Girlschool - Legacy

Stil (Spielzeit): Hard Rock (50:44)
Label/Vertrieb (VÖ): Wacken Records/SPV (24.10.08)
Bewertung: Rockt (7/10)

Link: http://www.girlschool.co.uk

Viele Bands der letzten Jahrzehnte wurden vergessen oder begegnen uns heute nur noch auf Samplern und Compilations. Und machen wir uns nichts vor, viele davon haben es verdient. GIRLSCHOOL waren eine der ersten reinen Frauenbands, die sich harter Musik verschrieben hatten. Sie eroberten zusammen mit der NWoBHM die Welt, und doch kennen besonders jüngere Fans heute kaum mehr als den Band-Hit „Race With The Devil“. Jetzt melden sich die Engländerinnen mit einem neuen Album zurück.

Der Titel „Legacy“ klingt irgendwie nach einem Abschluss, doch im Gegensatz zu anderen Bands geben sich GIRLSCHOOL nicht mit einem Best Of oder neu eingespielten Hits der eigenen Vergangenheit zufrieden. Trotzdem schließt die Band in gewisser Weise einen Kreis, denn unter anderem werden sie auf dem Album von mehreren teilweise ehemaligen MOTÖRHEAD Musikern beim MOTÖRHEAD Klassiker „Metropolis“ unterstützt, die in den Anfangstagen der Karriere von GIRLSCHOOL auf die Sprünge halfen. Daneben haben auch DIO und Tony Iommi eine alternative Version des Songs „I Spy“ beigesteuert.

Und spätestens hier zeigt sich, dass GIRLSCHOOL sich nicht nur auf die Vergangenheit konzentrieren, denn der Text, der sich mit den ausufernden Sicherheitsapperaten beschäftigt, die jeden Bürger im sogenannten „Kampf gegen den Terror“ zum potenziellen Verdächtigen erklären, könnte aktueller kaum sein. Auch die Kommerzialisierung, den ständigen Zwang zum Konsum, am besten mit geliehenem Geld, prangern die Engländerinnen an und liefern mit „Spend, Spend, Spend“ auch gleich einen der frischesten Songs des Albums ab. Weitere starke Nummern sind das teilweise auf Deutsch gesungene „Zeitgeist“, das punkige „London“ und „Still Waters Run Deep“.

Wenig verwunderlich auch, dass GIRLSCHOOL ihrer im Juli 2007 verstorbenen Bandgründerin Kelly Johnson ein Stück widmen, auch wenn „Legend“ vor allem während des nicht wirklich dynamischen Texts nicht unbedingt zu den Highlights des Albums gehört. Der fast schon Rap-artige Gesang ist auch das Manko bei „Whole New World“.

Der ganz große Wurf ist „Legacy“ sicher nicht, wohl aber ein beachtliches Lebenszeichen. Auch wenn es den einen oder anderen Füller oder einfach weniger gelungenen Song gibt, zeigen die Grand Dames des Rotz-Rocks, dass sie es immer noch können. Böse Mädchen kommen eben überall hin.

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