Rush - 2112 & Moving Pictures (Classic Albums) Tipp

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Stil (Spielzeit): Dokumentation (ca. 112 min)
Label/Vertrieb (VÖ): Eagle Vision/Edel (24.09.2010)
Bewertung: 8,5/10

Links: www.rush.com
RUSH gehören zu den wichtigsten Bands der progressiven Rockmusik, gelten gar als Gründer des Prog-Metal Subgenres. Trotzdem sind die drei Kanadier zumindest in unseren Breiten immer eher ein Insidertipp geblieben, quasi ein Gourmethäppchen für Kenner. Die Classic Albums Reihe durchleuchtet die Entstehungsgeschichte ihrer zwei wohl wichtigsten Alben, „2112" und „Moving Pictures".

„2112" war das vierte Album des Trios und entstand, nachdem der Vorgänger „Caress Of Steel" die kommerziellen Erwartungen der Plattenfirma nicht erfüllen konnte. Die Band reagierte auf die Forderung nach mehr Eingängigkeit mit Trotz, indem sie die gesamte A-Seite des Albums mit dem in mehrere Passagen aufgeteilten Titeltrack füllte, der auf dem Science Fiction Roman „The Anthem" der politisch nicht unumstrittenen Autorin Ayn Rand basiert.
Geddy Lee, Alex Liefson und Neil Peart erklären die Ideen ihrer Songs, die oft mit den inhaltlichen und lyrischen Fundamenten von Neil beginnen, und den Aufbau ihrer Songs sowie das Zusammenspiel der Instrumente und des Gesangs oft Tonspur für Tonspur. Sie entschlüsseln so, wie es Neil in einem Kommentar formuliert, warum RUSH auf „2112" das erste Mal nach RUSH klangen. Neben Produzent Terry Brown und Manager Ray Danniels kommen dabei auch andere Musiker zu Wort.

Im zweiten Tei der Dokumentation geht es um das erfolgreichste RUSH Album „Moving Pictures". Auch hier werden die oft auf Literatur basierenden Songideen besprochen. So stammt der Rhythmus bei „XYZ" zum Beispiel von der Morse-Kennung eines Flughafens in Toronto.
Geprägt war dieses „Moving Pictures" neben der hohen Hit-Dichte und der etwas leichteren Grundstimmung vor allem auch durch technische Neuerungen. In den fünf Jahren seit „2112" hatten Synthesizer einen größeren Raum im Sound der Kanadier eingenommen. Keyboards, Bass-Pedale und Keyboard-Percusssion veränderten den Stil, und auch in dieses Feld gibt die Doku einige Einblicke.

Nebenbei gibt es auch immer wieder Live-Einspieler aus den verschiedenen Epochen der Bandgeschichte und bei den einen oder anderen modischen Fehltritten, insbesondere in den 80er Jahren, darf man ruhig schmunzeln. Außerdem spielen die drei Musiker auch im Studio einzelne Passagen der wichtigsten Songs nach. Die Gelegenheit, Instrumentalisten auf diesem Niveau auf die Finger zu schauen, sollte besonders Musiker begeistern.
Neben der TV-Version der Dokumentation gibt es eine weitere knappe Stunde Bonusmaterial mit Szenen, die es nicht oder nicht in voller Länge in die Fernsehfassung geschafft haben.

Es ist vermutlich kein Zufall, dass diese Doku in relativer zeitlicher Nähe zum RUSH Film „Beyond The Lighted Stage" erscheint. Wer insbesondere die Geschichte hinter den beiden Meilensteinen näher betrachten möchte, sollte hier zuschlagen. Beide Alben dürfen eigentlich in keiner Prog-Sammlung fehlen.
Eine noch bessere Wertung verhindert leider die Tatsache, dass die Musiker bis auf wenige Ausnahmen nie zusammen interviewt werden und kaum miteinander interagieren. Gerade bei einer Band wie RUSH, wo die Chemie zwischen den Mitgliedern so viel von der Atmosphäre ausmacht, wäre das schön gewesen.