Black Label Society – Doom Troopin' Live: The European Invasion (Blu-ray)



Stil (Spielzeit): Hard Rock (ca. 222 Minuten)
Label/Vertrieb (VÖ): Eagle Vision (20.08.2010)
Bewertung: 7/10

Link: http://www.blacklabelsociety.net
Zakk Wylde ist ein Tier. Das wird ganz deutlich, wenn man sich "Doom Troopin' Live: The European Invasion" anschaut. Die imposante Erscheinung des Weltklassegitarristen, sein Posing und Gehabe und die Bierbatterie auf dem Drumriser (die heutzutage wohl nicht mehr zum Repetroire gehören dürfte...) lassen erahnen, dass man mit diesem Biker-Typen seinen Spaß haben kann, aber auch verdammt vorsichtig sein sollte, wenn man Scheiße baut. Das erfährt man in dem 50-minütigen "Backstage Pass", aber vorher gibt's noch jede Menge Livematerial zu beklatschen.

Vorliegende Blu-ray bündelt den Inhalt der 2006 erschienenen Doppel-DVD auf eine Disc für High Definition-Freaks, natürlich mit überarbeitetem Bild und optimiertem Sound. Der ist in der Stereospur übrigens nicht ganz so überzeugend und in einigen Passagen seltsam schwankend. Die 5.1-Spur macht ihre Arbeit da wesentlich besser, und sogar wenn man den Stereomix auf die fünf Boxen seines Soundsystems verteilt, hört sich das weit besser an als der normale Stereoton. Anyway, "Doom Troopin'" enthält ein 2005 in Paris mitgeschnittenes Konzert von Zakk Wylde und seinen Mitstreitern. Wer ein noch nie dagewesenes Spektakel mit Pyros etc. erwartet, ist bei diesem zweistündigen Mitschnitt definitiv falsch aufgehoben. Hier regiert purer, schweißtreibender, doomiger Rock, der den Gitarristen extrem in den Vordergrund stellt. Klar, Zakk Wylde ist ein fantastischer Flitzefinger, aber wer nicht auf gitarrenverliebten Rock steht, kann sich gleich nach einer anderen Scheibe umschauen. Hier quietschen und qualmen die Saiten, als gäbe es kein Morgen. Lange Solopassagen zeigen, wieso Zakk Wylde mit Preisen als bester Gitarrist ausgezeichnet wird, doch auch der Rest der Band (Nick Catanese, James Lomenzo und Craig Nunenmacher) muss sich nicht hinter seinem Bandkopf verstecken – auch wenn die drei anderen natürlich lange nicht so sehr im Fokus stehen. Emotionaler und musikalischer Höhepunkt ist das Dimebag Darrell gewidmete "In This River"; mit einem Akustikjam und "Spoke In The Wheel" gibt es ein wenig Abwechslung zum energetischen Rock. Am Ende dürfen bei "Genocide Junkies" sogar einige Zuschaer auf die Bühne.

Neben dem sehr coolen Auftritt aus Paris erwarten den Fan auch noch vier Songs, aufgenommen im Londoner Astoria. Dazu kommt der zu Beginn erwähnte "Backstage Pass", eine Art On The Road-Doku, die sehr sehenswert ist, sowie drei Musikvideos ("Suicide Messiah" inkl. Making Of, "In This River" und "Fire It Up"). Das Bild ist scharf, wenn auch sicher keine Referenz in Sachen Musik-Blu-rays. Allerdings empfinde ich den exzessiven Einsatz von Verfremdungseffekten als ein wenig störend, denn das ist meines Erachtens doch etwas zu viel. Beim Ton gibt's bis auf die teils verunglückte Stereospur nichts zu meckern, "Doom Troopin'" klingt fett, roh und live, die Fans sind sehr gut zu hören und gehen auch gut mit. Aber warum muss Zakk Wylde immer mit gedoppelter oder Effekten vollgepumpter Stimme zu hören sein und nicht einfach pur? Das finde  ich doch ein wenig schade.

Es gibt also ein paar Abzüge in der B-Note, ansonsten ist "Doom Troopin'" eine sehenswerte Blu-ray geworden, über deren Kauf auch Besitzer der Doppel-DVD nachdenken sollten, wenn sie das Bild in Full HD genießen möchten. Nur schade, dass es nach Musik-DVDs auch bei den Blu-rays anscheinend sehr schwer ist, ein vernünftiges (!) Booklet, das nicht nur aus zwei Seiten besteht, mitzuliefern.