Tristania - Rubicon



Stil (Spielzeit): Gothic/Dark Metal (47:12)
Label/Vertrieb (VÖ): Napalm Records (27.08.2010)
Bewertung: 6/10

Link: www.tristania.com

Vor zwölf bzw. elf Jahren schrieben die Norweger TRISTANIA mit den Alben „Widow's Weeds" und „Beyond The Veil" Gothic-Metal-Geschichte. Als Morten Veland ausstieg und sich Stilwechsel ankündigten, verloren viele ihren Glauben an TRISTANIA. 2007, nach dem Ausstieg von Sängerin Vibeke Sterne, wurde es für die Fans noch schwieriger. Das nur zum Einstieg, denn ein Album der Norweger ist mir bis auf „Rubicon" noch nicht in den CD-Player gekommen. Aus dem Grund gehe ich völlig unbedarft an den neuen Output der Gothic/Dark Metaller heran, und muss relativ schnell erkennen: „Rubicon" ist zwar eine nette Scheibe mit einigen guten Momenten, allerdings weit davon entfernt, mich als Gothic-affinen Hörer wirklich zu begeistern.

Vielleicht hört sich das ein wenig zu negativ an, denn das neue TRISTANIA-Werk ist auch weit davon entfernt, schlecht zu sein. Packend geht es mit dem treibenden Opener „Year Of The Rat" los, der bereits seit einiger Zeit auf der Napalm Records-Homepage als freier Download verfügbar war. Mit Akustikgitarren in den Strophen, wohldosiertem Pianoeinsatz, treibenden E-Gitarren im eingängigen Chorus und einer tollen Gesangsleistung von Mariangela Demurtas macht die erste „Rubicon"-Nummer direkt Eindruck. Mit „Protection" schließt sich ein Song an, der auch ohne Kenntnisse der Metalszene ganz eindeutig dem Gothic Metal zugeordnet werden kann, während „Patriot Games" die wohl härteste Nummer des Albums ist. Was TRISTANIA 2010 und mit kräftig durcheinander gewürfelten Bandbesetzung ausmacht, sind schöne, bittersüße Melodien wie im Refrain von „The Passing", das zudem noch ein schwermütiges Violinensolo von Pete Johansen enthält, und der Wechsel aus männlichen und weiblichen Vocals, wobei Demurtas immer den größten Anteil am Gesang hat (außer vielleicht beim hörenswerten „Vulture"), was mir um ehrlich zu sein aber deutlich besser gefällt... Richtig traurig wird es dann in „Amnesia", während bei anderen Tracks eher die Bombast-Keule ausgepackt wird. Hört sich doch erstmal so an, als wäre „Rubicon" eine richtig lasse Scheibe, doch neben den erwähnten guten Momenten schleichen sich auch einige durchschnittliche Songs und Passagen ein, die mich eher mit einem Achselzucken vor der Anlage sitzen lassen.

Technisch klingt das Ergebnis von allen Bandmitgliedern sehr professionell, etwas anderes hätte ich auch nicht erwartet. Aber „Rubicon" ist trotz aller guter Momente und Melodien, die sich wie bei „Year Of The Rat" tatsächlich im Ohr festsetzen, eher ein Album, das mehr oder weniger an einem vorbei geht. Hardcore-Fans werden das definitiv anders sehen, ich persönlich bin von dem neuen Album einer Band, die ja beinahe schon als Gothic-Legende bezeichnet wird, jedoch eher enttäuscht. Da hätte ich mehr erwartet, trotz einer „voll befriedigend" als endgültige Schulnote.