Geschrieben von Samstag, 18 April 2020 21:32

Nekrovault im Interview über authentischen Death Metal, musikalische Einflüsse und Jack Daniels zum Frühstück

Nekrovault Nekrovault Foto by Saskia Gaulke Fotografie / saskiagaulke.de

Mit „Totenzug: Festering Peregrination“ haben NEKROVAULT aus Memmingen (Bayern) ein amtliches Todesblei-Debüt abgeliefert. Wir haben uns mit Drummer V. und Lead-Gitarrist SS. über die Entstehung der Platte unterhalten.

Euer Debütalbum „Totenzug: Festering Peregrination“ ist vor etwa drei Wochen erschienen. Wie nehmt ihr bislang die Reaktionen auf die Platte wahr?

V.: Bisher waren alle Rezensionen und Reaktionen auf das Album, die zu uns durchgedrungen sind, durchweg positiv. 

Euer Death Metal klingt roh, düster und zerstörerisch. Dennoch verschwimmen Growls und Instrumente zu einer einheitlichen, harmonisch wirkenden Soundmasse. Beteiligen sich bei euch alle vier Musiker am Songwriting?

V.: Genau so sollte Death Metal in meinen Ohren auch klingen. Die Ideen für die einzelnen Riffs oder Songs entstehen meist in den eigenen vier Wänden und werden den anderen dann vorgetragen. Anschließend arbeiten wir die Stücke dann gemeinsam aus.

Die beiden Haupt-Songwriter sind unser Gitarrist SS. und unser Bassist und Sänger P., der zu „Totenzug: Festering Peregrination“ einiges an Texten und Riffs beigesteuert hat. Unser Lead-Gitarrist wurde für das Album von der sprichwörtlichen Leine gelassen und hat den Hauptteil der Songs geschrieben und ist auch für das Layout und Gesamt-Konzept der Platte verantwortlich. Aber auch unsere Gitarristin S. hat sich musikalisch auf der Platte verewigt („Serpentrance“). So ist unser Debüt im Kollektiv der Saitenfraktion entstanden.

Mein bisheriger Lieblingssong ist „Eremitorium“, der übermächtige Abschluss des Albums. Mir gefällt vor allem die Kombination ungeschliffenen Wahnsinns mit harmonisch-rockigen Parts. Erzählt uns doch mal von der Entstehung dieses Songs.

V.: „Eremitorium“ ist auch für mich ein Favorit des Albums. Wenn man beim Spielen selbst eine Gänsehaut bekommt, muss der Song einfach gut sein. Ich war die treibende Kraft dahinter, die rockigen Parts auch zu verwenden, da sie verdammt gut harmonieren und perfekt ins Gesamtgefüge passen. Für mich persönlich haben unsere Songwriter mit diesem Song einen Meilenstein in der Historie von NEKROVAULT geschaffen. 

SS: „Eremitorium“ ist einer der Songs, der zur Hälfte aus der Feder von P. und zur anderen Hälfte von mir stammt. Bis nach der zweiten Strophe hatten wir P.s Anteil schon in diversen unterschiedlichen Versionen gespielt, aber die Auflösung des Stücks hat sich erst später ergeben. P. sagte zunächst zum Spaß: „Wir bauen da einfach meinen ‚THE CURE-Part‘ ein“.

Damit rannte er bei mir offene Türen ein. Denn das Ganze hat perfekt mit der melancholischen Semi-Clean-Melodie zusammengepasst, die ich schon oft in einen Song einbauen wollte. Es hatte sich aber bislang nie so intensiv und ‚echt‘ angefühlt, wie jetzt bei „Eremtiorium“. Insgesamt ist der Song auch einer meiner Favoriten und hat musikalisch und lyrisch eine große Bedeutung für mich. 

Aber um dem Ganzen ein wenig die ‚Cheesyness‘ zu nehmen: Die besagte Melodie entstand an einem verkaterten Mittag auf einem Sofa bei Freunden in Leipzig (Cheers, Done und Michi!), nachdem der Vortag nach einem etwas ausgearteten Suff auf dem Boden vor dem Plattenspieler ein jähes, verfrühtes Ende nahm. Also Jack Daniels zum Frühstück und den Kater auf morgen verschieben! Oder: „Cleansing holy waters engulfing us and making us one with the dead ...“ 

„Totenzug: Festering Peregrination“ hat meines Erachtens eine sehr individuelle, finstere Note. Dennoch vernehme ich auch immer mal wieder eine kleine Hommage an andere Bands. Sei es der zerstörerische Klang-Mahlstrom von SULPHUR AEON, oder aber die dichten Soundwände im BOLT THROWER’schen Dampfwalzentempo. Liege ich damit daneben?

