Sepia Dreamer - The Sublime


Review

Stil (Spielzeit): Progressive (44:00)
Label/Vertrieb (VÖ): Galactic Records (26.2.07)
Bewertung: Verträumt. [7/10]
Link: http://www.myspace.com/sepiadreamer

Die günstigen Digitalkameras, die in jedem Elektronik-Discounter derzeit angepriesen und zu Spottpreisen verschleudert werden haben in vielen Fällen eine mysteriöse Funktion: Den so genannten Sepia-Effekt. Der hat nicht viel mit Tintenfischen zu tun, sondern bezeichnet vielmehr einen Braunton. Legt man ein Foto sechzig oder mehr Jahre bei Seite, so kommt man auf regulärem Wege zu dem Effekt und braunockerfarbene Flecken entstehen auf dem Schwarzweißbild.

Flecken in eben dieser Farbe legen sich auch auf Stimmung, Gemüt und Denkvermögen, wenn man sich den letzten Wurf der zweieinhalb Schweden von SEPIA DREAMER anhört. Die vier Stücke mit, auf die Sekunde genau vierundvierzig Minuten laden zum Träumen ein. Eine lange Einleitung, die verspielten Synthesizer und die Ambientlastigen Elektronikpassagen sind bereits richtungweisend, und obwohl vereinzelt pulsierendes Metall, ja vereinzelt sogar Letalmetall, durchschimmert, ist das Gesamtwerk vor Allem sphärisch und ruhig. Das Tempo wird nie zu schnell, als dass Unruhe aufkommen könnte und auch nicht zu langsam, als dass sich Ungeduld breit machen könnte. Und trotzdem wirken die wirklich schönen Stücke aber auch etwas berechenbar und zu routiniert, sodass die große Überraschung leider ausbleibt.
Stimmliche Untermalung gibt es auch keine und somit fällt schwer den beiden zentralen Stücken, deren Spielzeit jeweils zwischen knapp fünfzehn und zwanzig Minuten liegt, zu folgen, da sich der Verstand ständig in Träumereien flüchten will. Der Zauber würde auch einfach verfliegen, würde man sich analytisch auf die Stücke konzentrieren und die Sparten dieser Richtung mit Gesang sind weit häufiger besetzt, sodass es sich die Band wesentlich schwerer machen würde.
Das schweigsame Duo, das sich Gerüchten zufolge in einem Chat kennen gelernt hat, und der Session-Schlagzeuger schaffen so eine weltfremde Kulisse, von der die bittersüße Melancholie in dickflüssigen Bahnen trieft. "The Sublime" fordert aber kaum; und eben das denke ich macht dieses Album eben zu etwas Besonderem. Es ist einfach schön und braucht nicht viele Durchläufe um verstanden oder erfasst zu werden. Dass es dann schnell ausgelutscht wirkt, kann ich noch nicht behaupten und will ich es wie die Band halten und einen Bogen um viele Worte machen, denn bisher gefällt es mir einfach.