TNT - Farewell To Arms

TNT_-_Farewell_To_Arms

Stil (Spielzeit): Hard Rock (42:13)
Label/Vertrieb (V.Ö.): Metal Heaven / Soulfood Music (21.01.2011)
Bewertung: 7/10

Link: http://www.tnttheband.com/

Eigentlich sind die Norweger TNT eine Institution, auch wenn sie besonders mit dem letzten Album „Atlantis" doch in erheblich seichtes Fahrwasser abdrifteten, was ihnen auch den einen oder anderen Rüffel seitens der Kritiker einbrachte. Von einem so begnadeten Sänger wie Tony Mills und einem Gitarristen wie Ronni Le Tekrø will man fette Melodien und krachende Rock Riffs hören, die sich jenseits der Poprock-Grenze tummeln.
Mit den zwölf Tracks vom aktuellen Album „Farewell To Arms" treten TNT nun den Beweis an, ob sie sich vielleicht die kritischen Stimmen etwas zu Herzen genommen haben und sich mehr an ihren älteren Alben orientieren, oder ob sie in der Zukunft in der pop-rockigen Belanglosigkeit versinken wollen.

Und siehe da, mit dem Opener „Engine" wird deutlich, das die Band, zu der auch noch Bassist Victor Borge und Drummer Diesel Dahl gehören, offensichtlich wieder Spaß an deutlich raueren Sounds und schnelleren Beats hat. Nahtlos geht es mit „Refugee" weiter, einer Nummer die ebenfalls mächtig angeht, ohne jedoch auf die eingängigen Melodiebögen zu verzichten.
Diese Kombination kennt man von den älteren Alben wie „Tell No Tales" oder „Intuition", und wurden zumindest von mir auf „Atlantis" doch etwas vermisst. „Ship In The Night" ist dann mit seinem Anfangsriff sehr typisch TNT, melodisch und trotzdem mit genug Härte, dass einem der Begriff „polierter Poprock" gar nicht erst in den Sinn kommt. Tony Mills singt wie zu seinen besten Zeiten und das Solo von Gitarrist Ronnie Le Tekrø ist mehr als hörenswert und hochklassig.
„Take It Like A Man – Woman" ist dann der schnellste Titel des Albums, der alle Trademarks eines guten TNT Songs beinhaltet. Mit „Come folgt dann ein eher mittelmäßiger Rocker, der bei mir nur wegen dem über Voice-Box gespielten Gitarrensolo hängen geblieben ist.

„Barracuda" ist dann glücklicherweise nicht das befürchtete HEART-Cover, sondern ein ziemlich schneller Stampfer der gehobenen Klasse, bei dem es schwer fällt, still sitzen zu bleiben.
Das knapp einminütige Instrumental-Stück „Signature On A Demon's Self Portrait" ist zwar nett auf der akustischen Gitarre gespielt, aber für mich ein eher überflüssiger Lückenfüller. Mit „Don't Misunderstand Me", einem Song der super auf „Atlantis" gepasst hätte, weil extrem glatt poliert und poppig, fällt die Qualität doch etwas ab. Eigentlich lebt auch dieser „schwächere" Song ausschließlich von der Gitarrenarbeit eines Ronni Le Tekrø.
Mit dem starken Titelsong „Farewell To Arms" reißen die Norweger noch mal das Ruder herum. Der Song tritt ordentlich in den Hintern, paart Melodie, Geschwindigkeit und Härte perfekt zu einem hochklassigen Melodic Metal Song.

„Someone Else" hängt dann aus denselben Gründen durch wie „Don't Misunderstand Me": Zu poppig, zu rund, zu wenig Ecken und Kanten, einfach zu belanglos. Wer jetzt aber denkt, es geht nicht seichter, der sollte die Ballade" God Natt, Marie" lieber nicht anspielen, oder Lappen und Tücher vor die Lautsprecher legen, damit einem der Sülz nicht in die Laminatritzen läuft.
Der Bonustrack „Harley Davidson" versöhnt den TNT Fan dann aber wieder deutlich. Der Song war 1983 der Opener des Debütalbums und wurde in der aktuellen Besetzung neu eingespielt. Klasse.

Fazit: „Farewell To Arms" rockt stellenweise richtig fett ab, auch wenn sich der eine oder andere Durchhänger auch nicht verleugnen lässt. Trotzdem kann man deutlich sagen, dass die Norweger die Kurve noch gerade rechtzeitig gekriegt haben, sich im Vergleich zum Vorgängeralbum „Atlantis" deutlich raueren Klängen hingeben, und die Poliertücher in Sachen Sound glücklicherweise im Schrank gelassen haben.
Das steht ihnen und dem Gesamtpaket TNT auch wesentlich besser zu Gesicht und zu Gehör. Schönes Album, und wenn sie beim nächsten Release noch einen drauf packen, sind sie wieder da, wo sie eigentlich auch hingehören, nämlich ganz weit oben.