Devin Townsend Project - Ki



Stil (Spielzeit): Ambient/Progressive (66:37)
Label/Vertrieb (VÖ): InsideOut/SPV (22.05.09)
Bewertung: 7,5/10
Link: http://www.myspace.com/devintownsenddtb
DEVIN TOWNSEND war und ist ein Genie und absolutes Ausnahmetalent. Seine Karriere startete er als Sänger des STEVE VAI-Albums „Sex And Religion", er war Mitglied bei STRAPPING YOUNG LAD und veröffentlichte solo solch grandiose Alben wie „Terria" und „Accelerated Evolution". Nach dem Ende von STRAPPING YOUNG LAD schwor Townsend den Drogen ab, zog sich zurück und kehrt nun mit einem Mammutprojekt zurück, denn „Ki" ist das erste von vier ganz unterschiedlichen DEVIN TOWSEND PROJECT-Scheiben, die bis 2010 erscheinen sollen. Doch Vorsicht: Auf dem neuesten Silberling ist alles ganz, ganz anders.

Bevor man sich auf „Ki" einlässt, sollte man im Kopf haben, was Townsend selbst dazu sagt. Für den Kanadier ist das neue Album eine besondere Herausforderung, weil es an vielen Stellen nicht ausbricht, sondern immer kontrolliert bleibt und damit das genaue Gegenteil früherer Alben ist. Zusammen mit Townsend sind auf „Ki" der 62-jährige Schlagzeuger Duris Maxwell (hat schon mit HEART und JEFFERSON AIRPLANE gespielt), Bassist Jean Savoie und der bereits bekannte Keyboarder Dave Young zu hören.
„A Monday" leitet sehr relaxt den ersten Song „Coast" ein, der völlig Devin-untypisch klingt. Ambient-Sounds, ruhige Gitarren, ein unaufdringliches Rhythmus-Fundament aus Bass und Drums und Townsends zurückhaltender Gesang lassen einen etwas ratlos zurück. In „Disruptr" und „Gato" gibt es (kontrollierte!) Ausbrüche, unterdrückte Growls und zum ersten Mal heftigere Gitarren, verglichen mit alten Townsend-Kompositionen sind die Songs aber die Ruhe selbst. Nach dem wunderschönen, relaxten „Terminal" gibt es mit „Heaven Send" eine lange, Jam-artige Nummer, die wieder gemäßigte Ausbrüche enthält, ansonsten aber die ruhige Schiene weiter fährt. Hier kommt auch zum wiederholten Male eine Gastsängerin zum Einsatz. Dass es der Kanadier immer noch ein wenig verrückt mag, zeigt später die Elvis-Verbeugung „Trainfire", während das nichtssagende „Ain't Never Gonna Win" oder das monotone „Winter" wirkliche Füller sind.

Townsend lässt sich viel Zeit, um zumindest ganz kleine Trademarks einzubauen, der Titeltrack wird daher zum klaren Höhepunkt der Scheibe. Generell wird die Atmosphäre in den letzten fünf Songs positiver und lebhafter, „Ki" zeigt dann aber, worauf sich Devin immer noch am besten versteht: Dieser ruhige, komplexe Einstieg, die Gitarren und der übereinander geschichtete Gesang ab der zweiten Hälfte des Songs können nur aus Kanada stammen. Auch, wenn der Ausbruch am Ende, auf den so konkret hingearbeitet wird, dass man vor Spannung fast platzen möchte, immer noch gemäßigt ist und ohne den typischen Gitarren-Wall auskommt, sind diese Melodien einfach traumhaft einzigartig. Das nachfolgende , wunderbare, BEATLES-artige „Quiet Riot" und das eher durchschnittliche „Demon League" beenden ein ganz ungewöhnliches Album.

Trotz aller Unterschiede zu vorherigen Townsend-Werken wird auch auf „Ki" wieder deutlich, was für ein hervorragender Sänger der einstmals verrückte Professor ist. Und auch der Wahnsinn, der das musikalische Genie immer umgibt, ist unter der bemüht kontrollierten Oberfläche zu spüren.
STRAPPING YOUNG LAD-Fans werden vorerst einen großen Bogen um das DEVIN TOWNSEND PROJECT machen, doch all diejenigen, die mit den ruhigsten Songs der vergangenen Alben glücklich waren, sollten in diese spannende, wenn auch leider nicht immer gut gelungene Reise eintauchen.

„Ki" ist das wohl schwächste und vor allem ungewöhnlichste Townsend-Album seit Jahren, es ist schwierig, es braucht Zeit. Aber es lohnt sich spätestens dann, wenn man den Titeltrack in seiner ganzen Schönheit erblickt oder die kontrollierten Ausbrüche zu schätzen gelernt hat.