The Contortionist - Clairvoyant

The Contortionist - Clairvoyant
    Progressive Rock / Post Rock / Djent

    Label: Longbranch / SPV
    VÖ: 15.09.2017
    Bewertung:7/10

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„Clairvoyant“ ist das vierte Album der Progressive Rocker THE CONTORTIONIST aus Indianapolis, doch eigentlich kann man hier von einem Debüt sprechen. Denn erst jetzt scheinen THE CONTORTIONIST zu sein, was sie sind – die bisherigen Alben sind im Vergleich zu „Clairvoyant“ wohl nur Prototypen für das wahre Gesicht der Band.

Fokus

Endlich wissen THE CONTORTIONIST was sie wollen: sich aus den statischen Fesseln der Genres befreien, diese miteinander verketten und dabei möglichst die individuellen eigenen Fähigkeiten zum Ausdruck bringen. Die Band vernetzt Post Rock mit Djent und Prog Rock, doch auf den bisherigen Alben ist es ihnen nicht gelungen, ihre Einflüsse ihn ein schönes Netz zu spannen, sondern sie reihten sie Block an Block – vermutlich der Grund, weshalb sie bisher nie wirklich Aufmerksamkeit erhielten und sich erst jetzt einen Namen machen. Der Charakter der Band und vermutlich auch ihr musikalisches Konzept haben sich grundlegend gewandelt zu einem melancholisch-expressiven Gerüst, das jeglichen Kritiken standhalten wird.

Wie in „Die Schöne und das Biest“

Ganz wie in dem Disney-Film, der in der Tat meine Kindheit geprägt hat, stehen sich auf „Clairvoyant“ harte, schwere Riffs mit komplexen, detailreichen Melodien und der fragile, melancholische Gesang gegenüber und bringen die Djent-Mystik durch den Kontrast zum Ausdruck.

Die träumerische und schleierhafte Atmosphäre („Reimagined“) hat eine ätherische Transzendenz zur Folge, die über alles, was ich aus den Genres kenne, hinausgeht und sämtliche Regenwolken verschwinden lässt. Vom Stil erinnern mich THE CONTORTIONIST an den Songwriter PLINI, der ebenfalls wie das Sextett Wert auf ein sehr buntes, dynamisches Klangfeld legt („Clairvoyant“).

Im Internet habe ich ein Video einer Balletttänzerin gesehen, die zu „Monochrome (Pensive)“ ihre expressiven Bewegungen improvisiert (der Grund, weshalb ich auf das Album erst aufmerksam geworden bin) – und eigentlich beschreibt nichts besser das Album, als dieser Ausdruck mit dem Körper: sehr emotional, sehr poetisch, sehr fragil. Fetten Daumen hoch für „Return To Earth“, mein Liebling der Scheibe.

Fazit: Wer THE CONTORTIONIST noch von damals kennt, sollte alle abgestandenen Eindrücke über Bord werfen und „Clairvoyant“ nochmal ganz frisch genießen, es wird sich ganz anders anfühlen.

Tracklist:

Monochrome (Passive) 4:57
Godspeed 3:47
Reimagined 3:22
Clairvoyant 7:37
The Center 7:12
Absolve 5:20
Relapse 6:18
Return To Earth 6:16
Monochrome (Pensive) 9:23