System Of A Down - Album Bundle (Boxset) Tipp

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Stil (Spielzeit): Alternative/Crossover/Nu Metal (ca. 3:25)
Label/Vertrieb (VÖ): Sony Music (10.06.11)
Bewertung: 6/10 - 9/10 - 7,5/10 - 9,5/10 - 8/10

Link: http://www.systemofadown.com/

Nach der RAGE AGAINST THE MACHINE-Kollektion veröffentlicht Sony Music jetzt auch das bisherige Schaffen der Crossover-Zauberer SYSTEM OF A DOWN als Boxset. Dieses enthält alle fünf bisher erschienen Alben, angefangen beim selbstbetitelten Debüt bis hin zu "Hypnotize". Neben den CDs sollen auch die originalen Booklets enthalten sein, Bonustracks oder irgendwelche Extras gibt es aber nicht, weshalb sich das "Album Bundle" einzig für Neulinge oder diejenigen, die höchstens zwei SOAD-Alben im Regal stehen haben, lohnt.

System Of A Down (6/10)

Ihre einzigartige Crossover-Mischung (eigentlich weiß man gar nicht, wie man es nennen soll) steckte auf dem Erstling "System Of A Down" noch in den Kinderschuhen, was man den Songs zu einem großen Teil auch anmerkt. Zwar ist die Genialität der Truppe bei Songs wie "DDevil", "Peephole" oder "Spiders" bereits zu erahnen, eine Nummer wie "Sugar", das sogar erfolgreich als Single ausgekoppelt wurde, ist mir dann aber definitiv zu abgedreht – und das soll bei einer Band wie SYSTEM OF A DOWN schon was heißen. So chaotisch, roh und wild das Debüt aber auch ist: Ohne das erste SOAD-Album hätte es die Weiterentwicklungen auf den folgenden Alben nicht geben können.

Toxicity (9/10)

Wenn man auf "Toxicity", das Durchbruchs-Album der von SOAD, verzichten müsste, wäre die Musikwelt ein ganzes Stück ärmer. Die Mischung aus total abgedrehten Ideen, purer Härte, unglaublichen Gesangsleistungen von Serj Tankian im Duett mit Gitarrist Daron Malakian und hochmelodischen, fast schon epischen Momenten wird auf keinem anderen SOAD-Album besser auf den Punkt gebracht als auf "Toxicity". Nicht nur der ewige Gänsehaut-Hit "Chop Suey!", dessen "Why have you forsaken me..."-Part einfach nur überirdisch geil ist, "Aerials" und der Titelsong bestechen durch pure Geilheit, auch der heftige "Prison Song", "Psycho", der Brecher "Jet Pilot", das mächtige "Needles" oder der Nackenbrecher "Shimmy" glänzen durch eine perfekt inszenierte Laut-leise-Dynamik und die richtige Mischung aus Hochgeschwindigkeits-Riffs, schnellen Drums, kranken Vocals, zum Heulen schönen Melodien, ruhigen, fast schon zerbrechlichen Momenten und einer ganz eigenen Magie. Ein Klassiker des modernen Metal, den man gehört haben muss.

Steal This Album! (7,5/10)

Mit extrem schlichter, gezielt an CD-Rs erinnernder Aufmachung erschien 2002 "Steal This Album", das Reste aus den Sessions zu "Toxicity" enthielt. Diese Überbleibsel sind allerdings weniger Aussschussware als die regulären Alben anderer Künstler – auch, wenn ich persönlich den "Vorgänger" von 2001 ein gutes Stück stärker finde und die Songs auf "Steal This Album" als nett bis sehr gut, aber nicht auf "Toxicity"-Niveau empfinde. Besser als die Nummern des Debüts sind sie aber allemal, und mit dem straighten "Innervision", "Bubbles", der Ballade "Roulette" und vor allem "Streamline" finden sich dann schließlich doch ein paar Songs auf "Toxicity"-Niveau, während ich die hochpolitische "SIngle" für überbewertet halte.

Mezmerize (9,5/10)

Die im Abstand von einem halben Jahr veröffentlichten Alben "Mezmerize" und "Hypnotize" von 2005 gehören nicht nur vom Layout, sondern auch der musikalischen Ausrichtung her eng zusammen. Gitarrist Daron Malakian, der auch auf den vorherigen Veröffentlichungen Gesänge beisteuerte, übernimmt fast die Hälfte der Lead Vocals, was einigen Fans ziemlich sauer aufstieß. Sein Gesang ist gewöhnungsbedürftig, etabliert SOAD allerdings erst recht als innovative Band, die es einfach nur einmal geben kann. Mit der Single "B.Y.O.B.", dem treibenden "Revenga", dem schnellen Zweiminüter "Cigaro", der Hymne "Radio/Video", dem abstrus-geilen "Violent Pronography" und dem melancholisch-epischen "Question!" findet man auf "Mezmerize" wirklich jede Facette des SOAD-Sounds wieder. "Sad Statue" mit dem Wechsel aus heftigen Strophen und dem zum Niederknien geilen Chorus und schließlich das getragene, "Aerials"-ähnliche "Lost In Hollywood" markieren den Abschluss eines Albums, das mir sogar noch einen Tick besser gefällt als "Toxicity" – vermutlich, weil hier die Einflüsse und Elemente des SOAD-Klanges in den Songs selbst miteinander verschmelzen und die Scheibe von 2001 noch eher eine Trennung zwischen den melodischen und harten, abgedrehten Tracks macht.

Hypnotize (8/10)

Als Zwillingsalbum haut "Hypnotize" in eine ganz ähnliche Kerbe wie "Mezmerize" und hat mit "Vicinity Of Obscenity" die wohl abgepfiffenste, bescheuertste SOAD-Nummer aller Zeiten an Bord (ich sage nur: "Banana, banana, terracotta pie"), ist im Allgemeinen aber schwächer. Mit "Attack", "Dreaming" und "Stealing Society" finden sich selbstredend auch mehr oder weniger typische SYSTEM-Tracks auf dem fünften Album (aber was ist schon typisch für diese Band?). "Lonely Day" ist die wohl eingängigste und straighteste Nummer des Quartetts, während das mächtige, spannungsgeladene "Holy Mountains" tatsächlich wie ein kilometerhoher Berg vor einem aufragt. Komplettiert wird die CD von dem höchst eingängigen Titeltrack und dem zum vollständigen Song ausgebauten "Soldier Side", das ich aufgrund der hörbaren Verzweiflung in der Musik und des Textes für eine der gelungensten SYSTEM OF A DOWN-Kompositionen überhaupt halte. Wenn Malakian und Tankian aus sich heraus gehen, jagt einem das einen Schauer nach dem anderen über den Rücken. Leider sorgen zwei, drei höchst durchschnittliche Nummern und ein noch präsenterer Malakian aber für Abzüge in der B-Note.

Dieses Boxset versorgt alle, die sich mit einem der besten modernen Alternative-/Nu Metal-Acts der heutigen Zeit befassen möchten und das Phänomen SYSTEM OF A DOWN bisher verpasst haben, mit knapp dreieinhalb Stunden höchst innovativer Musik. Für mich fallen das Debüt und "Steal This Album" etwas ab, aber generell muss man als offener Rockfan mindestens den "Mezmerize"-/"Hypnotize"-Zwilling und natürlich "Toxicity" gehört haben. Und das nicht nur einmal, sondern immer und immer wieder.