Geschrieben von Freitag, 29 April 2011 00:00

In Extremo - Siegen, Siegerlandhalle

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Mit dem neuen Album "Sterneneisen" im Gepäck gab es wohl für keinen IN EXTREMO-Fan einen Zweifel daran, dass die sieben Spielleute ihre neue CD an diesem Abend auch live vorstellen würden. Alle Sieger- und Sauerländer werden sich darüber gefreut haben, dass die Mittelalter Metaller nicht nur in Köln, sogar noch viel näher in Siegen spielen würden, und zwar am Gründonnerstag bei schönstem Sonnenschein.


Wenn ein solches Konzert schon mal in der Nähe stattfindet, muss man auch hin – das dachten sich nicht wenige, denn die Siegerlandhalle war gut gefüllt, auch wenn man nach der Vorband FIDDLER'S GREEN, die ich leider verpasst habe, noch problemlos recht weit nach vorne kommen konnte und es glücklicherweise lange nicht so beengt zuging, wie auf manch anderen Konzerten. Nach einem kurzen, gesprochenen Intro ("Dieser Stern hat sieben Zacken..") konnte man erahnen, dass IN EXTREMO mit dem Titeltrack des neuen Albums in ihren Set einsteigen würden, und richtig: Mit einem Knall, einer vor Spielfreude überschäumenden Band und "Sterneneisen" gaben sowohl das Septett auf als auch das fantastisch gelaunte Publikum vor der Bühne gleich mächtig Gas. Im Folgenden reihte sich mit "Frei zu sein", "Liam" und "Erdbeermund" ein Hit an den anderen, und die anwesenden Fans gaben wirklich ihr Bestes, um die Band zu unterstützen. Der Dank aus tiefstem Herzen, den Das Letzte Einhorn aussprach, überraschte denn auch nicht wirklich, machte aber dennoch mächtig stolz. Die Energie, die von der Bühne kam, wurde sofort wieder zurückgegeben. Einige Stimmen behaupteten nach dem Konzert schweißüberströmt und selig, dass es das beste Konzert gewesen sei, das sie jemals von IN EXTREMO gesehen hätten.

Die Band war hochmotiviert, das Publikum kochte nicht nur dank der Kochtopf-Temperaturen aufgrund der vielen Pyroeinsätze. Mit "Zigeunerskat" kam die nächste Nummer des aktuellen Albums zum Einsatz, wie überhaupt bis auf drei Songs das komplette neue Werk live dargeboten wurde. Vielleicht war das manch einem Hardcore-Fan zu viel, allerdings handelte es sich schließlich um die "Sterneneisen"-Tour. Und wenn nicht bei einer solchen Gelegenheit viel Neues gespielt wird, wann dann? Zumal auch auf den letzten Tourneen viel Material des aktuellen Albums gespielt wurde. Natürlich musste man neben den neuen Tracks "Siehst du das Licht", "Unsichtbar" (funktioniert auch ohne KREATOR-Mille), "Hol die Sterne" und dem Säuferlied "Viva La Vida" (genauso versoffen rüber gebracht wie auf CD) nicht auf Hits in Form von "Vollmond", "Herr Mannelig", "Rotes Haar" (dem Gründungsmitglied Conny gewidmet, die anwesend war) und den "Spielmannsfluch" verzichten.

Sowohl bei den Klassikern als auch den meisten neuen Songs feierte das Publikum IN EXTREMO ab, gab sich sehr textsicher und ließ einem mehr als einmal einen Schauer über den Rücken laufen. Auch das "Oh-oh" in "Sängerkrieg" funktionierte wunderbar. Die Barden auf der Bühne taten ihrerseits ihr Bestes, um die Meute vor ihr anzufeuern – und das im wahrsten Sinne des Wortes: Die Feuerfontänen kitzelten die Lichttraversen, es gab ein paar speziellere Effekte und Konfetti-Regen, und bei "Gold" wurde dann tatsächlich mit Gold um sich geworfen. Mit dem Hit "Küss mich", "Rasend Herz" und "Omnia Sol Temperat" verabschiedeten sich IN EXTREMO nach guten 1 ¾ Stunden Spielzeit von der Bühne und hinterließen ein nassgeschwitztes, aber äußerst glückliches Publikum, das sich hoffentlich demnächst über einen DVD-Auftritt freuen kann. Die vielen Kameras, die das Geschehen auf und vor der Bühne mitfilmten, deuteten stark darauf hin, dass in Siegen Material für eine DVD-Nachlese aufgenommen wurde.

IN EXTREMO bescherten 2.000 bis 3.000 Fans einen wunderbaren Abend voll hervorragender Musik, Spaß und guter Laune. Danke dafür! Und eine kleine Bitte an andere Bands: Schaut doch auch mal in Siegen vorbei. Selbst nach den einige Tage vorher stattfindenden Auftritten in Köln kamen auch einige Fans aus anderen Bundesländern, um sich das motivierte Septett auf der Bühne anzusehen. Dass es ein solcher Triumphzug werden würde, hätten aber wohl weder die weiter angereisten Fans noch die Band gedacht.