Geschrieben von Dienstag, 10 Februar 2015 18:06

Echoes performing the music of Pink Floyd - Siegen / Siegerlandhalle

Obwohl PINK FLOYD mit dem großartigen "The Endless River" kürzlich unerwartet ein neues (und letztes) Album veröffentlicht haben, besteht schon seit Jahren keine reelle Chance mehr, die Legende live zu sehen – erst recht nicht nach dem Tod Richard Wrights. Gut, dass es Tribute-Bands gibt, und noch besser, wenn sie wie im Falle von ECHOES nicht nur ein Hobby-Projekt sind, sondern von einem gestandenen Musiker wie Oliver Hartmann angeführt werden. Der Sänger und Gitarrist ist solo unterwegs, Teil des Projekts "Rock meets Classic", war bei AT VANCE aktiv und hatte auch ein Gastspiel bei AVANTASIA. Wie es aussieht, lebt er seine größte Leidenschaft aber mit seinen Kollegen Martin Hofmann (Bass, Vocals), Paul Kunkel (Keyboards, Vocals) und Steffen Maier (Drums) bei ECHOES aus, die sich an einem regnerischen Samstag Abend im großen Saal der Siegerlandhalle die Ehre gaben.

Bevor ECHOES mit ihrer neuen Lightshow "Seer Of Visions" im Siegerland premierten, durften im Foyer LIVE RHYTHM ran. Nur mit Cajón und Akustikgitarre sowie ihren Stimmen bewaffnet, präsentierte das männlich-weibliche Duo aus Finnentrop eine bunte Mischung aus aktuellen Chart-Hits und Klassikern wie "Whiskey In The Jar, "The Passenger" und "I Fought The Law", die bei den Konzertbesuchern ziemlich gut ankam und die Wartezeit auf den Hauptact gelungen verkürzte.

Um kurz nach 20 Uhr enterten dann ECHOES die Bühne der Siegerlandhalle mit "Shine On You Crazy Diamond". Endlich mal wieder ein Konzert, bei dem man sich voll und ganz der von einer sehr gelungenen Lightshow untermalten Musik widmen konnte, die das Quartett auf der Bühne mit viel Leidenschaft und Spielfreude zelebrierte. Unterstützt von einem Saxophonisten und Sängerin Tiffany Kirkland, die bereits seit Jahren Teil der "Rock meets Classic"-Reihe ist, gaben sich ECHOES ganz der komplexen Welt von PINK FLOYD hin und boten nach dem (verkürzten) Opener mit der Gänsehaut-Nummer "Welcome To The Machine", dem lockeren "Have A Cigar", in dem Hartmann Roy Harper verblüffend ähnlich klang, und dem wundervollen "Wish You Were Here" gleich mal den Großteil des gleichnamigen Albums dar.
Danach konzentrierte sich die Band auf Material von "Dark Side Of The Moon", bei dem insbesondere das von Kirklands Stimme getragene "The Great Gig In The Sky" ein echter Gänsehaut-Moment war. Aufgelockert wurde die erste Hälfte des Auftritts von "High Hopes" und dem Instrumental "One Of These Days", das sich mit seinem pumpenden Bass und Gitarrenpower zu einem echten Groove-Monster entwickelte.

Nach einer kurzen Pause stieg die Band mit einer perfekten Version des Longtracks "Echoes" in die zweite Hälfte ein. Aushängeschild der Tribute-Band war selbstredend Hartmann, der zum einen David Gilmours Gitarrenspiel unglaublich exakt wiedergeben konnte, dabei aber mit kleinen Details und etwas fetteren Gitarrenklängen seinen eigenen Stil in die FLOYD-Kompositionen mit einfließen ließ, und der zum anderen stimmlich eine absolut überzeugende Figur machte. Seine Stimme wackelte auch in höheren Tonlagen kein bisschen, und an Power mangelte es schon gar nicht.

Seine Bandkollegen düfen aber nicht vergessen werden: Bassist Martin Hofmann überzeugte nicht nur mit pumpenden Bassläufen, sondern ebenso gelungenen Vocals, der ebenfalls singende Keyboarder Paul Kunkel sorgte für berauschende Effekte, Spielereien und Pianoklänge und Drummer Steffen Maier trommelte zugleich klar und detailverliebt wie Nick Mason. Die mehrstimmigen Gesänge kamen genau auf den Punkt und man konnte der eingespielten Truppe einfach ansehen, wie sehr sie es genoss, die Musik ihrer Helden auf die Bühne zu bringen.

Im weiteren Verlauf der zweiten Hälfte überraschten ECHOES mit einer kraftvollen Version des "Animals"-Tracks "Pigs" und vielen" The Wall"-Auszügen, bei denen für "Another Brick In The Wall, Part II" sogar ein Siegener Kinderchor auf die Bühne durfte, um die Band während des Refrains zu unterstützen. Zu den Highlights zählten "Hey You", das treibende "On The Run" und das wundervolle "Comfortably Numb", das Hartmann völlig zu Recht als den vielleicht schönsten Song, den PINK FLOYD je geschrieben haben, bezeichnete. Einziges Manko: Auch nach mehr als 2½ Stunden reiner Spielzeit war der Auftritt von ECHOES viel zu schnell vorbei.

Schade auch, dass der Gig ein gutes Stück davon entfernt war, ausverkauft zu sein. Zwar gab es kaum noch Sitzplätze, aber die Seiten im Innenraum waren völlig leer, auch zu spät Gekommene hätten problemlos in den ersten Reihen Platz gefunden. Der Band war jedoch keine Enttäuschung anzusehen und den angereisten Zuschauern (bunt gemischt, aber doch mit deutlichem Fokus auf ältere Semester) am Ende sowieso nicht – die hatten eine extrem gelungene Hommage an PINK FLOYD hinter sich, die in allen Bereichen ihresgleichen suchte.

Sowohl die Bandperformance als auch die an die "The Division Bell"-Tour angelehnte opulente Lightshow und der glasklare Sound, der nur im tiefen Bass-Bereich und einigen schrillen Mitten etwas zu sehr dröhnte, konnten auf ganzer Linie überzeugen – was am Ende dann auch den Eintrittspreis von über 40 Euro für den Sitzplatz inkl. Gebühren rechtfertigte.

Sollten ECHOES in eurer Nähe spielen: Schaut euch die Show an. Näher kann man PINK FLOYD nicht kommen, ohne das Original live zu sehen.

ECHOES auf Facebook: http://www.echoes.de/index.htm 
Tiffany Kirkland auf Facebook: https://www.facebook.com/Tiffland

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