SS: Also bezüglich meiner Haupteinflüsse für das Album kann ich nur immer wieder CELTIC FROST und MORBID ANGEL hervorheben. Aber wie auch schon die erwähnte THE CURE-Inspiration zeigt, sind wir offen dafür, alle möglichen Einflüsse von außerhalb unseres üblichen Dunstkreises mit einzubeziehen.

Mit SULPHUR AEON und BOLT THROWER liegst du da auch gar nicht so falsch. Beide Bands hören wir gerne und SULPHUR AEON sind ja auch Label-Kollegen, mit denen wir schon diverse Bühnen und Kaltgetränke vernichten durften. 

Wenn ich richtig informiert bin, dann war Laurent Teubl von CHAPEL OF DISEASE mitverantwortlich für den voluminösen Sound der Platte. Zudem stammt das Cover-Artwork von Misanthropic Art, die auch schon das Cover der CoD-Platte „The Mysterious Ways of Repetitive Art“ gestaltet haben. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit? 

V.: Wir pflegen seit längerem eine Freundschaft mit CHAPEL OF DISEASE und Laurent war schon ziemlich früh im Gespräch für eine Beteiligung an der Platte. Wir wollten, dass dieser Job von jemand Externem übernommen wird und so hat Laurent das Mastering der Platte übernommen. Abgemischt wurde das Album von uns in enger Zusammenarbeit mit Fabian Krapp vom „Ruins Rust Studio“, wo wir auch den größten Teil aufgenommen haben. 

Die Zusammenarbeit mit Misanthropic-Art entstand dadurch, dass unser Lead-Gitarrist auf der Suche nach der bildlichen Umsetzung seines geplanten Konzepts war. Als Überbegriff stand eine Art "vergöttlichter Tod": Der Sepulkrator, verbildlicht durch den Monolith, auf den der Totenzug (aus einer lokalen Sage) unausweichlich zumarschiert.

Er wollte das Motiv des Monolithen in diesem ungewöhnlichen Lila-Ton, der auch auf manchen Versionen des Covers von MAYHEMs „De Mysteriis Dom Sathanas“ zu finden ist. Die Farbe verleiht dem Artwork diese gewisse mystische und bedrohliche Aura. Der Stil von Chris von Misanthropic-Art hat letztlich am besten zu dieser Vorstellung gepasst.

Martin Eric Ain (ehemaliger Bassist von CELTIC FROST) sagte mal in einem Interview über Death Metal: „Texte über Tod und Zerstörung, aber mit Bermuda-Shorts und Bier. Das war nicht unbedingt mein Ding“. Inwiefern ist eine gewisse Ernsthaftigkeit für die Authentizität dieser Musikrichtung auch für NEKROVAULT entscheidend?

V.: Die Aussage von Martin Eric Ain kann man so stehen lassen und unterstreichen. Wenn ich eine gewisse düstere Atmosphäre mit meiner Musik erschaffen will, sollte auch eine entsprechende Ernsthaftigkeit und Authentizität dahinterstecken. Viele der heutigen Death-Metal-Bands wirken durch ihre ‚Buddy Mentalität‘ etwas künstlich bzw. eben nicht authentisch. 

Wir sind alle keine Satanisten oder überaus okkult bewandert. Deshalb verarbeiten wir auch solch eine Thematik nicht in unserer Musik. Es gibt genügend andere Themen, mit denen man sich auseinandersetzen und auch identifizieren kann. In unserem Fall sind es beispielsweise eigene selbstzerstörerische Erlebnisse (lacht) und diverse lokale Sagen, die aufgearbeitet und für die Lyrics verwendet wurden.

Wie viele andere Bands im Black/Death-Metal-Bereich gebt ihr nicht eure vollen Namen an, sondern nutzt lediglich Anfangsbuchstaben. Warum diese Anonymität?

V.: Das ist eigentlich überhaupt kein großes Ding. Die Musik steht im Vordergrund und deshalb sind Namen einfach nebensächlich.

Im April solltet ihr mit den dänischen Black Metallern von DENIAL OF GOD eigentlich ein Konzert in Dortmund spielen, das allerdings den Veranstaltungsabsagen wegen des Coronavirus zum Opfer fiel. Wie kam der Kontakt zu DoG zustande?

V.: Zu DENIAL OF GOD pflegen wir keinen Kontakt. Wir wurden genauso wie NOCTURNAL von dem lokalen Veranstalter in Dortmund gebucht.

Ist geplant, dieses Konzert in der Zukunft nachzuholen?

V.: Aktuell gibt es noch keine Infos, ob dieses Konzert und die gesamte die Tour von DENIAL OF GOD nachgeholt wird. Ich denke, es wird aufgrund der aktuellen Lage erst 2021 der Fall sein – wenn überhaupt.