Orphaned Land - The Never Ending Way Of ORwarriOR Tipp



Stil (Spielzeit):
Metal, Oriental, Progressiv (78:18)
Label/Vertrieb (VÖ): Century Media / EMI (22.01.09)
Bewertung: 9,5 /10

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Das Schöne an der Arbeit für BYE ist das Privileg, immer mal wieder mit etwas völlig Unerwartetem konfrontiert zu werden, was einen dann - noch überraschender – absolut begeistert. Und genau das ist mir mit "The Never Ending Way Of ORWarriOR" von ORPHANED LAND passiert. Hier kann ich aus vollstem Herzen sagen, dass dies hier etwas völlig Ungehörtes für mich ist, und ich bin mehr als nur begeistert. Geile Sache, das!

Um diese Musik zu klassifizieren, benutzt die Band selber Begriffe wie „Jewish Muslim Metal" oder „Middle Eastern Progressive Metal", und ja – sie passen. Die Israelis (und ihre vielen Studiogäste) schmeißen einfach mal Metal und eine ganz große Menge an nahöstlichen Einflüssen in einen Topf, mischen ihnen Versatzstücke der verschiedenen, in Hass auf einander lebenden Kulturen unter und würzen das Ganze mit einer Konzept-Geschichte, die musikalisch, textlich und ästhetisch Brücken schlägt und somit Menschen vereinen könnte, die das wohl so niemals erwartet hätten.

Aber wenn man mal den ganzen politischen und soziokulturellen Überbau beiseite lässt (welcher der Band unheimlich wichtig zu sein scheint), hat man hier einfach ein unfassbar gutes, extrem durchdachtes und verdammt abwechslungsreiches Album vor sich. Die Songs sind progressiv und nehmen nicht nur in den Tonleitern Ansätze des Nahen Ostens auf – sie nutzen auch eine Unmenge an typischen Instrumenten für diesen Teil der Welt. Und so kann auch mal eine reine perkussive Stelle auftauchen, die den Hörer sofort auf den Herkunftsort der Band aufmerksam macht. Dazu gibt es Growls, Clean-Gesang, arabischen Frauengesang (ich Naivling muss da immer an den Ofra Haza-Beitrag bei SISTERS OF MERCYs „Temple Of Love" denken), Vierteltonschritte undundund. Aber bei allen progressiven Ansätzen schafft es die Band immer noch, richtig geile Songs zu schreiben, die teilweise direkt beim ersten Mal im Ohr bleiben!

Produziert wurde dieses Monster (im Info spricht man von 600 Stunden Studioarbeit in fünf Jahren!) übrigens von Steven Wilson (Porcupine Tree, Opeth), der auch für die Keyboards zuständig ist. Und was soll ich sagen? Er hat unglaublich gute Arbeit geleistet. Das Album erstrahlt in einer Akustik, die einem die Spucke in den Ohren zusammenlaufen lässt – oder so ähnlich. Manch einer mag vielleicht bemängeln, dass der Härtegrad nicht hoch genug ist – aber dieser Personenkreis wird dieses fantastische Album vermutlich eh nicht verstehen. Aber das ist auch vollkommen egal, da dieses Werk der Israelis einfach mal ein kleiner Meilenstein ist. Eine Kombination aus Musik, Kultur und Politik, und das auch noch extrem geschmackssicher. Geil!