Tarja - My Winter Storm


Review

Stil (Spielzeit): Mischung aus Klassik-Bombast, Soundtrack & Metal (60:46)
Label/Vertrieb (VÖ): Vertigo/Universal Music (16.11.07)
Bewertung: 7/10


Link: http://www.tarjaturunen.com
TARJA TURUNEN meldet sich nach ihrer Trennung von NIGHTWISH im Jahre 2005 ein paar Monate später als ihre Ex-Kollegen mit neuem Material zurück. „My Winter Storm“ ist zwar nicht das erste Soloalbum von Frau Turunen, allerdings wird es wohl kritischer beäugt werden als ihr Weihnachtsalbum oder sonstige Solo-Sachen, die während ihrer NIGHTWISH-Zeit veröffentlicht wurden. Man darf also gespannt sein, wie sich Goldkehlchen TARJA ohne ihre ehemaligen Mitmusiker schlägt.

Das Negative zuerst: Die Gitarrenarbeit ist recht lustlos und austauschbar geraten, einige Riffs sind sogar äußerst einfallslos und leider nicht sehr fett produziert worden, was die rockigen Songs etwas blass erscheinen lässt. Ein begnadeter Songwriter wie Tuomas Holopainen wird hier schmerzlich vermisst. Das ALICE COOPER-Cover „Poison“ ist – je nach Stimmung – entweder gewöhnungsbedürftig oder ein Fall für die Skip-Taste, und ein paar andere Songs klingen ebenfalls wenig überzeugend und zu durchschnittlich (z.B. das eher maue „Damned And Divine“ oder das arg durchschnittliche "Ciaráns' Well").
Andererseits sind Lieder wie das wunderschöne „Boy And The Ghost“, der Ohrwurm „I Walk Alone“, „My Little Phoenix“, „Sing For Me“ (mit verträumten Melodien), „Minor Heaven“, das schnell beginnende „Die Alive“ oder der einzige von TARJA alleine geschriebene und auf Finnisch gesungene Song „Oasis“ überzeugende Mischungen aus Klassik-Bombast und Rock, wobei die Künstlerin aber deutlich mehr Wert auf Soundtrack-artige Arrangements setzt, als es dem Metal-Fan recht zu machen (was durchaus beabsichtig ist). Überhaupt sind die balladesken Nummern gut gelungen, was vor allem an TARJA’s fantastischem Gesang liegt, der alle Facetten abdeckt.
Aufgenommen wurde das Album teilweise in Hans Zimmers (jawohl, die Soundtrack-Ikone, die sich für die Filmmusik von „Fluch der Karibik“ oder „Gladiator“ verantwortlich zeigt) Remote Control Studio unter Aufsicht von James Dooley, einem Kollegen Zimmers, der auch für Orchestrationen zuständig war. Dieser professionelle Input hat dem Album hörbar gut getan.

Mit „My Winter Storm” ist TARJA TURUNEN zwar kein fantastisches, aber ein über weite Strecken gutes Album gelungen, das viel Soundtrack-Atmosphäre versprüht und bis auf einige Ausnahmen sowohl im Balladen- als auch im rockigen Bereich überzeugen kann. Mit mehr kompositorischer Finesse und durchgehend starkem Material könnte weiteres TARJA-Material zu einer ziemlich spannenden Angelegenheit werden!