Thin Lizzy - From Vagabonds To Rockers

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Das von Alan Byrne verfasste Buch ist keine Biografie im herkömmlichen Sinne, und es befasst sich hauptsächlich mit der Band THIN LIZZY. Diese Information vorweg, weil der ein oder andere vielleicht unter diesem Buchtitel auch eine Biografie von Phil Lynott erwartet. Natürlich steht Phil Lynott oftmals im Mittelpunkt, was aber auch schwerlich zu verhindern ist, da er der Bandleader von THIN LIZZY war. 
Aber Alan Byrne bleibt dem Titel treu, was ich in allererster Linie einmal sehr positiv finde, denn auf den Phil Lynott Zug sind nach dessen Tod wirklich zu viele aufgesprungen, und unvollständige und oberflächliche Biografien gibt es über den charismatischen Frontmann tatsächlich wie Sand am Meer. 

Alan Byrne beschreibt den Werdegang der Band von Beginn an, wobei mir aber auch in diesen Beschreibungen einige Lücken aufgefallen sind, bzw. Fakten nicht weiter nachgegangen wird. 
Nur als Beispiel dafür stellt er in den Raum, dass THIN LIZZY als Band von ihrem zweiten Album „Shades Of A Blue Orphanage“ im Nachhinein sehr enttäuscht waren, erklärt aber mit keinem Wort, warum dies so gewesen ist. Für mich wäre da eine Erklärung schon angebracht, zumal ich das Album auf gar keinen Fall als Enttäuschung bezeichnen würde. Das ist ein Beispiel für viele kleine Statements, die einfach so in den Raum gestellt werden. Hier fehlen mir einfach die passenden Erklärungen. 

Dafür werden andere Situationen sehr ausführlich beschrieben, wie zum Beispiel das häufige Wechseln der Gitarristen oder die Probleme mit den Plattenfirmen. Sehr ausführlich geht Byrne auf die Phasen ein, in denen sich die Band zum Songwriting oder zu den Recording Sessions verbarrikadiert, und erberichtet, wie einzelne Tracks entstanden sind. Hier erhält man viele Informationen, die auf Interviews mit den Gitarristen Scott Gorham, Brian Robertson, Gary Moore oder John Sykes beruhen. 
Seine Informationen hat Alan Byrne dabei hauptsächlich von alten Mitstreitern und Menschen aus dem Umfeld der Band, sowie auch von Phils Mutter. Die Quellen, aus denen er seine Infos gezogen hat, werden im Anhang sehr gut aufgelistet. Was mir allerdings fehlt, ist eine Art Index über den Inhalt des Buches. Wenn man im Nachhinein eine bestimmte Stelle sucht, ist man fast hoffnungslos verloren.
 
Für mich ist dieses Buch in erster Linie eine Aneinanderreihung von Fakten, womit ich wieder auf meine Eingangsbehauptung zurückkomme, dass es sich hier nicht um eine Biografie im herkömmlichen Sinne handelt. Denn dazu fehlt mir ein bisschen diese Art von Herz oder Leidenschaft, die man für eine Biografie einfach braucht. Da aber das Wort „Biografie“ niemals auftaucht, kann man dem Autor hier auch keine Vorwürfe machen. Man ist als Käufer aber selber schnell geneigt, dieses Buch als solche einzustufen. Und damit liegt man definitiv falsch.

Wer jedoch ein Buch über THIN LIZZY sucht, das sich wirklich nur mit der reinen Bandgeschichte oder Business-Angelegenheiten beschäftigt, ist hier ganz gut versorgt. Auf 286 Seiten erhält man viele Hintergrundinformationen, wobei ich hier anmerken muss, dass jemand, der sich mit THIN LIZZY schon vorher beschäftigt hat, viele Dinge einfach schon weiß und nicht wirklich viele Neuigkeiten erfährt. 
In der Mitte des Buches findet man acht Seiten mit schwarz/weiß Bildern, die man sich eigentlich auch hätte sparen können. Wenn schon Band- oder Live-Bilder, dann bitte mit jeder Besetzung, und nicht nur die, die man gerade zur Verfügung hatte. 

Ich habe das Buch in der englischen Version gelesen. Wie die meisten Bücher dieses Genres, liest sich die Originalversion ziemlich problemlos. Wie die deutsche Übersetzung ausgefallen ist, sofern es sie überhaupt gibt, kann ich jetzt nicht sagen. Da aber aus Erfahrung diese Übersetzungen meist grottenschlecht sind, würde ich immer das Original empfehlen. 

Fazit: Eingefleischte THIN LIZZY Fans werden hier nicht unbedingt neue Weisheiten über die Band erfahren. Leute, die jetzt erst anfangen, sich mit der Band zu beschäftigen, werden mit dem Buch mehr Freude haben, sollten aber beachten, dass einige Behauptungen nicht begründet werden und man sich so nach dem Motto "friss oder stirb" einfach damit zufriedengeben muss. Erschienen ist es 2005 bei SAF Publishing.