Blind Guardian - A Twist In The Myth



Stil (Spielzeit):
Symphonic Progressive Metal (51:45)
Label/Vertrieb (VÖ): Nuclear Blast (01.09.2006)
Bewertung: Barden in Bestform [8,5/10]

 www.blind-guardian.com

Krefeld meldet sich zurück im Metal-Zirkus. Vier Jahre nach dem in Fankreisen eher durchwachsen aufgenommenen „A Night At The Opera“ servieren uns die Ruhrpott-Barden von BLIND GUARDIAN ihr neues Opus „A Twist In The Myth“. Als einer derjenigen, die mit dem Vorgänger trotz wiederholter Anläufe nie so richtig warm geworden sind, war ich natürlich mehr als gespannt, ob die Jungs um Frontmann Hansi Kürsch es schaffen würden, mich mit dem neuen Output wieder zu Jubelstürmen zu bewegen.

Und da ich ein ganz schlechter Geheimnisbewahrer bin, packe ich mein Fazit gleich an den Anfang: Die neue Scheibe ist die perfekte Symbiose der letzten vier Studio-Alben! Nimm eins der Alben, egal welches – du wirst Anklänge davon auf „A Twist In The Myth“ finden. Am deutlichsten drücken sich die 95’er „Imaginations From The Other Side“ und ihr Nachfolger „Nightfall In Middle-Earth“ (1998) durch, aber es gibt auch Stellen, an denen „Somewhere Far Beyond“ (1992) hervorblitzt. 

Natürlich besitzt das Album auch Ähnlichkeiten mit dem direkten Vorgänger, aber erfreulicherweise halten sich diese in Grenzen. Insgesamt wirkt „A Twist In The Myth“ dadurch wieder deutlich zugangsfreundlicher, weniger kompliziert und verschachtelt komponiert. Ausserdem ist es (auch wenn Marcus im Interview, dass ich mit ihm führte, anderer Meinung war) meiner Meinung nach wieder einen ordentlichen Zacken knackiger und härter. In gewisser Weise also durchaus ein „Back to the (nicht so ganz weit zurückliegenden) Roots“.

Gleich der Opener „This Will Never End“ zeigt die Richtung an. Ein „echter Blind Guardian“, der zwar gut nach vorne abgeht, aber ebenfalls über die inzwischen typischen Trademarks Chöre und verspielte Gitarrenläufe verfügt. „Otherland“ – welches sich textlich an die Fantasy-Tetralogie von Tad Williams anlehnt – und „Turn The Page“ führen den eingeschlagenen Weg fort. Generell kann man sagen: während man den Strophen sicherlich zwei bis drei Umläufe zugestehen muss, bleiben die meisten Refrains gleich beim ersten Mal hängen.

Danach folgt mit der ersten Single-Auskopplung „Fly“ wohl der Song, der noch am deutlichsten an „A Night At The Opera“ erinnert. Wer also bisher lediglich die Single zu Ohren bekommen hat, sollte sich tunlichst hüten, das Album nur danach zu beurteilen. „A Twist In The Myth“ ist weit mehr als nur „Fly“.

Bei „Carry The Blessed Home“ wird es das erste Mal ein wenig ruhiger. Aber nicht für lange, denn mit „Another Stranger Me“, „Straight Through The Mirror“ und „Lionheart“ folgt jener Teil des Albums, der für mich am ehesten für Blind Guardian anno 2006 steht – nicht so verfrickelt wie ein Großteil des „A Night At The Opera“-Materials, aber stilistisch auch nicht so deutlich an eine der anderen Scheiben angelehnt.

Mit der klassischen Fantasy/Mittelalter-Ballade „Skalds & Shadows“ wird danach der letzte Teil des Albums eingeläutet. Zu dem Song muss man nicht viel sagen – „Bard’s Song“ und „Imaginations From The Other Side“ lassen grüßen und es würde mich wundern, wenn die Jungs den Song auf der kommenden Tour nicht spielen – das Feuerzeug-Meer ist vorprogrammiert. Und auch bei den letzten beiden Stücken „The Edge“ und „The New Order“ lassen die vier Krefelder nix mehr anbrennen.

Fazit: Ein Schritt zurück, der letzten Endes doch einer nach vorn ist. Mit „A Twist In The Myth“ schaffen BLIND GUARDIAN den Brückenschlag zwischen „A Night At The Opera“ und ihren früheren Alben. Jeder, der nicht nach „Tales From The Twilight World“ aufgehört hat, die Band zu mögen, dürfte damit mehr als gut leben können. Aber auch diesmal gilt: Einmal nebenher hören reicht hier nicht. Diese Platte verlangt Aufmerksamkeit.

Anspieltips: This Will Never End, Turn The page, Skalds & Shadows, The Edge

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