Circa Survive – Blue Sky Noise Tipp

CircaSurvive_BlueSkyNoise

Stil (Spielzeit):
Indie/Emo Rock (49:37)
Label/Vertrieb (VÖ): Atlantic / Warner (28.05.2010)
Bewertung: 9/10 Punkten


Links: http://www.circasurvive.com/
http://www.myspace.com/circasurvive
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CIRCA SURVIVE melden sich nach 3 Jahren endlich mit dem Nachfolger des 2007er Erfolgsalbums „On Letting Go“ zurück, welches in Amerika sogar einen Platz in den US-Top 30 erreichte und auch bei uns 9 von 10 Punkten abstauben konnte. Die Band um den ehemaligen SAOSIN Frontmann Antony Green, der mit seiner kristallklaren Sopranstimme das Aushängeschild von CIRCA SURVIVE ist, präsentiert mit Blue Sky Noise ihr Major-Debüt, denn die Jungs sind seit kurzem bei Atlantic Records unter Vertrag nachdem ihr Deal mit Equal-Vision ausgelaufen ist.

Natürlich hatten daher im Vorwege etliche Fans Angst vor einem Sellout der progressiven Emorocker, diese ist meiner Meinung nach allerdings vollkommen unbegründet. Zwar fehlen Blue Sky Noise unter anderem durch die nahezu perfekte Produktion der Platte durch Grammy Gewinner David Bottrill (MUSE, TOOL) eventuell ein paar Ecken und Kanten, allerdings sind die Songstrukturen weiterhin sehr komplex - wenn auch nicht ganz so chaotisch wie noch zu Juturna Zeiten - und der Sound ist einfach herrlich atmosphärisch. Die Lyrics hingegen sind weniger verworren und leichter zugänglich als früher. Was das Artwork des Booklets angeht sind CIRCA SURVIVE auch weiterhin dem genialen Künstler Esao Andrews treu geblieben und so schön wie das Cover gestalten sich auch die Songs von Blue Sky Noise – für mich bisher eines der besten Alben des Jahres.

Der Opener „Strange Terrain“ besticht durch seine leichtfüßig, verspielte Melodieführung und verleitet sofort zum Träumen. Antony Greens Stimme klingt hier wesentlich reifer und nicht mehr ganz so hoch und schrill wie auf den Vorgängeralben. Nach dem eher ruhigen Einstieg in das neue Album rocken CIRCA SURVIVE auf der ersten Singleauskopplung „Get Out“ ordentlich los und Green kann hier auch mal sein Talent zum Screamen beweisen. Der Song ist ein absolutes Highlight auf dem Album, denn er kombiniert herrlich die Elemente, die CIRCA SURVIVE ausmachen: Antonys emotionale Sopranstimme als Kontrast zum leicht aggressiv, grungigen Sound des Gitarristen Brendan Ekstrom und der dynamischen Rhytmusfraktion – genial! „Glass Arrows“ klingt streckenweise sehr nach SAOSIN und macht mir als SAOSIN Fan bewusst (besonders nach der eher schwachen letzten Scheibe der Kalifornier), was für ein harter Schlag der Ausstieg von Antony für die Band gewesen sein muss. „I Felt Free“ ist mein Lieblingssong des Albums, da er mich sehr an THE USED erinnert. Er besticht außerdem durch hymnenartige Mitsingparts wie „"I fell apart in your arms for the last time, and I felt free to do what I want because of the things you told me". Das mag auf den ersten Blick kitschig klingen, aber Antony Green nimmt man sogar Aussagen dieser Art sofort ab. „Imaginary Enemy“ ist die zweite Single des Albums und besticht anfangs durch das stockende Wechselspiel zwischen Gitarre und Bass. Zum Refrain hin wird der Song dann immer melodischer und atmosphärischer und erinnert wieder etwas an SAOSIN. „Through The Desert Alone“ hat mich vom ersten Moment an gefesselt und ist für mich ein weiteres Highlight von Blue Sky Noise – der Song hat einen Wahnsinnsrefrain, den man nicht so schnell wieder loswird. „Frozen Creek“ startet dann ruhiger begleitet von einer Akustikgitarre und verleitet erneut zum Träumen. Nach der rockigen Up-Tempo Nummer „Fever Dreams“ folgt dann die wunderschöne, leicht melancholische Pianoballade „Spirit Of The Stairwell“, die musikalisch die Stimmung der Lyrics perfekt umsetzt. Das Ende des Albums bilden das fluffige „The Longest Mile“, das progressiv instrumentale „Compendium“ und schließlich „Dyed In The Wool“ mit wunderbaren Gang Vocals.

Für mich haben CIRCA SURVIVE mit Blue Sky Noise ihr bisher bestes Album geschrieben. Jeder Song ist auf seine Weise einzigartig und das Album wächst bei jedem Hördurchgang und entführt einen in wunderschöne, verträumte Klangwelten. Die leicht melancholische Grundstimmung der beiden Vorgängeralben ist auf Blue Sky Noise nicht mehr allgegenwärtig, aber auch der neue etwas fröhlichere Sound steht der Band super und ist durchaus erfrischend. Ich drücke die Daumen, dass diese großartige Band in Zukunft nicht mehr so unterschätzt wird wie in der Vergangenheit.