Geschrieben von Mittwoch, 10 Februar 2010 08:40

Eluveitie - Interview mit Sängerin Anna zu "Everything Remains (As It Never Was)"



Nach dem ruhigen, akustischen Album "Evocation I - The Arcane Dominion" kehren die Schweizer ELUVEITIE mit "Everything Remains (As It Never Was)" wieder zu ihren Metalwurzeln zurück. Sängerin und Drehleierspielerin Anna Murphy stand Rede und Antwort und beantwortete ausführlich Fragen zum neuen Material sowie Songwriting und freut sich ganz offensichtlich auf die anstehenden Livetermine.

Hallo Anna! Wie geht's euch und was macht ihr momentan? Erholt ihr euch von den Aufnahmen für euer neuestes Werk oder seid ihr bereits seit längerem mitten im Promotionstress?

Momentan treffen wir Vorbereitungen für unsere nächste Tour, das Paganfest, das heißt, wir proben viel, überlegen uns neue Ideen, welche wir live umsetzen etc. Promotionsstress ist natürlich auch da, wir kriegen ziemlich viele Interviews zur Zeit, was aber eher cool als extrem stressig für uns ist. (lacht)

"Everything Remains (As It Never Was)" ist nun schon das dritte ELUVEITIE-Album innerhalb von drei Jahren. Durchströmt euch eine solche Kreativität, dass ihr es scheinbar mühelos schafft, ein Album aufzunehmen, zu touren und kurze Zeit später wieder neue Songs zu schreiben?

Naja, natürlich geraten wir in sehr stressige Situationen, aber ich denke, das brauchen wir manchmal. An Kreativität fehlt es uns eigentlich nicht, aber wenn man das Studio gebucht hat, der Release-Termin festgelegt ist und man dann merkt, dass man doch nicht mehr so viel Zeit hat, ist das schon heftig. Aber vor allem Chrigel arbeitet sehr gut unter Druck, und schlussendlich kommt dann doch immer alles so wie es sollte! Und was das Touren angeht... wir lieben es, egal ob gestresst oder gemütlich.

Mit "Slania" habt ihr euer Labeldebüt bei Nuclear Blast gegeben. Seid ihr nach wie vor zufrieden mit der Zusammenarbeit mit der Plattenfirma?

Ja, das sind wir.

Was könnt ihr unseren Lesern über den Songwriting-Prozess zu "Everything Remains" erzählen? War es schwierig, die Songs in ihre endgültige Gestalt zu bringen, oder hattet ihr damit keinerlei Probleme?

Das war von Song zu Song unterschiedlich. Gewisse Songs haben wir schon fertig von Chrigel oder Ivo - der dieses Mal wesentlich mehr zum Songwriting beigetragen hat - erhalten, andere haben wir noch ausgearbeitet oder je nachdem etwas hinzugefügt. Vor allem Chrigel trägt manchmal monate- oder sogar jahrelang eine Idee mit sich herum, aus der nicht sofort ein Song entsteht... Aber dann gibt es Songs wie z.B. "Omnos", welche er an einem Abend schreibt.

Ist es nicht ungeheuer schwierig, die Songs so zu gestalten, dass alle acht Mitglieder auf ihre Kosten kommen? Fühlt sich manchmal jemand benachteiligt, weil er nicht so viele Parts wie ein anderes Bandmember auf einem Album hat?

Nein, das eigentlich nicht. Natürlich sitzen wir nicht in einem Kreis und schreiben zu Acht einen Song, das geht nicht. Chrigel ist vor allem der Songwriter, und wie schon erwähnt schreibt auch Ivo immer mehr Songs. Bei "Everything Remains..." stammen drei komplette Songs aus seiner Feder. Auf unserem akustischen Album kamen Meri, Päde und ich auch mehr zum Zug, was Songwriting betrifft. Und ansonsten steuern ich und Meri hie und da noch ein paar Tunes und Melodien bei, während Merlin praktisch alle Schlagzeugparts selber ausarbeitet. So funktioniert das ungefähr. (lacht)

"Evocation I" überraschte die Fans mit rein akustischen Songs – laut Infozettel ein Traum, den ELUVEITIE sich schon lange erfüllen wollten. Wird es das vorerst einzige Album dieser Art bleiben, oder habt ihr vor, auf jedes metallische Werk ein akustisches folgen zu lassen?

Wir haben vor, "Evocation II" zu veröffentlichen, auf jeden Fall! Aber wir bleiben primär eine Metal Band, das ist klar. Also ich will nicht sagen, dass wir dann nie wieder eine akustische Scheibe veröffentlichen werden, aber wir wissen es selber noch nicht.

Mit "Everything Remains" bleibt ihr eurem von "Slania" bekannten Konzept weitestgehend treu, das heißt, ELUVEITIE mischen nach wie vor melodischen Death Metal mit Folkmelodien und schieben auch mal eine ruhige, rein instrumentale Nummer wie "Isara" dazwischen. Wäre es euch zu eintönig, ein Album voll harter Songs ohne akustische Zwischenstücke zu schreiben?

