U.D.O. - Dominator Tipp


udo_-_dominator_cover

Stil (Spielzeit): Heavy Metal (44:48)
Label/Vertrieb (V.Ö.): AFM Records (21.08.09)
Bewertung: 9,5/10

Link: http://www.udo-online.de  

Nachdem Udo Dirkschneider die deutsche Metal-Institution ACCEPT verlassen hatte, stellten sich zunächst zwei Fragen: Würden ACCEPT ohne den Mann mit der Schmirgelpapierstimme überleben können, und was würde er selber in Zukunft auf die Beine stellen?
Heute, viele Jahre später, sind diese beiden Fragen leicht zu beantworten, denn während es mit ACCEPT mehr oder weniger den Bach runter ging, etablierte sich Udo Dirkschneider mit seiner eigenen Band U.D.O. in der internationalen Metalszene, und spielte bis dato insgesamt elf Alben ein.

Der zwölfte Streich hört jetzt auf den Titel „Dominator" und beinhaltet zehn lupenreine, kraftvolle, melodische, wummernde Metalsongs, die mir allesamt ein fettes Grinsen ins Gesicht zauberten. Ob die Jungs von der angekündigte Reunion von ACCEPT angetrieben wurden, oder ob es einfach nur die logische Entwicklung einer Band ist, die sich von Album zu Album steigern ist reine Spekulation und spielt eigentlich auch gar keine Rolle. Wichtig ist, was am Ende dabei raus gekommen ist. Und das ist für meine Ohren Metal vom Feinsten, und mit das Beste, was Udo bisher „verbrochen" hat.
Und wenn man sich Klassiker-Alben wie „Mean Machine", „Solid", „Man And Machine" oder „Holy" zu Gemüte führt, war diese Unterfangen bestimmt nicht einfach. Trotzdem haben es Stefan Kaufmann, Igor Gianola (beide Gitarre), Fitty Wienhold (bass), Francesco Jovino (drums) und eben Udo Dirkschneider geschafft, neben der teutonischen Härte unglaublich entspannt rüberzukommen und mit „Dominator" ein Album wie aus einem Guss einzuspielen.

Die treibenden Beats von „The Bogeyman", „Black And White" und dem Titeltrack „Dominator" übernehmen umgehend die Kontrolle über Füße, Hände und Nacken und fressen sich ohne Umwege direkt in den Gehörgängen fest. "Infected" und „Speed Demon" zeigen U.D.O. mit einem bis zur Ölwanne durchgetretenen Gaspedal, ohne das die Songs dabei an Wucht oder Klasse verlieren würden. Die Soli von Igor und Stefan sind von allerhöchste Güte, passen sich immer in die Grundgerüste der Songs ein, sind mal einfacher gestrickt und mal verteufelt verfrickelt wie zum Beispiel bei „Speed Demon". Hier sind tatsächlich keine Selbstdarsteller am Werk, sondern Musiker, die allesamt schon bewiesen haben, dass sie es drauf haben, und sich daher völlig in den Dienst der Band und des jeweiligen Songs stellen können. Klasse.

„Heavy Metal Heaven" transportiert den Hörer dann genau in eben jenen, und als ich hörte, dass der Song es fast gar nicht aufs Album geschafft hätte, konnte ich das kaum glauben. So eine Hymne würden andere Bands als Tophit verkaufen, und Udo zweifelte ernshaft, ob er genug Klasse hat. Auch diese Tatsache spricht für das durchgehend hohe Niveau auf „Dominator".
Das die Band es aber auch etwas ruhiger angehen lassen kann, beweist die Halbballade „Stillness Of Time", die mir alleine schon von der Melodie und Udos unglaublich eindringlicher Stimme eine Gänsepelle auf die Arme zauberte, und der reinrassigen Ballade „Whispers In The Dark". Der Song geht sehr gefühlvoll mit akustischen Gitarren, Pianos und Streichern los, nimmt aber im Verlauf und mit beginnendem Einsatz der E-Gitarren an Fahrt auf, ohne das sich das Tempo jedoch merklich steigert. Ganz großes Kino, zumal Udo hier ganz normal und fast schon klar singt. Sehr cool.

Wer sich an das swingende „Cut Me Out" von „Holy" erinnert, der wird an „Devil's Rendevouz" ebenfalls seinen Spaß haben, den der Song haut in die gleiche Kerbe, den er swingt fast fröhlich vor sich hin, und sorgt dabei ebenfalls für die nötige Abwechselung.

Fazit: Ich kann mir „Dominator" ein ums andere Mal anhören, ohne auch nur eine einzige Stelle zu finden, die mir nicht gefällt. U.D.O. haben hier wirklich ein Hammeralbum raus gehauen, ihren Stil aber uneingeschränkt beibehalten, was den alten Fans bestimmt in die Karten spielen wird. Wo U.D.O drauf steht, ist auch immer U.D.O. drin, aber bei „Dominator" dann doch ein bisschen mehr als bei den vergangenen Alben. Sprüche wie „Da werden es ACCEPT aber schwer haben, mitzuhalten" spare ich mir. Das soll dann jeder selber bewerten, wenn beide Alben veröffentlicht sind. Und ich glaube „Dominator" hätte sich nicht einen Ton anders angehört, wenn es die ACCEPT Reunion nicht gegeben hätte.
Die 10 in der Bewertung ist nur deshalb nicht gefallen, weil ich mich immer schwer tue zu glauben, dass es nicht noch irgendwo einen Tacken besser geht. Gefühlt ist die 9,5 aber schon eine 10.