Saint Vitus - s.t.

Saint Vitus - s.t.

Zuerst mal die Sängerfrage, denn wer der richtige Mann am Mikro für SAINT VITUS ist, darüber streiten sich die Geister schon seit dem ersten von zahlreichen Wechseln. Obwohl jetzt mit Scott Reagers wieder ein Gründungsmitglied singt, ist für viele Scott „Wino“ Weinrich der einzig wahre Doom-Messias. Dass dies selbst im Promotext zur neuen, selbstbetitelten Scheibe zwei Mal erwähnt wird, als müsste sich die Band rechtfertigen, spricht Bände. Am besten man mag beide Sänger, unterschiedlich genug sind sie ja, dann hat man umso mehr Material, an dem man sich erfreuen kann. Somit also zur eigentlichen Frage: Wie positioniert sich der neue Output in der Diskografie von SAINT VITUS?

Dave Chandler ist unverkennbar Dave Chandler

Mit „Remains“ steigt die Band klassisch ein. Sofort ist klar, dass sich abgesehen vom Gesang nicht viel geändert hat: Dave Chandlers Gitarrensound ist ebenso einfach zuzuordnen wie seine simplen, von den ganz frühen BLACK SABBATH beeinflussten Riffs – so klingt nur einer, auch wenn Chandler im Laufe der Jahrzehnte viele Nachahmer hatte. Über die extrem reduzierte Doom-Ballade „A Prelude To…“, die Reagers viel Raum gibt, aber etwas unfertig klingt, geht’s zum auffällig flotten „Bloodshed“, das dem Album wieder Blut zuführt.

Auf und Ab und ein paar Füller

Leider bleibt das Album ein Auf und Ab. Einige Kracher, die neben den unsterblichen Hits früherer Alben bestehen können („Hour Glass“), wechseln sich mit halbgarem Material ab. Mit dem seltsamen Sample- und Lärm-Gemansche „City Park“ schleicht sich noch ein sehr offensichtlicher Füller in die mit neun Songs wahrlich nicht unübersichtliche Tracklist. Dass mit „Useless“ ein punkiger Song mit Odschool-Hardore-Feeling am Ende steht, ist zwar ganz witzig, mehr als 30 Sekunden hat der Schreibprozess für die Nummer aber sicher nicht gedauert.

„Saint Vitus“ ist allerhöchstens Mittelmaß

„Saint Vitus“, unglücklicherweise genauso benannt wie das ikonische Debüt der Band, ist also allerhöchstens Mittelmaß, selbst wenn man naturgemäß unerreichbare Kult-Alben wie „Born Too Late“ mal außen vor lässt. Ganze sieben Jahre nach „Lillie: F-65“, das (trotz Wino) auch schon auf geteiltes Echo stieß, hätte man sich mehr gewünscht. Doch vielleicht ist der Albumtitel, der den Bogen zurück an den Anfang der Band schlägt, auch ein Hinweis darauf, dass selbst Dave Chandler denkt, nun alles gesagt zu haben.

Line-up
Dave Chandler: guitar
Henry Vasquez: drums
Scott Reagers: vocals
Pat Bruders: bass 

Tracklist
1. Remains (6:23)
2. A Prelude to... (3:20)
3. Bloodshed (3:04)
4. 12 Years In The Tomb (5:24)
5. Wormhole (5:22)
6. Hour Glass (5:23)
7. City Park (4:01)
8. Last Breath (6:38)
9. Useless (1:32)
Total: 41:07

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