Silverstein - Arrivals And Departures



Stil (Spielzeit): poppiger Screamo (43:06)
Label/Vertrieb (VÖ):Victory / Soulfood (06.07.07)
Bewertung: 6 / 10

Link: http://www.silversteinmusic.com/
http://www.myspace.com/silverstein

Ich gebe zu, irgendwie habe ich Probleme bei der Punktevergabe für dieses Album. Das gute an der Platte ist die Ohrwurmgarantie, die in jedem Song steckt und der Nachteil ist die komplett fehlende Weiterentwicklung. Im Westen nichts Neues.

Spätestens bei dem sehr fluffig beginnendem „If You Could See Into My Soul“ fühle ich mich so dermaßen an „Smile In Your Sleep“ erinnert, dass es das neue Album ein wenig wie die direkte Weiterführung von „Discovering The Waterfront“ aussehen lässt. Aber auch die alten Trademarks sind geblieben. Wunderbare Melodien, vorgetragen von einer absolut typischen Emostimme (aber im Gegensatz zu z.B. SENSES FAIL nervt sie nicht so), unterbrochen von wüsten Screams (die ich bei den Kanadiern aber noch nie wirklich überragend fand – so ein bisschen in die ATREYU-Richtung) und darunter Midtempo-Emosongs, die sich teilweise sehr gut auf den alternativen Tanzflächen der Republik machen werden (hört euch „The Sand Will Turn To Glass“ an). Immer schön melodisch und trotzdem einigermaßen Druckvoll, aber niemals so böse, dass es Fans abschrecken könnte („My Disaster“ ist da schon etwas herzhafter und erinnert mich wieder an SENSES FAIL).

Auf der anderen Seite haben sie einfach ein Händchen dafür gute Popsongs zu schreiben und diese in den alternativen Sound des neuen Jahrtausends zu übersetzen. Bereits nach wenigen Durchläufen habe ich mich ertappt, wie ich im Auto laut mitgesungen habe. Die Refrains sind aber auch fast ohne Ausnahme klasse – man sollte Emo natürlich schon mögen. Ich wette auch, dass die Songs live gut funktionieren werden, da sie genügend Dynamik haben, um sich zu ihnen Bewegen zu können. Alleine der letzte Song „True Romance“ klingt etwas anders, aber selbst da muss ich ein wenig tadeln. Er klingt als hätte er so etwas wie einen leichten Hauch von Country oder alternative Rock und ehrlich gesagt, hätten THE FORECAST vermutlich mehr aus so einem Song gemacht. Trotzdem finde ich es gut, dass SILVERSTEIN dort ein wenig ihren Sound aufbrechen – wenn auch nur in ganz, ganz kleinen Schritten.

Wie gesagt, das Album ist gar nicht schlecht – Ohrwürmer garantiert – aber irgendwie hatte ich einfach eine Weiterentwicklung von einem der Flagschiffe des Genres erwartet. Wer zuckersüße Screamoplatten mag und noch weit entfernt von einer Überdosis ist, wird hier mit beiden Händen zugreifen können – SILVERSTEIN sind 2007 bestimmt nicht schlechter als zuvor! Wem es aber so geht wie mir und ein wenig auf neue Impulse aus der Richtung (auch mal bei den großen Bands) wartet, wird die Platte zwar gut, aber nicht mehr finden. Schon seltsam, da bringt das Quintett eigentlich eine ganz gute Platte raus und trotzdem bin ich dauernd wieder am Meckern.