Pink Floyd - Delicate Sound Of Thunder (LP, Reissue)

Pink Floyd - Delicate Sound Of Thunder (LP, Reissue)
    Progressive Rock/Rock

    Label: Pink Floyd Records
    VÖ: 17.11.2017
    Bewertung:6/10

    PINK FLOYD im Web


Als "Delicate Sound Of Thunder" 1988 erschien, war es das erste vollständige Livealbum der PINK FLOYD-Geschichte ("Ummagumma" bestand nur zur Hälfte aus Live-Material). Jetzt ist es als Re-Release erstmals seit mehr als 20 Jahren wieder auf Vinyl erhältlich.

Aufgenommen wurde die Doppel-LP an fünf Abenden im Herbst 1988 im Nassau Coliseum in Long Island, New York. Mit der Abmischung hatten es PINK FLOYD ziemlich eilig: Die Veröffentlichung erfolgte nur wenige Wochen, nachdem die Gigs stattgefunden hatten. Gründungsmitglied, Sänger und Bassist Roger Waters war zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr dabei. Stattdessen verstärkten sich David Gilmour, Rick Wright und Nick Mason um einige Gastmusiker und einen Backing-Chor. Auch optisch klotzten PINK FLOYD mit einer opulenten Bühnenshow - was man natürlich auf der LP nicht sehen kann. Schreit doch geradezu nach einer Neu-Veröffentlichung der originalen DVD...

Durchwachsene, unausgewogene Trackliste

Die Trackliste des Live-Mitschnitts konzentriert bis auf das Epos "Shine On You Crazy Diamond" auf der ersten LP vollständig auf das damals aktuelle, umstrittene Studioalbum "Momentary Lapse Of Reason". Immerhin stellte sich auf der Tour 1988 heraus, dass "Sorrow" zu einem echten Classic werden sollte, während andere Albumtitel wie beispielsweise "The Dogs Of War" ein wenig lebendiger klang als in der Studioversion. Dass die damals neuen Nummern mit den Klassikern nicht mithalten konnten, wird insbesondere durch die seltsame Aufteilung auf den LP-Tracklists deutlich.

Denn die zweite LP besteht nur aus Klassikern, an der Zahl sieben Stück. So gaben PINK FLOYD "One Of These Days", "Wish You Were Here", eine famose Version von "Comfortably Numb" und "Run Like Hell" zum Besten. Auch knapp 30 Jahre später fragt man sich jedoch, wieso es ausgerechnet eine Wahnsinns-Nummer wie "Welcome To The Machine" nicht auf die Platte geschafft hat. Auf die ganz frühen Nummern verzichteten PINK FLOYD eh.

Da es sich bei dem Re-Release um eine originale Reproduktion der ursprünglichen LP handelt, fehlt leider auch das ruhige "Us And Them", das es aus Platzgründen damals nicht auf die LP schaffte und auf der Doppel-CD ergänzt wurde.

So steril, wie ein Livealbum nur sein kann

Die Live-Umsetzung neuer und alter Songs ist perfekt. Zu perfekt. Damit sind nicht Overdubs gemeint - die gab es abgesehen von ein paar Korekturen bei zwei, drei Songs zum Glück nicht. Nein, die Live-Atmosphäre fehlt einfach. Die Prog-Veteranen wichen zwar mal mehr, mal weniger von den Studioversionen ab, doch klingt das Ergebnis einfach einen Hauch zu kühl, steril und synthetisch, der Mix überzeugt nicht zu 100 %. Das mag zum damaligen PINK FLOYD-Zeitgeist gepasst haben, "Pulse" oder der aktuelle DAVID GILMOUR-Mitschnitt "Live At Pompeii" zeigen aber beeindruckender, wie lebendig technische Perfektion klingen kann.

"Delicate Sound Of Thunder" ist ein wichtiges, weil das erste vollständige Live-Dokument von PINK FLOYD und in der Nauauflage für alle Anhänger des schwarzen Goldes Pflicht - wobei ich keine Sound-Vergleiche zwischen dem Remaster und der Original-LP anstellen kann, da ich letztere nicht besitze. In einigen Rezensionen ist zu lesen, dass der Klang zu dünn sei. Das kann ich zumindest ohne Vergleichsmöglichkeit nicht bestätigen.

Doch nur, wenn man die "A Momentary Lapse Of Reason"-Songs als Liveversionen benötigt oder die Platte aus sentimentalen Gründen haben will, weil man auf der damaligen Tour dabei war, macht es Sinn, "Delicate Sound Of Thunder" dem famosen "Pulse" den Vorzug zu geben, das es in fast allen Punkten besser macht.

Trackliste

LP 1
1. Shine On You Crazy Diamond
2. Learning To Fly
3. Yet Another Movie
4. Round And Around
5. Sorrow
6. The Dogs Of War
7. On The Turning Away

LP 2
1. One Of These Days
2. Time
3. Wish You Were Here
4. Money
5. Another Brick In The Wall Part II
6. Comfortably Numb
7. Run Like Hell

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