Geschrieben von Samstag, 31 Dezember 2022 12:00

BurnYourEars Jahresrückblick 2022

Das alte Jahr klingt musikalisch nach ... Das alte Jahr klingt musikalisch nach ... Foto: Thiago Barletta

Photo by Thiago Barletta on Unsplash

Wer hat an der Uhr ... gut, lassen wir das. Aber kommt es Euch nicht auch so vor, als ob 2022 an uns vorbeigerast ist wie kaum ein anderes Jahr? Und wieder konnte man von einer Krisenstimmung in die nächste taumeln – die Ausnahme wird gefühlt immer mehr zum Normalzustand. Eine verrückte Welt, in der zu den wenigen Konstanten die aktuelle BurnYourEars-Crew gehört (hehe) und zu den guten Nachrichten, dass wir alle wieder live auf Konzerten unterwegs sein konnten. Was uns darüber hinaus musikalisch erfreut hat, steht in unserem Jahresrückblick – viel Spaß beim Lesen!

Helge 

Helge

Nach der pandemiebedingten Dürre gab es für mich 2022 endlich wieder Konzerte. Auftakt war direkt ein beeindruckendes Package: JO QUAIL, GGGOLDDD und AMEN RA. Ich war wegen GGGOLDDD da, aber auch von JO QUAIL war ich schnell bezaubert. Als eine einzelne Frau mit E-Cello auf die Bühne trat, stellte ich mich auf 30 Minuten Langeweile ein, aber dann ... JO QUAIL entlockt ihrem Instrument mit Hilfe diverser Effektgeräte eine Finsternis, die ich einem Cello niemals zugetraut hätte. Zusammen mit der emotionalen Dichte, die dann noch GGGOLDDD und AMEN RA auf die Bühne brachten, war das ein intensiver Auftakt.

Endlich wieder (halbwegs) unbeschwert Livemusik genießen, in einer Menge Gleichgesinnter stehen, sich von der Stimmung davontragen lassen – schön, dass das wieder geht. Aber, bitte nicht vergessen: Die Corona-Pandemie ist nicht vorbei und hat durchaus sichtbare Spuren in der Konzert- und Clubkultur hinterlassen.

MANTAR haben es auf den Punkt gebracht, als sie dieses Jahr in einem Statement klipp und klar gesagt haben, dass Shows abgesagt werden müssen, wenn nicht genug Tickets im Vorverkauf über den Tresen gehen. Andererseits: Tickets vorab zu kaufen macht für die Fans wenig Spaß, wenn es keine Garantie gibt, dass die Show auch stattfindet. Ein Henne-Ei-Phänomen, das sich künftig erst wieder zurechtruckeln muss. Immerhin: Beim Tourfinale in Berlin haben MANTAR eine Wahnsinns-Show vor vollem Haus gespielt und hatten auch noch VALBORG als Support dabei – besser geht’s nicht!

Und dann war da noch ein Konzert in der Hamburger Edel-Optics-Arena, Mainacts: BEHEMOTH und ARCH ENEMY. Ich war spontan und aus rein gesellschaftlichen Gründen da (BYE-Chef Chris wäre sonst fast allein geblieben). Die Location hat null Charme, die Hauptbands interessieren mich nicht, warum erwähne ich das also? Deshalb: Als Vorband haben CARCASS gespielt, und da hat es endlich bei mir Klick gemacht. Wie oft habe ich versucht, mir die Death-Metal-Urgesteine schönzuhören ... Jetzt weiß ich deren Klassiker “Heartwork” endlich zu schätzen, er gehört zu meinen Entdeckungen des Jahres. Besser spät als nie!

