Turisas - The Varangian Way Tipp

The Varangian Way by Turisas

Stil (Spielzeit): Battle Metal (43:00)
Label/Vertrieb (VÖ): Century Media (15.06.07)
Bewertung: 9/10
Link: http://www.turisas.com

Holla die Waldfee! Quatsch, hier ist keine Waldfee!
Aus dem finnischen Norden reiten die wilden Wikinger von TURISAS auf ihren Kampfrossen in die Welt hinaus. „The Varangian Way“ ist erst das zweite Silber-Scheibchen, das uns die Krieger bescheren, womit sie jedoch ihren Status als beliebte Live-Band nur noch weiter festigen.

Gleich zu Beginn wird die Marschroute festgelegt, in welche Richtung die Varangianer losziehen wollen. Der orchestrale bombastische Anfang erinnert mich irgendwie an ein anderes Lied, so dass ich gleich mitsingen möchte. Doch allzu bald schlägt TURISAS eine andere Richtung ein und bietet mir damit das erste kleine Überraschungsmoment, was mir im weiteren Verlauf nochmals passieren soll. Nachdem kurz berichtet wird, wohin die Reise gehen soll, nämlich „To Holmgard And Beyond“, setzen wieder hymnische Chöre ein, die das Orchester begleiten und kriegerische Schlachtenstimmung auslösen.

Der folgende Track wird eingeleitet mit einem melancholischen Akkordion-Spiel, was übergeht in die bekannten Orchester-Hymnen. Ich möchte an dieser Stelle schon einmal anmerken, dass die Qualität der programmierten Klänge recht gut sich an der Realität orientiert und keineswegs „typisch synthetisch“ klingt. In diesem Stück wird auch schon die Bandbreite des Gesangs um kräftiges Shouting erweitert. In „Cursed Be Iron“ wird man erst mal von einem aggressiven Schreihals aufgeweckt, der aber in Kombination mit der Musik groovt wie Sau. Zur Abwechslung bleibt es hier recht rau und ohne viel Schnickschnack rockt man sich auf den Weg in die Schlacht. Kleine Zwischenteile, die akustisch gehalten etwas das Tempo herausnehmen, erinnern mich immer wieder an MOONSORROW.

Teil fünf beginnt als Saufgelage im Hintergrund, während ein wilder Geiger und Akkordionspieler den Hörer musikalisch dazu auffordern, das Tanzbein zu schwingen.
Weiter geht’s mit orchestralem Bombast auf der Reise der mittelalterlichen Wikinger. Wobei im vorletzten Stück „The Dnieper Rapids“ der Rhythmus ziemlich kompliziert von vielen Breaks zerschnippelt wird. Da kommt mir fast die etwas „verrückte“ Suite Lingua Mortis von RAGE (auf dem letzten Album „Speak Of The Dead“) in den Sinn. Doch um den progressiven Teil des Hirns nicht allzu stark zu beanspruchen, machen die Finnen bald in gewohntem Stil weiter und lassen mich fröhlich den Kopf nicken und das Trinkhorn ansetzen.

Am Ende bieten TURISAS noch einmal alles auf in einem über acht-minütigen Epos. Hier finden sich sogar ein kleines Bass-Solo und solistische Gitarren, die bisher nicht sehr stark in Erscheinung treten. Da das orchestrale Soundgewand immer die Melodien liefert, sind Solo-Gitarren nicht nötig, wären aber vielleicht manchmal ganz nett gewesen. Aber man kann nicht alles haben. Und schließlich legen die furiosen Schluss-Chöre auch ein tolles Finale hin.

Zunächst wollte ich ENSIFERUM als Hinweis geben, was aber wieder ein bisschen revidieren würde. Ein bisschen folkloristisches, wie man es bei FINNTROLL entdeckt, lässt sich auch bei TURISAS finden. Vom epischen Charakter der Stücke könnte man noch einem Unwissenden MOONSORROW an die Hand geben. Die Homepage anzuschauen lohnt sich jedenfalls allemal, da hier mit großem Aufwand der Ritt der varangianischen Wikinger nachgezeichnet ist, was auch in dem Booklet des Albums zu sehen ist. Auch Live sind die sechs Jungs ein empfehlenswertes Erlebnis, wie sie mit Fellen bekleidet mit rot-schwarzer Kriegsbemalung die Bühne und den Bereich davor in ein Tollhaus verwandeln.
Zum Schluss bleibt dann einfach die beste Beschreibung als „Battle Metal“, bei dem man groovt, säuft und einfach Spaß hat!