihr Set mit großer Spielfreude durch und zeigte vor allem eine Fingerfertigkeit, die mehr als beachtlich war.



Nicht nur SLIT, sondern eigentlich der Großteil der Bands hatte leider mit den niedrigen Besucherzahlen zu kämpfen. Wie man anhand später spielender Gruppen noch sehen sollte, waren eigentlich genügend Leute da, um den Platz vor der Bühne zu füllen, doch verliefen sich die Anwesenden den Tag über zumeist auf dem Gelände, und so mussten sich die meisten Bands mit größtenteils nur etwa 20 Zuschauern direkt vor der Bühne zufrieden geben. Hoch anzurechnen ist es hier aber allen Beteiligten, dass sie ihre Sets trotzdem durchzogen und sich zu keiner Zeit irgendwelchen Missmut ob der Situation anmerken ließen.

Auch THE ATMOSFEAR spielten vor nicht ganz so vielen Leuten, schienen sich aber ebenfalls nicht daran zu stören. Nach ihrem recht merkwürdigen Motorrad-Intro, welches wohl Maschinengewehrschüsse darstellen sollte, gings gleich voller Freude los mit ihrem dreiviertelstündigen Set. Die Jungs aus Niedersachsen boten schön schnörkellosen Oldschool-Death Metal, der mich von den bis dato gesehenen Bands am meisten begeistern konnte.
Sehr lustig mit anzusehen war der Sänger, der von Beginn an auf der Bühne herumtobte, als müsse er irgendwelche Streckenrekorde brechen. Aufgrund der vielen Bewegung verlor er dann nicht nur einmal seinen Nietengürtel, versuchte aber trotzdem immer wieder, ihn sich erneut um den Bauch zu friemeln. Ein wenig merkwürdig fand ich es dann aber doch, dass er, ob gewollt oder unbeabsichtigt, sich den Bauch im Laufe des Sets immer blutiger kratzte, indem er mit martialischen Krallenbewegungen ab und an mal über diesen hinüberschrubbte. Mir tat’s allein vom Zuschauen weh.



Die anschließenden PURGATORY hatte anscheinend schon der ein oder andere erwartet, denn zum ersten Mal an diesem Tag waren vor der Bühne einmal nicht fast nur Leute von der Presse zu sehen. Das Deathgeballer der Mannen aus Nossen kam gut an und entlockte irgendwann auch dem letzten Armeverschränker wenigstens ein Zucken im Fuß. Gut fand’s wohl auch Paule Speckmann, der nach jeder Band auf die Bühne kam, um die nächste anzusagen und nach dem Gig von PURGATORY sogar ein wenig zu lächeln schien.



Gelächelt wurde dann auch bei der nächsten Band, denn weiter ging’s mit den EXCREMANTORY GRINDFUCKERS. War ich vor deren Auftritt noch völlig unbedarft, was diese Band betrifft, werden sie mir nun wohl auf ewig im Gedächtnis bleiben. Nach ihrem Titanic-Schmalz-Intro zogen die Jungs aus Hannover eine Stunde Grind-Comedy ab, die es in sich hatte. Grimassen schneidend und Witze reißend tobten sie über die Bühne und spielten nebenbei ihre Mischung aus Grind und deutschen Schlagern herunter. Beschreiben kann man es kaum, anhören muss man es, um sich ein Bild von den kranken Hirnen der GRINDFUCKERS zu machen. Das Publikum jedenfalls fand die Show toll, und auch die Security wird es den Jungs verziehen haben, dass sie in einer Tour gepiesackt wurde („Macht mal Platz da vorne, dass die Security nen anständigen Mosh-Pit machen kann!“).



Ich war dann wohl eine der Wenigen, die sich die GRINDFUCKERS nicht bis zum Schluss angesehen hat, aber irgendwann brauchte auch ich mal eine Pause. Diese zog sich dann zwar so in die Länge, dass ich DENIAL FIEND nur aus der Ferne hörte, aber fast die gleiche Besetzung sollte später am Abend ja auch noch einmal mit MASSACRE auf der Bühne zu bewundern sein. Und auch wenn die Stilrichtungen der Bands nicht unbedingt miteinander zu vergleichen sind, legte ich an dieser Stelle für mich fest, dass mir eine der beiden Bands reichen muss.

