Blood Ceremony - Lord Of Misrule

Blood Ceremony - Lord Of Misrule
    Doom/Folk

    Label: Rise Above
    VÖ: 25. März 2016
    Bewertung:6/10

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Der Begriff „Lord Of Misrule“ bezieht sich auf den mittelalterlichen Brauch, zum Weihnachtsfest ein „Fest der Narren“ zu feiern, während dessen die Gesetze des Alltags außer Kraft gesetzt waren. Per Los wurde eine Person, normalerweise aus der einfachen Landbevölkerung, zu eben jenem Narrenkönig gewählt, der die alleinige Macht über das Chaos hatte.

Basierend auf den altrömischen Saturnalien, bei denen der Narrenkönig aus den römischen Staatsfeinden gewählt wurde, um nach einer Woche des Trinkens und Schlemmens ritualistisch ermordet zu werden, bietet dieses Fest eigentlich den perfekten, schaurig-faszinierenden Unterbau für eine okkulte Doom-Scheibe von BLOOD CEREMONY, die hiermit ihr viertes Album vorlegen.

Doch während der Albumtitel Wildheit verspricht, sind die Kanadier mit ihrem Sound einen Schritt zurückgegangen. Die schweren Doom-Riffs sind weiträumig lockereren Gitarren und sanfteren Tönen gewichen (laut den Metal Archives spielt Sängerin Alia O'Brien hier nicht nur Flöte und singt, sondern bedient auch noch ein Mellotron, einen Wurlitzer und die Orgel), die dafür sorgen, dass das Songmaterial großteils eher träumerisch-schwelgend denn düster-doomig wirkt.

Das ist erst einmal natürlich nicht verwerflich, allerdings haben BLOOD CEREMONY noch nicht ganz den Dreh raus, wie sie mit diesem neuen Ansatz wirklich packende Songs schreiben können. Natürlich gibt es auch ein paar Volltreffer auf dieser Scheibe – richtig miese Songs schreiben kann die Band wohl einfach nicht – die allerdings zu rar gesät sind, wenn man sich zum Beispiel das dunkle Hit-Feuerwerk vom superben 2013er-Vorgänger „The Eldritch Dark“ vor Augen führt.

So ist „Rogue's Lot“ ein lockerer Ohrwurm, der gegen Ende hin richtig Fahrt aufnimmt und fast schon Horrorfilm-Flair versprüht. Auch das bereits vorab veröffentlichte „Old Fires“ mit seinem knackigen Riff und den stimmigen Orgeln weiß zu gefallen, während „Things Present, Things Past“ das Album auf einer melancholischen Note und mit wunderschönen Flötenmelodien enden lässt.

So bleibt „Lord Of Misrule“ ein atmosphärisch-entschlacktes Album, das dennoch ein paar Highlights auffährt und dadurch nicht zum Gähner wird. Ich wette aber darauf, dass man den kaum zu toppenden Vorgänger deutlich länger im Gedächtnis behalten wird, als diese Scheibe.

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