Außerdem haben mich 2022 folgende Platten beeindruckt:

GGGOLDDD - This Shame Should Not Be Mine
RHYTHM OF FEAR - Fatal Horizons
MANTAR - Pain Is Forever And This Is The End
DANGER MOUSE - Cheat Codes

Mich für ein Album des Jahres zu entscheiden, fällt mir diesmal nicht schwer. Das ist eindeutig “Unison Life” von BRUTUS – stellvertretend für ein Album voller Glanzpunkte hier das Video zu meinem Song des Jahres “What Have We Done”:

Chrischi

Chrischi

Musik wärmt die Seele. Sie unterstreicht Gefühle. Sie ist facettenreich und unerschöpflich. Hach, wie philosophisch. Kurz gesagt: Musik ist geil und lebenswichtig. Auch 2022. Und das lag für mich dieses Jahr (auch) an diesen famosen Alben und Songs:

Beste Alben:

RAMMSTEIN - Zeit
Zum Glück kein Abgesang – und wenn auch nicht auf konstant hohem Level wie "Mutter" oder "Reise Reise", deutlich besser als der selbstbetitelte Vorgänger.

AVANTASIA - A Paranormal Evening With The Moonflower Society
Tobi will's wissen – immer und immer wieder. Zurecht, wie auch die neueste Metal-Oper mit eingespielter Mannschaft zeigt.

BLIND GUARDIAN - The God Machine
Die Krefelder besinnen sich zurück zu alter Stärke, ohne auszuufern.

MACHINE GUN KELLY - mainstream sellout
Das beste BLINK-182-Album, das die Pop-Punker niemals aufgenommen haben. Perfekt unbeschwerter Sommer-Soundtrack!

PINK FLOYD - Animals (2018 Remix)
Wahnsinn, was Band und Produzent aus dem alten Material herausholen konnten. Die 40 Jahre alten Mammut-Songs erstrahlen in ungeahnter Transparenz und Dynamik.

KREATOR - Hate Über Alles
Mille und seine Mannen haben das perfekte Rezept gefunden und kochen schon lange ihr ganz eigenes Süppchen aus Thrash, Heavy und melodischem Metal.

NIGHT DEMON - Year Of The Demon
Resteverwertung auf höchstem Niveau mit einer tollen Mischung aus eigenen Songs und Coverversionen alter Helden.

Beste Songs:

BLIND GUARDIAN - Secrets Of The American Gods
RAMMSTEIN - Armee der Tristen
AVANTASIA - Misplaced Among The Angels
AVANTASIA - The Wicked Rule The Night
HONG FAUX - A Message From Dystopia
METALLICA - Lux Aeterna
THUNDERMOTHER - Hot Mess

Beste Gigs:

RAMMSTEIN in Düsseldorf – Am gefühlt heißesten Tag des Jahres eine spektakuläre Feuershow mit geiler Setlist zu erleben, ist definitiv eine interessante Erfahrung. Im Ernst: Eine bessere Show kann man für sein Geld nicht kriegen.

Filme / Serien des Jahres:

"Star Wars: Andor" – Eine erwachsene Star-Wars-Serie mit durchdachten Charakteren auf beiden Seiten der Macht.
"Dune" – Geniales Epos mit fantastischem Soundtrack von Hans Zimmer.

Entdeckung des Jahres:

HONG FAUX
MACHINE GUN KELLY

Vorfreude:

Das neue METALLICA-Album. Und was auch immer da noch so kommen mag.

Nana

Nana

Puh, 2022 war ein unfassbar ereignisreiches Jahr für mich und das unter anderem auch auf musikalischer Ebene. Wenn ich mich nicht verzählt habe, kann ich für dieses Jahr ganze 32 Konzerte verzeichnen, und auch was die veröffentlichten Alben dieses Jahr angeht, scheint nun die Post-Corona-Phase eingeläutet worden zu sein. Alles in allem geht es in der Musikbranche eher wieder bergauf – wenn auch holprig.

