My Dying Bride - Evinta

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Stil (Spielzeit): Death Ambient / Doom (87:08)
Label/Vertrieb (VÖ): Peaceville / Edel (27.5.2011)
Bewertung: 5/10

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Einge, die vor mir dieses Review geschrieben haben, feiern das Album ab, und das würde ich ebenfalls zu gern tun. Ist „Evinta“ doch das Geschenk, das sich MY DYING BRIDE selbst zum 20. Geburtstag machen – und das sollte doch für mich als langjähriger Fan der Truppe erst recht ein Grund zum Feiern sein. Allerdings hätte ich mir doch etwas anderes gewünscht als dieses Doppel-Album – die Deluxe-Version hat noch eine Scheibe mehr.

20 Jahre MY DYING BRIDE, und laut Band schwelt bereits seit 15 Jahren die Idee, ein Album wie dieses zu machen. Der runde Geburtstag war eine gute Gelegenheit, es endlich in die Tat umzusetzen. Mit dem bekannten, schwermütigen und melancholischen Doom Metal hat „Evinta“ nichts zu tun, wohl aber mit den fantastischen, traurigen Melodien, die die Band berühmt gemacht hat.

Denn „Evinta“ ist ein Art Collage, gebastelt aus den schönsten Momenten der eigenen Alben, gebunden in symphonische, orchestrale Musik aus Klavier, Streichern und Pauken. Sänger Aaron Stainthorpe hat neue Texte dazu verfasst, die er manchmal singt, meistens aber nur dramatisch rezitiert. Als Gastsängerin trällert die Sopranistin Lucie Roche. So entstanden neun Songs, seltsame, sphärische Bastarde, aus denen immer wieder bekannte Elemente quellen, während sie dahinplätschern.

Das funktioniert zwar, aber leider zu selten. Wenn „Evinta“ sphärisch wird und in Ambientklänge abdriftet, haben die Stücke Charakter, entwickeln einen sanften, düsteren Sog – so wie „The Distance, busy with Shadows“. Passagenweise klingt das Stück getrieben, irgendwie düster orientalisch: spannend.

Solche Phasen hat „Evinta“ immer wieder, Stellen, die aufhorchen lassen, weil die Ursprungsversionen wirklich mutig durch die Mangel gedreht wurden. Das Dilemma ist aber: Kein Stück hält dieses Niveau. Manchmal klingen MY DYING BRIDE wie der Soundtrack zu einem mittelmäßigen Fantasyfilm. Dann merkt man, dass die Musik für Metal gemacht ist, ohne dieses Gerüst bleibt zu wenig übrig, als dass es noch genial bliebe. Werden die Gitarrenmelodien einfach auf einem Klavier nachgespielt, bleibt eben nur Gothic-Kitsch. Die Sopranistin, die zum Glück nicht sonderlich oft zum Einsatz kommt, macht das natürlich nicht besser.

So schwankt mit den Wechseln zwischen trippigem Ambient-Rausch und abgeschmackter Teenie-Depression das Niveau hin und her. Schade, sehr, sehr schade: Aber ich finde nicht, dass MY DYING BRIDE mit „Evinta“ ihren Fans einen großen Gefallen getan haben. Ich warte lieber auf das nächste Album.