Pink Floyd - Meddle (LP, Reissue) Tipp

Pink Floyd - Meddle (LP, Reissue)
    Psychedelic/Progressive Rock

    Label: Pink Floyd Records
    VÖ: 23.09.2016
    Bewertung:8/10

    PINK FLOYD im Web


Ohne Material aus vorherigen Sessions oder eine klare Vision gingen PINK FLOYD Anfang 1971 ins Studio, um an Ideen zum "Atom Heart Mother"-Nachfolger zu arbeiten. Um ihrer Kreativität einen Schubs zu geben, experimentierten die Bandmitglieder sogar mit Haushaltsgegenständen und spielten, ohne die anderen Instrumente zu hören, für sich nach einer bestimmten Gefühlslage.

Als sich das Quintett die separat aufgenommenen Spuren später gemeinsam anhörte, war klar: So wird das nichts. Irgendwann ebnete Richard Wrights berühmtes Echolot-Ping von "Echoes" den Weg für weitere Ideen, die sich zu den Songs auf "Meddle" herauskristallisieren sollten.

Der instrumentale Opener des 6. Studioalbums ist gleich eine der legendärsten und beeindruckendsten Nummern der PINK FLOYD-Historie. Beginnend mit einem treibenden Basslauf, gespielt von Waters und Gilmour, untermalt Gilmours Gitarre die brachial klingende Eröffnung, bevor Mason und Wright mit Drums, Effekten und Keyboards den Song komplettieren. Nach diesem treibenden Ritt folgt mit "A Pillow Of Dreams" eine akustische Ballade, die zum Träumen einlädt. Das schläftige "Fearless" kann trotz eingängiger Akustikgitarren nicht überzeugen, zumal die "You'll never Walk Alone"-Gesänge deplatziert wirken. Mit "San Tropez" drückt Roger Waters in jazziger Manier aus, wie ein perfekter Tag in dem gleichnamigen französischen Städtchen auszusehen hat, und in "Seamus" jault der titelgebende Hund von HUMPLE PIE-Frontmann Stehe Marriott zu bluesigen Akkorden.

Pink Floyd Meddle LP

Mit "Echoes" füllt erneut ein Longtrack eine komplette Albumseite aus. Das mit einer Spielzeit von knapp 23 1/2 Minuten zweitlängste zusammenhängende Stück ("Atom Heart Mother" ist noch ein paar Sekunden länger) ist eines der wichtigsten Meisterwerke der PINK FLOYD-Historie. Weil die Band das eröffnende Echolot-Pling, das Wright zu Beginn der "Meddle"-Session kreierte, indem er den Pianoton durch einen Leslie-Speaker jagte, später nicht im Studio reproduzieren konnte, musste sie auf das von Wright aufgenommene Demo zurückgreifen. Der harmonische, mehrstimmige Beginn wird recht zügig von Gilmours, an "Das Phantom der Oper" erinnernde Gitarrenklängen geprägt, bevor eine funkige Jam-Passage, in der sich Wright und Gilmour ein Gänsehaut-Duell liefern, Platz für ein Break macht. Darin tobt sich Wright mit unheimlichen Effekten aus, bis Bass und Gitarre einsetzen und Gilmour auf die melodische Erlösung zusteuert, die einer der großartigsten PINK FLOYD-Momente überhaupt darstellt. Wer dabei keine Gänsehaut erlebt, hat keine Gefühle!

Das Ende Oktober 1971 veröffentlichte "Meddle" wird von vielen Fans und Kritikern als homogener und zusammenhängender als der Vorgänger "Atom Heart Mother" angesehen. Zwar sind "Seamus" und "San Tropez" völlig verzichtbar und "Fearless" nur mit Abstrichen überzeugend, doch das weitaus bessere "A Pillow Of Dreams", der instrumentale Klassiker "One Of These Days" und natürlich der übermenschliche Longtrack "Echoes" machen aus "Meddle" eine Platte, die man als Liebhaber progressiver Musik besitzen muss.

Auch hier noch ein paar ergänzende Worte zur Neuauflage auf LP: Vinyl-Liebhaber kommen kaum um den Release herum, auch wenn das Cover (eine Nahaufnahme eines Ohres unter Wasser, das Hipgnosis-Designer Storm Thorgerson stets verabscheute) in groß nicht hübscher wird. Die Innenseite des Gatefolds zeigt das Bandfoto der Originalausgabe, Texte fehlen genauso wie ein Downloadcode oder gar das Album in CD-Form. Gepresst wurden die Songs auf 180 Gramm schweres, schwarzes Vinyl. Der Sound entspricht dem der letzten PINK FLOYD-Abmischung der "why pink floyd"-Kampagne.

Seite A
01. One Of These Days
02. A Pillow of Winds
03. Fearless
04. San Tropez
05. Seamus

Seite B
01. Echoes

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