Nun, deshalb rasch zu meinen Lieblingsveröffentlichungen dieses Jahr:

BLIND GUARDIAN - The God Machine
LADYTRON - Light & Magic
BRUTUS - Unison Life
DYSE - Norbert hat Angst (EP)
TURMION KÄTILÖT - Kuolettavia Vammoja (EP)
KAMEE KAZEE (jetzt: SUPER MEMORY KID) - Antidote (EP)
ISOSCOPES - Ten Pieces
JONATHAN HULTEN - Forest Sessions
Сруб - Веры пиры

Generell hat sich mein Musikgeschmack dieses Jahr stark geweitet, auch wenn ich meiner Liebe zu Dark Wave / Synth Pop und Interpreten wie JOHN MAUS, SDH, GLARING, BOY HARSHER, CAMOUFLAGE, NEW ORDER oder THE SMITHS treu geblieben bin. Stoner Rock, Doom, Black und Death Metal stehen weiterhin ganz oben auf meiner Favoritenliste, doch habe ich dieses Jahr eine Begeisterung für einige Tracks der Genres Habibi Funk, Reggae, Techno und Drum N Bass entwickeln können.

Daher hier eine kurze Liste empfehlenswerter Tracks:

Zu zweit - SCHWEFELGELB
Frozen Desert - ISEO & DODOSOUND
The Spell Remains - SCOOTER
Samt und Stein - VELVET CONDOM
Sientelo - MEFJUS
Meftunum Sana - GAYE SU AKYOL
Bsslama Hbibti - FADOUL
L’ombre des Réverbères - DERNIÈRE VOLONTE
Gotta Get Through Til Monday - CASSIA
Rarmos ybrehtar - ABSOLUUTTINEN NOLLAPISTE

Aber auch aus den "gewohnten" Genres haben mich einige Tracks besonders begleitet dieses Jahr:

Opiate2 - TOOL
Stoned - HEYMOONSHAKER (Beatboxing statt Drums, sehr zu empfehlen)
Protection - ALCEST
Hour Of The Wolf - TRIBULATION
Let The Devil In - GREEN LUNG
Beat And The Pulse - AUSTRA
Black Widow - CHILDREN OF BODOM
Quantum Leap - JOHN MAUS
Little Sun - BLUES PILLS
Back On The Dancefloor - MARK KNOPFLER
Smalltown Boy - BRONSKI BEAT
The Great Commandment - CAMOUFLAGE
Bigmouth Strikes Again - THE SMITHS
Mother - DANZIG

Nach dieser ewigen Konzertpause ging es bei mir diesbezüglich ganz schön rund. Ich habe für mich dieses Jahr festgestellt, dass mir die ganz kleinen Clubkonzerte sehr viel besser gefallen als große Hallen, die ich in Zukunft eigentlich nur noch für Bands besuchen werde, die mir den ganzen Stress tatsächlich wert sind. Von den 32 Konzerten, die ich dieses Jahr sehen durfte (und die ich hier nicht alle aufzählen werde) haben mir folgende besonders gut gefallen:

NIGHTWISH (traditionell mein Lieblingskonzert), DYSE, SDH, BRIDGE CITY SINNERS, BLACK LUNG, ISOSCOPES, CHOCOLATE REMIX, WEEDCULT NO.1 (EARTHBONG, SLOWJOINT und CANNABINEROS), KEIN KIEL FESTIVAL (unter anderem mit BEN BLOODYGRAVE und NO MORE) und ich habe beim STONE FROM THE SKY Konzert meinen Kollegen Helge mit seiner Band EARTHEN GATE live in Aktion erleben können.

Was ich mir für das nächste Jahr wünsche? Dass wieder mehr Menschen erkennen, dass die kleinen Clubs es aktuell sehr schwer haben, ihre Existenz halten zu können, wenn alle durch Corona gemütlich geworden, lieber zu Hause auf der Couch vor Netflix und Co. gammeln. Konzerte sind toll, Clubs sind toll und geben unseren Städten Charakter und Kultur – nutzt das bitte, liebe Leute. Wenn man den Wert von Livemusik erst erkennt, wenn die Clubkultur ausgestorben ist, sollte man später auch nicht jammern. Seht das bitte als Aufruf, mal wieder Spaß zu haben nach dieser langen Zeit Konzertabstinenz!

