Sonntag, 12 September 2004 22:06

Megadeth - The System Has Failed

Megadeth - The System Has Failed
    Thrash Metal

    Label: Sanctuary Records
    VÖ: 14.09.2004
    Bewertung:8/10

    Megadeth Homepage


Totgesagte leben länger, und manchmal sogar besser. MEGADETH Ende der 90er: ein Abdanken in mehreren Akten. Mit "Cryptic Writings" und "Risk" entfernt die Band sich vom Metal in Richtung Mainstream-Rock, Schlüsselmitglieder wie Gitarrist Marty Friedman suchen das Weite und eine Nervenverletzung an Dave Mustaines linkem Arm führt zum totalen Kollaps. Bandauflösung. Rechtsstreit mit Bassist Ellefson. Ende Gelände. 

Dass noch etwas kommen würde, hat wohl kaum jemand erwartet ... und dass es so spektakulär ausfallen würde, wohl erst recht nicht! Denn "The System Has Failed" klingt nicht nach einem Mann, der froh ist, gerade eben seinen Arm wieder bewegen zu können. Mustaine klingt nach Angriff und jemandem, der etwas zu beweisen hat – denn er schreibt wieder echten Metal, mit Biss in den Texten und Feuer in den Saiten! Als wäre das nicht genug, holte er Chris Poland zurück ins Boot, der schon "Killing Is My Business..." und "Peace Sells..." mit seinen charakteristischen Leads geadelt hat.

Wobei "zurück" nicht ganz stimmt: Poland stieß auf rein vertraglicher Basis dazu, lieferte seine Soli ab und ging wieder. Kein Comeback also, und Ähnliches gilt für den Rest der Besetzung: Am Schlagzeug sitzt Vinnie Colaiuta, renommierter Session-Drummer und bekannt aus dem Umfeld von Frank Zappa und Sting. Ursprünglich als Mustaine-Soloalbum geplant, sorgten offenbar nur die Vertragsdetails mit Sanctuary dafür, dass die Scheibe jetzt unter der MEGADETH-Flagge erscheint ... was im Nachhinein die richtige Entscheidung war, denn genau das wurde es: ein MEGADETH-Album durch und durch.

Das Album selbst ist keine monolithische Angelegenheit – Mustaine bedient mehrere Spuren gleichzeitig: Thrash, eingängige Midtempo-Nummern, etwas Groove, ein bisschen Stadionkompatibles. Das kennt man von MEGADETH bereits, und wer damit Frieden geschlossen hat, wird hier bestens bedient.

"Die Dead Enough", "The Scorpion", "Tears In A Vial" oder auch "Of Mice And Men" sind starke Belege dafür, dass Mustaine sowohl handwerklich als auch textlich wieder obenauf ist. Auf "Back In The Day" blickt er nostalgisch auf die alten Zeiten zurück – mit der kleinen Spitze an alle, die nicht dabei waren: "You wouldn't understand". Doch, Dave. Wir verstehen sogar ziemlich gut.

Zwei Ausreißer trüben das Bild leicht: "I Know Jack" ist verzichtbar, und der merkwürdige Spoken-Word-Track "Shadow Of Deth" mit Psalm 23 stellt eigentlich nur Daves neu gewonnene Religiosität zur Schau, bremst den Flow aber spürbar. Doch das sind mehr oder weniger Randnotizen.

"The System Has Failed" macht die Irrwege der späten Neunziger vergessen. Mustaine ist wieder da, und er weiß noch verdammt gut, wie es geht. Willkommen zurück!

Chris

Als Kind der 90er liebe ich Grunge und Alternative Rock, meine bevorzugten Genres sind jedoch Death, Groove, Dark und Thrash Metal. Ich kann Musik und Künstler schwer voneinander trennen und halte Szene-Polizisten für das Letzte, was Musik braucht. Cool, dass Du vorbeischaust!

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