Neal Morse - Momentum

neal morse momentum

Stil (Spielzeit): Progressive Rock (61:22)
Label/Vertrieb (VÖ): InsideOut/EMI (07.09.12)
Bewertung: 6/10

nealmorse.com

Es ist noch gar nicht so lange her, da veröffentlichte NEAL MORSE den zweiten Teil seines autobiographischen "Testimony"-Albums, gefolgt von einer umfassenden Live-Nachlese. Im Januar diesen Jahres hatte plötzlich Mike Portnoy Zeit, also verschanzte sich Morse mit dem Drummer und seinem langjährigen Weggefährten Randy George im Studio, obwohl er noch kein Material geschrieben hatte. Eine "Explosion der Kreativität, die über unsere Erwartungen hinaus ging", führte dann zu "Momentum". So will es einem zumindest das Presseinfo weismachen. Klingt einigermaßen spektakulär, was sich von Morses neuem Solowerk leider nicht behaupten lässt. Mehr als Standard-Kost, die zudem noch uninspiriert klingt, gibt's leider nicht.

Lassen wir kurz die Fakten sprechen: Wie immer zeichnet sich Morse selbst für Gesang, Keyboards und Gitarren verantwortlich, Portnoy sitzt am Schlagzeug und George bedient den Bass. Unterstützung erfuhr das Trio durch Paul Gilbert, den von Morse neu entdeckten brasilianischen Gitarristen Adson Sondre und Mitglieder der Liveband. Gemixt wurde "Momentum" von Rich Mouser, produziert von Morse selbst. Darauf enthalten sind sechs Songs, die wenig überraschend genau das bieten, für das NEAL MORSE seit Jahren bekannt ist: Leichtfüßigen, poppigen Progressive Rock mit christlichen Texten, die mittlerweile nicht mehr ganz so offensiv ausfallen wie auf den Anfangswerken. Eröffnet wird "Momentum" von dem knackigen Titeltrack, dem jedoch das letzte Quäntchen Inspiration fehlt, um den Hörer zu völliger Glückseligkeit zu führen. "Thoughts 5" (gab's nach dem zweiten Teil überhaupt noch einen?) ist - natürlich - eine Fortsetzung des vertrackten, mehrstimmigen Songs aus SPOCK'S BEARD-Zeiten und zitiert das Original. Warum dieser Teil gerade jetzt aufgenommen werden musste, erschließt sich mir aber nicht ganz. "Smoke And Mirrors" ist die obligatorische, nett anzuhörende Ballade, "Weathering Sky" ein unspektakulärer Gute Laune-Rocker, und "Freak" ein echter Ausfall. Glücklicherweise wartet mit dem 33-minütigen "World Without End" noch das epische Herzstück des Albums auf den Hörer, das alles aufzubieten hat, was man kennt und liebt und trotzdem einen faden Beigeschmack hinterlässt. Denn das alles kommt einem doch reichlich bekannt vor.

Die Vocals von NEAL MORSE sind wie immer erstklassig und berührend, und bei solch namhaften Mitstreitern klingt selbstverständlich auch der instrumentale Teil perfekt. Knackig produziert wurde "Momentum" ebenfalls. Und doch handelt es sich bei diesem Album um alles andere als eine Sternstunde der Morseschen Diskographie. Handwerklich hervorragend und mit tollen Melodien versehen macht "Momentum" vordergründig einen guten Eindruck, doch ist wirklich alles, was man hier zu hören bekommt, so oder ähnlich schon mal da gewesen, und das in besserer Form. Der hochtalentierte Sänger und Gitarrist sollte sich eine kleine Pause gönnen und sich neue Inspirationen gönnen, statt jedes Jahr einen neuen Output auf den Mark zu werfen. So ist "Momentum" trotz aller musikalischen Klasse wirklich nur etwas für Hardcore-Fans.