Ayreon - The Theory Of Everything

Ayreon - The Theory Of Everything
    Progressive Rock

    Label: InsideOut
    VÖ: 25.10.2013
    Bewertung:7/10

    Website


Seit der 2008 erschienenen Werkschau “Timeline” und dem vorhergehenden Stuiorelease “01011001” war Funkstille bei AYREON. Multiinstrumentalist und Songwriter Arjen Lucassen wollte mit einem der wichtigsten Kapitel der neuzeitlichen Prog-Musik abschließen, konzentrierte sich auf Nebenprojekte und ein Soloalbum unter seinem eigenen Namen. Nach einer fünfjährigen Auszeit möchte Lucassen AYREON nun wiederbeleben und veröffentlicht mit “The Theory Of Everything” ein Konzeptalbum, das auf zwei CDs Platz findet und ein bisschen reduzierter, aber immer noch unverkennbar nach AYREON klingt.

Im Gegensatz zu früheren Meisterwerken ist die Zahl der Gastsänger und -musiker merklich geschrumpft. Zudem wird nicht mehr ganz so krasses Namedropping betrieben wie noch auf “01011001”. Sänger wie Marco Hietala (NIGHTWISH), Cristina Scabbia (LACUNA COIL) und John Wetton kennt man als Rock- und Metalfan natürlich, auch Musiker wie Steve Hackett (ex-GENESIS), Jordan Rudess (DREAM THEATER), Rick Wakeman (YES), Keith Emerson (EMERSON, LAKE & PALMER) und Ed Warby (ex-GOREFEST) dürften einem ganz und gar nicht fremd sein. Michael Mills (TOEHIDER), Sara Squadrani (ANCIENT BARDS) oder Janne Christoffersson (GRAND MAGUS) stehen jetzt aber nicht unbedingt in der ersten Sänger-Riege. Die Reduktion auf weniger Gäste tut dem Sound von AYREON hörbar gut, und wie immer passen die Vokalisten perfekt ins Konzept von Lucassen.

Musikalisch verfolgt der Holländer nach wie vor seine eigene Linie mit einer Mischung aus Progressive Rock, Progressive Metal und Folk. Es geht musikalisch und inhaltlich nicht mehr so spacig zu wie auf den Vorgängern von “The Theory Of Everything”, aber AYREON bleiben musikalisch sich selbst treu - alles andere wäre auch kaum vorstellbar gewesen. Während man auf vergangenen Outputs jedoch trotz der Konzepte musikalische Höhepunkte oder Favoriten hervorheben konnte, ist das auf dem siebten Studioalbum nicht mehr möglich. Zwar besteht der anderthalbstündige Doppeldecker eigentlich bloß aus vier überlangen Tracks, Lucassen hat sich vermutlich in Anlehung an den Film “Per Anhalter durch die Galaxis” aber dazu entschlossen, die Mammut-Songs in vielen kleinen - genauer: 42 - Häppchen zu präsentieren. Hört man sich das Konzeptwerk sowieso nur am Stück an, spielt das keine Rolle, möchte man aber einem speziellen Longtrack lauschen, so ist das nicht möglich. Im Gegenzug wird sich wohl niemand anderthalb- oder zweiminütige Versatzstücke anhören, die dann wirklich völlig aus dem Kontext gerissen wären.

Die Verteilung auf 42 Stücke macht es dann auch schwierig, etwas anderes mit diesem Album zu tun, als es am Stück zu hören. Genau das war für mich aber immer eine Stärke von AYREON: In sich geschlossene Konzeptalben, deren Songs auch für sich funktionierten. Nichtsdestotrotz ist “The Theory Of Everything” Pflichtfutter für jeden AYREON-Fan, wenn es auch etwas länger dauert, bis man mit der neuen Scheibe warm wird und sich neben vielen Höhepunkten, ergreifenden Melodien und klasse Hooks auch einige dahinplätschernde, eher nichtssagende Passagen befinden.