Fear Factory - Mechanize Tipp

fearfactory_mechanize

Stil (Spielzeit): Industrial Metal (44:50)
Label/Vertrieb (VÖ): AFM Records (05.02.2010)
Bewertung: 8,5/10

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Na endlich! Mit dem Comeback von Ur-Gitarrero Dino Cazares klingen FEAR FACTORY wieder so ausgeschlafen und packend wie zu ihren Glanzzeiten Ende der 90er:  explosiv, brachial, eiskalt und atmosphärisch. "Mechanize" vereint alle Trademarks, die Fans seit dem stilprägenden „Demanufacture“- Album so sehr schätzen, und mit dem Song „Indiustrial Discipline“ ist sogar ein echter Hit am Start.

Kurz zum Lauf der Dinge bei den L.A. Cyber-Metallern: Nachdem FEAR FACTORY durch interne Streitigkeiten mehrmals kurz vor dem Aus stehen, folgt 2009 endlich die Versöhnung zwischen Sänger Burton C. Bell und Hauptsongwriter Dino. Mit Bassist Byron Straud und Neuzugang Gene Hoglan am Schlagzeug (STRAPPING YOUNG LAD, DEATH, TESTAMENT) nimmt die neu formierte Band die Brocken wieder auf – sehr zum Unmut der ehemaligen Bandkollegen Raymond Herrera und Christian Olde Wolbers. Die beiden setzen zwischenzeitlich ihr ursprünglich für FEAR FACTORY gedachtes Songmaterial bei der Neugründung ARKAEA um und fühlen sich nun, wo es mit der Stammformation wieder losgehen soll, übergangen. Momentan reden beide Parteien nur über Anwälte miteinander, es geht um die Namensrechte von FEAR FACTORY und ein paar weitere Dinge, die demnächst vor Gericht geklärt werden sollen - Ausgang ungewiss.

Glücklicherweise ist dieser Berg Schmutzwäsche, der aktuell zwischen den Ur-Mitgliedern verteilt wird, die einzige Nebenwirkung  von „Mechanize“ – sieht man einmal von den heftigen Nackenschmerzen ab, die beim standesgemäßen Abfeiern von Blastorgien wie „Mechanize“ oder „Powershifter“ unvermeidbar sind. Wer sich gefragt hat, ob Hoglan ein würdiger Ersatz für das lebende Maschinengewehr Herrera ist – hell yeah, das ist er! Zumal der Junge nicht nur gnadenlos geradeaus tackert, sondern zwischendurch auch ein paar Grooves einstreut, die von einem durchaus dominant aber zu jeder Minute songdienlich riffenden Dino flankiert werden.
Sythie-Sounds werden vergleichsweise sparsam eingesetzt, vielmehr verlassen sich die vier Musiker auf ihre ureigensten Fähigkeiten und Stärken, vor allem gesanglich und songwriterisch. Es ist bemerkenswert, wie Dino eine Hookline nach der anderen aus dem Ärmel zieht und Burton dazu passend growlt oder singt, meist mit einer gelungen Steigerung im Chorus, ganz nach alter FEAR FACTORY-Manier. Das Ergebnis dieses Einklangs ist eine brutale, schnelle und in ihrer Gesamtheit unglaublich starke Platte, deren Qualität wohl niemand ernsthaft bestreiten wird.

„Mechanize ist das Album, das wir nach „Obsolete“ hätten machen sollen“, ließ Burton jüngst in einem Interview verlauten. Es sei die Scheibe, die den Sound von FEAR FACTORY genau definiere –  und dem kann ich nur zustimmen: „Mechanize“ verknüpft die klinische Härte von "Demanufacture" mit der intelligent dosierten Melodik von „Obsolete“ und entspricht damit genau dem Wunschbild, das die alten Fans von einer FEAR FACTORY-Scheibe haben. Hört Euch den Titeltrack oder, noch besser, „Indiustrial Discipline“ an und versucht, nicht an „Self Bias Resistor“ zu denken… ist es nicht unglaublich, wie sehr FEAR FACTORY nach 15 Jahren wieder bei sich selbst angekommen sind?

Bleiben wir zum Abschluss halbwegs objektiv: Grund zur Euphorie besteht anlässlich von „Mechanize“ nicht. FEAR FACTORY erfinden sich auf dieser Scheibe weder neu, noch setzen sie mit ihr die Messlatte für modernen Industrial Metal höher. Aber, und das ist der Grund für meine Begeisterung: Der Knoten ist geplatzt und die Band findet nach ein paar schwächeren Alben zur alten Stärke zurück und präsentiert sich in einer Form, wie ich sie nicht mehr für möglich gehalten hätte. An dieser Scheibe kommt kein Fan vorbei.