Queens Of The Stone Age - Era Vulgaris


Review


Stil (Spielzeit): Stoner Rock (54:25)
Label/Vertrieb (VÖ): Interscope/Universal (08.06.07)
Bewertung: 7/10
Link: www.qotsa.com
Es ist ein schon lange bekanntes Phänomen, dass je unsicherer und chaotischer die Zeiten sind, die Menschen sich stärker auf Altbewährtes und Traditionelles zurückziehen. Das Vertraute gibt Sicherheit.
Trotz seiner rund zwei Meter und unzähligen Kilos an Muskelmasse scheint auch der QUEENS OF THE STONE AGE-Kopf Josh Homme verunsichert. Er sieht den Beginn einer Ära des Vulgären, der „Era Vulgaris“. Joshs Antwort ist keine Flucht in elfenhafte und orkische Fantasiewelten, keine postmoderne Wut und kein metallischer Lärmexzess, sondern der Weg in sonderbar vertraute und doch zerhackte 70er-Jahre Riffs, entwurzelte Melodien und überraschend schöne Refrains. Josh Homme ist ein altmodischer Mann, und so spielt seine Band – trotz der schlimmen Zeiten – immer noch ihren trockenen Rock, doch mittlerweile in einem sperrigen, zeitgemäßen Gewand und mit viel Batteriesäure im Blut.
So geben die Steinzeit-Königinnen in den ersten sechs Stücken wie „Battery Acid“ „Turning On The Screw“ oder „I´m Designer“ auch richtig schön Gas, bis es mit „Make It Wit Chu“ fast besinnlich wird: Kopfstimme, Steelgitar. Homme fängt an, seine traditionellen Wurzeln zu suchen, und das in gewohnter Umgebung. Denn passend zur Rückbesinnung auf das Bekannte sind die Zeiten vorbei, in denen sich die QUEENS als Projekt mit ständig wechselnder Besetzung präsentierten. Neben Mastermind Homme hat sich mit dem Ex-DANZIG Drummer Joey Castillo und dem Multiinstrumentalist Troy Van Leeuwen ein fester Kern gebildet. Damit hat sich Homme, zwölf Jahre nach der Auflösung von KYUSS, endlich von allen alten Mitspielern befreit. Bis zur letzten QOTSA-Platte „Lullabies To Paralyze“ konnte Homme sich nie ganz von seiner Ex-Band – immerhin den Vätern des Stoner-Rocks – trennen, und arbeitete immer wieder mit den Ex-Jungs zusammen. Vertraute Gesichter der „Era Vulgaris“ sind allerdings der QOTSA-Dauergast und Reibeisenstimme Mark Lanegan und Dauer-Produzent Chris Goss, der allerdings schon für KYUSS und alle Vorgänger wie das epochale „Songs For The Deaf” und „Lullabies To Paralyze“  Regie führte. Gemeinsam gelang ihnen der dritte große Wurf in Folge. Denn die QUEENS OF THE STONE AGE werden nicht langweilig. Jedes Stück bietet eine überraschende Wendung, ein spannendes Riff oder einfach einen packenden Refrain.
Für das Titelstück arbeitete Homme mit Trend Rezor (NINE INCH NAILS) zusammen. Weil ihm der Track jedoch zu modern gelungen schien, entschied Homme, auf das Titelstück zu verzichten. Der Mann mag eben Bewehrtes. Bei solch einer Qualität in solch unsicheren Zeiten kann man ihm das kaum krumm nehmen.

Konzertberichte dazu

Mehr Alternative Rock / Indie Reviews