Chris Cornell - Higher Truth

Chris Cornell - Higher Truth
Mit “Higher Truth” veröffentlicht SOUNDGARDEN-Sänger Chris Cornell sein viertes Studioalbum. Aus seinem eigenen Schaffen war mir bisher nur der “Casino Royale”-Titeltrack “You Know My Name” (genialster Bond-Titelsong ever!) bekannt. Deshalb war ich einigermaßen gespannt, was “Higher Truth” zu bieten hat, zumal die Deluxe Edition im wertigen Digipack um 4 Bonustracks angereichert wurde.

Im Gegensatz zum 007-Titeltrack geht es auf “Higher Truth” aber merklich ruhiger und kaum rockig zu. Eine große Rolle spielen neben Cornells charakteristischer Stimme akustische Gitarren. Aufgelockert werden die Songs mit Drums, Loops und elektronischen Spielereien sowie poppigen Momenten. Auffällig ist die relaxte Atmosphäre, die sich durch viele Nummern zieht. Sie hinterlässt den Eindruck eines Sängers und Gitarristen, der niemandem etwas beweisen will oder muss, sondern einfach das macht, worauf er Lust hat. Das ist auf Dauer jedoch öde, spätestens nach der Hälfte der Spielzeit fühlt sich “Higher Truth” nach Wiederholung an. Dass in der Kürze die Würze liegen kann, hat PEARL JAM-Fronter Eddie Vedder mit seinem famosen Soundtrack zum Film “Into The Wild” gezeigt. Streckenweise fühle ich mich bei Cornell an Vedders Werk erinnert, an die Eindrücklichkeit und Intensität von “Into The Wild” kommt der SOUNDGARDEN-Sänger jedoch nie heran. Dass er aber auch ganz anders kann, zeigt seine Livescheibe "Songbook", die 2011 erschien und den Sänger alleine mit einer Akustikgitarre und einem bunt gemischten Repertoire aus Songs seiner Karriere von seiner intimsten und besten Seite zeigt. Schade, dass er diese Intimität nicht auf die neue Studio-CD übertragen konnte.

Wirklich hörenswert sind nur “Dead Wishes” mit seiner eindringlichen Melodie und dem wundervollen Chorus, das poppige “Before We Disappear” und eine Handvoll anderer Nummern. Das ist für ein Singer/Songwriter-Album deutlich zu wenig, selbst wenn Cornell mit seinen Vocals viele Pluspunkte sammelt. “Higher Truth” ist nicht wirklich schlecht, es hat gute Momente. Viel zu oft plätschern die Nummern aber ohne Wiedererkennungswert vor sich hin, sind definitiv nicht mehr als grundsolide. Von einem Soloalbum des SOUNDGARDEN-Sängers sollte man deutlich mehr erwarten können.

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