Pünktlich zu HOLOCAUSTO CANIBAL war ich dann wieder vor der Bühne zu finden und konnte so den Gig der Portugiesen von Beginn an verfolgen. Diese zeigten bedingungs- und schnörkellosen Grindcore, und an den Reaktionen des Publikums konnte man erahnen, dass diese Art von Musik genau die war, die der Großteil der Leute hier hören wollte. Etwas schade war es, dass seitens der Band null Interaktion mit den Zuschauern stattfand, immerhin der Sänger bildete hier aber eine Ausnahme und schaffte es, nach jedem Song ein „Thank You“ in die Menge zu werfen (bei den kurzen Songs ja auch schon viel Text). Nett mit anzusehen war es auch, als der Sänger ins Publikum sprang und die Security so übereifrig bei der Arbeit war, dass sie ihn im Glauben, er sei ein „normaler“ Zuschauer, nicht wieder hinaufließ. Zum Ende des Gigs hin kam irgendwer auf die Idee, leuchtende und blinkende kleine Gummibällchen ins Publikum zu werfen, und das ließ sich natürllich nicht lange bitten und feuerte die Teile kurzerhand auf die Bühne und auch sonst überall in der Gegend umher. Als die dann auch wieder zurückkamen, war die herrlichste Schneeballschlacht ohne Schnee im Gange. HOLOCAUSTO CANIBAL schien das alles kaum zu kratzen, der Gig wurde brav und ohne blinkende Bällchen zu werfen zu Ende gespielt.



Als Headliner des letzten Tages hatte man MASSACRE verpflichten können, und die Mannen aus Florida zeigten auch von Anfang an, dass sie diesen Status verdient hatten. Lee, seines Zeichens Sänger der Old-School-Deather, war zwar mehr als merkwürdig anzusehen, der Show tat das aber keinen Abbruch und so wurde von Beginn an ein kleines Death-Metal-Fest mit dem Publikum gefeiert. Auf der Bühne herrschte eine Menge Bewegung und die Spielfreude sprühte fast in die Menge, es wurde gebangt wie wild, die paar Hansel vom Anfang des Tages rannten immer noch im Kreis umher und schwenkten die Arme in der Luft herum...



Fazit: Alles in Allem bot das Fuck The Commerce 2008 ein sehr gutes Bild: Bei jeder Band gab es einen durchweg guten Sound, es wurde sich bis fast komplett an den Zeitplan gehalten und nur zum Schluss kam es aufgrund eines kurzen Stromausfalles zu geringen Verzögerungen. Die Toiletten waren super, das Partyzelt lud nach dem jeweils letzten Auftritt des Tages zum Feiern ein, und auch die Angestellten des Festivals zeigten sich mehr als gutgelaunt.
Es wäre schade um dieses kleine Festival, wenn es aufgrund fehlender Besucher zu Grabe getragen werden müsste, und daher bleibt zu hoffen, dass das Jahr 2009 in diesem Punkt ein positiveres Bild bieten wird – dann steht dem auch bis ins letzte Detail perfekten Festival nämlich nichts mehr im Wege.

Bands am Donnerstag:
DEBT OF NATURE
THE BURNING
URKRAFT
BITTERNESS
STERBEHILFE
GORE
POOSTEW
STOMA
LAY DOWN ROTTEN
ILLDISPOSED

Bands am Freitag:
PROFANATION
DEADBORN
INFERIA
MASS INFECTION
ETERNAL BLEEDING
WEAK ASIDE
NEUROPATHIA
SPAWN
GRIND INC.
HOUWITSER

Bands am Samstag:
IN DEMISE
INTERNAL DECAY
FLAYING
SLIT
THE ATMOSFEAR
PURGATORY
EXCREMENTORY GRINDFUCKERS
DENIAL FIEND
HOLOCAUSTO CANIBAL
MASSACRE