Metallica - St. Anger

Metallica St. Anger

Stil (Spielzeit): Metal (sic!) (75:08)
Label/Vertrieb: Universal
Bewertung: Love it or leave it

http://www.metallica.com
Metallica 2003: Das neue Album beginnt nicht etwa dort, wo die Härte alter Tage die Band spätestens mit "Load" verlassen hat. "St. Anger" (Universal) ist der Highway, der sich abseits der Hardrock-Schotterpiste von "Load" und "Reload" unter den Kufen des Metalschlittens befindet, ungeachtet der Einbahnstraße "S&M" und des Umwegs über "Garage Inc.". Der Metal-Anteil im Benzin ist rapide gestiegen, doch im Getriebe knirscht ein wenig Sand, denn schon die Produktion gibt Anlass zu Unstimmigkeiten im Fahrverhalten. 

Soundbastler Bob Rock versuchte scheinbar alles, um "St. Anger" ganz entgegen früherer Tradition ("Black Album", "Load") in ein möglichst ungebügeltes Klangkostüm zu stecken. Das Schlagzeug erinnert an eine Batterie von Ölfässern, und im Gitarrensound regieren ungewöhnlich starke Mitten und Bässe. Trotz des Charmes, den diese Mischung versprüht, wirkt die Produktion unnatürlich. "Schmutzig, dreckig und gemein" mögen die Worte gewesen sein, die auf Rocks Pinnwand gestanden haben, als er hier Händchen anlegte. Das wirkt eher unglaubwürdig und gewollt, da man davon ausgehen kann, dass dieser Sound kein Versehen ist, sondern von vorne bis hinten konzipiert wurde. Ungewohnt ist auch das Handling der Instrumente - Ulrich knallt Breaks und längst verschollen geglaubte Doublebass-Attacken in den Raum, Gitarrist Hammett verzichtet auf jegliche Soli, der neue Bassist Trujillo "alias Bob Rock" (dieser spielte alle Basspuren auf dem Album ein, da die Nachfolge für Newsted zu jenem Zeitpunkt noch nicht geklärt war) zupft recht bescheiden im Hintergrund, und Hetfield brüllt und singt wütender als auf den letzten drei Alben zusammen. 

Tempo und Dynamik von Anfang an, Aggression, Frische und Material zum Headbangen bietet jeder der elf Songs, und dies ist als eindeutiger Qualitätsbeweis zu werten. Doch leider fällt auch hier ein Wermutstropfen: Die Tracks sind teilweise eindeutig zu lang. Nach etwa drei Minuten ist beispielsweise bei "Dirty Window" alles gesagt bzw. gespielt, die restlichen zwei Minuten füllen Wiederholungen. Kein Song endet unter fünf Minuten, sechs Titel gehen über sieben Minuten Spielzeit. - Metallica sind keine Progressiv-Band, bei denen epische Länge Abwechslung garantiert. Und hier wäre dann auch der deutlichste Kritikpunkt zu sehen: "St. Anger" ist nicht gerade ein Ausbund an Variantenreichtum, es klingt alles recht ähnlich.

Doch aller Objektivität zum Trotz gilt wieder einmal "love it or leave it":

Fakt 1: Die 80er, Zeiten von "Master Of Puppets" etc. sind nun mal unwiderruflich vorbei.
Fakt 2: Metallica haben keine neue Hardrockscheibe aufgenommen, sondern ein teilweise recht noisiges Metal-Brett eingespielt.
Fakt 3: Die Songs treten Anus. 

Nicht zuletzt macht die beigelegte DVD mit den Rehearsals aller Songs "St. Anger" zu einer absolut lohnenden Investition für alte und neue 'tallica-Freunde, ganz einfach value for money. ... What the f*** more to say?!

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