Nein, das nicht, aber da wir mit so vielen Folkinstrumenten die Möglichkeit haben, ein schönes, akustisches Intermezzo zu gestalten, wieso nicht? Ich denke, es entwickelt sich auch irgendwie zu einer Art "Tradition". Aber wer weiß, vielleicht wird es beim nächsten Album wieder anders. (lacht)

Da mir das Album leider nicht in der endgültigen Fassung vorliegt: Habt ihr wieder kurze Infotexte zu den Songs ins Booklet aufgenommen? Steckt eine Art Konzept hinter dem neuen Album, oder handelt es sich bei den Songs um einzelne Geschichten, die ihr erzählen wolltet?

Nein, dieses Mal sind bloß die Texte abgedruckt. Es handelt sich um eine Sammlung von Geschichten aus dem antiken Gallien. Einzelne Geschichten und Schicksale oder Legenden, welche zum Teil sehr bruchstückhaft in die heutige Zeit überliefert wurden. Wir wollen diese Geschichten mit einem kritischen Blick, etwas fragend, eventuell sogar mit einem leicht sarkastischen Lächeln betrachten – mit der Idee, dass schlussendlich niemand wirklich weiß, wie es damals war. Deswegen der Albumtitel: "Everything Remains As It Never Was". Die Überlegung hinter dem Albumtitel bildet mit gewissen Songs sicher eine Art Konzept, aber es ist dennoch kein Konzeptalbum.

Wovon handeln denn einzelne Songs, bspw. "Thousandfold", "Kingdom Come Undone" oder "Quoth The Raven"? Gibt es ein Albumhighlight für dich, bzw. ist dir eine bestimmte Nummer ganz besonders wichtig?

Bei "Kingdom Come Undone" geht es um Vercingetorix, einen Krieger, der zur Zeit des gallischen Krieges lebte und von der Vorstellung eines freien Galliens getrieben wurde. Er versuchte, die gallischen Stämme zu vereinen und unter einem Banner gegen die römische Invasion vorzugehen. Natürlich scheiterte er schlussendlich...

"Quoth The Raven" ist hingegen ein eher "magischer" Text. Ich habe den Text zusammen mit Chrigel geschrieben. Es geht um den Tod, um das Sterben und was danach kommt. Der Text ist recht poetisch und aus der Sicht eines Raben geschrieben. In der keltischen Mythologie begegnet man immer wieder der Vorstellung eines Raben, der die Seelen der Toten abholt und sie zu einer "jenseitigen Insel" bringt. Die Idee hat sich eigentlich recht spontan entwickelt. Wir fanden irgendwann, dass es cool wäre, mal einen Text über diese etwas mystischen Vögel zu schreiben und fanden dann "Ivo's Song" - welcher als Arbeitstitel mal "Ivo7" hieß, hehe - sehr passend.

"Thousandfold" dreht sich um Orgetorix, einen helvetischen Fürsten, der in der Zeit des gallischen Krieges lebte. Das meiste, was man heute über ihn weiß, wurde von Cäsar überliefert, seinem größten Feind. Und wie das so ist, wenn der Kriegs-Sieger die Geschichte erzählt, sollte man auch in diesem Falle alles mit ein wenig Vorsicht genießen. Heute wissen wir, dass große Teile aus Cäsars „De Bello Gallico" eher als Polit-Propaganda denn sachliche Geschichtsschreibung zu bezeichnen sind. Wir haben uns für den Song „Thousandfold" sehr intensiv mit der Geschichte auseinandergesetzt und versucht, uns auszumalen, bzw. im Song zu schildern, wie die Geschichte um Orgetorix möglicherweise in Wirklichkeit hätte verlaufen sein können. Natürlich ist und bleibt dies rein hypothetisch.

Mein Favorit zur Zeit ist der Titelsong "Everything Remains (As It Never Was)", aber ich denke, das wird sich immer wieder ändern... "Quoth The Raven" bedeutet mir persönlich jedoch am meisten, weil ich sehr viel dazu beigetragen habe.

Wie seid ihr eigentlich an einen Mixer wie den bekannten Colin Richardson geraten, der "Everything Remains" zusammen mit Produzent Tom Vetterli und John Davis (Mastering) einen kraftvollen Sound verpasst hat?

Chrigel schrieb ihm (bzw. seiner Managerin) eine Mail und er antwortete. (lacht) Nee, im Ernst, Colin ist zu Recht so weit, dass er sich aussuchen kann, welche Bands er mischen will und welche nicht. Ihm gefiel unsere Musik sofort und ich denke, es reizte ihn sicher, auch mit dieser Instrumentenvielfalt zu arbeiten. Und wie du sagtest, er verpasste dem Album einen unglaublich kraftvollen Sound, und genau das in Verbindung mit der Transparenz ist das, was wir uns erhofft hatten.

In Kürze stehen einige Gigs mit FINNTROLL, DORNENREICH und weiteren Bands an. Freut ihr euch schon darauf, das neue Material live zu präsentieren?

Ja! Endlich wieder eine Tour, und dann noch neue Songs spielen! Das wird der absolute Hammer, ich freu mich riesig.

Habt ihr neben der Paganfest-Tour weitere Pläne für die nähere Zukunft geschmiedet?

Also wir wollen definitiv ausführlich mit dem neuen Album touren. Ich hoffe auch sehr, dass uns die Chance geboten wird, in Ländern zu spielen, in denen wir noch nie waren.

Noch ein paar letzte Worte an die BurnYourEars-Leser?

Danke fürs Lesen, bis bald an einem Konzert hoffentlich! Cheers!



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