Arne

Arne

Tja, irgendwie war 2022 ein merkwürdiges Jahr. Gesellschaftlich gesehen frage ich mich immer wieder, gibt es gefühlt wieder mehr Holzköpfe, die in der Welt rumlaufen und kann man nichts gegen die machen? Hier die Antwort von DRITTE WAHL:

Privat lief alles seinen Gang – mal kompliziert, mal zeitintensiv, aber die größte Zeit war alles super und schön. Was würde ich ohne meine Freunde, Familie meine Frau und vor allem ohne meine Tochter nur machen? Der Umbau des Hauses hat begonnen und obwohl man weiß, worauf man sich einlässt, ist dann doch alles stressiger und komplizierter, als vorher gedacht. Aber man weiß ja, wofür man sich das aufbürdet.

Meine Job-Neuorientierung ist auf nächstes Jahr verschoben, weil meine dazu wichtige Fortbildung leider auch erst nächstes Jahr abgeschlossen ist. Dafür war das Arbeitsjahr stressig, aber gut.

Das Wechselspiel zwischen Zeit für meine Tochter und Familie und persönlichen Vorlieben muss sich noch annähern, aber ich arbeite daran. Das führte dazu, dass ich es dieses Jahr leider nur auf drei Konzerte geschafft habe, DRITTE WAHL, SICK OF IT ALL und das WINTERMELODEI Festival in Münster. Für nächstes Jahr gelobe ich Besserung, es sind auch schon die ersten Tickets am Start, BLIND GUARDIAN und für das ZAPPENDUSTER Festival in Münster.

2022 kamen einige großartige Alben raus, von denen hier meine Top 3 kommen:

IBARAKI - Rashomon
BRUTUS - Unison Life
AMORPHIS - Halo

Das Video des Jahres haben EREMIT abgeliefert mit einer Live“Kurz“Performance in einer Kirche:

Weitere starke Alben:

KANONENFIEBER - Der Füsilier EP
BLIND GUARDIAN - The God Machine
LIONHEART - WTTW III
BLACKBREID - st
CULT OF LUNA - The Long Road North
DESERTED FEAR - Doomsday
SPIRITWORLD - Deathwestern
MACHINE HEAD - Of Kingdom And Crown (wobei ich da ehrlicherweise immer noch etwas schwanke zwischen genial oder "doch nur so lala")
BIPOLAR ARCHITECTURE - Depressionland
††† (CROSSES) - Permanent Radiant
WIEGEDOOD - There’s Always Blood At The End ...

Entdeckungen des Jahres:

BIPOLAR ARCHITECRURE, EARTHBONG, SPIRITWORLD, SAOR, CRIPPLED BLACK PHOENIX, STRAY FROM THE PATH - Euthanasi

Die größte Enttäuschung haben leider die Kasseler Hardcore-Urgesteine RYKER’S mit „Ours Was A Noble Cause“ hingelegt. Da wollen die Herren auf Biegen und Brechen wie damals klingen und leider ist da nichts Neues bei rumgekommen. Schade, und das, obwohl Kid D zurück ist

Daneben hat mich BEHEMOTHs Opvs „Contra Natvram“ enttäuscht. Die neuen Songs klingen zu sehr nach Sessionresten ihres großartigen letzten Werkes „I Loved You At Your Darkest“. Und über MANOWARs „Highlights From The Revenge Of Odysseus (EP)“ muss ich wohl nichts weiter sagen

2023 hat schon jetzt einige heiße Eisen im Feuer:

OBITUARY - Die ersten beiden Singles machen richtig heiß auf „Dying Of Everything“
METALLICA - "72 Seasons" erste Single „Lux Æterna“ macht richtig Bock

EREMIT kündigen was Kryptisches auf ihren Social-Media-Kanälen an. THE OCEAN kündigen auch etwas Kryptisches für bereits Januar an. TAUSEND LÖWEN UNTER FEINDEN sind immerhin schon im Studio, und tut sich doch endlich was Neues bei KING LY CHEE? AHAB haben auch zwei starke Vorabsingles veröffentlicht, durch die ich Bock auf „The Coral Tombs“ bekommen habe. EIS haben ihr Studio umgebaut, kommt dann doch neues Material? Und was ist mit TOTENMOND? Ich bin bereit für 2023, nach den letzten Coronazeiten kann es nur besser werden, sowohl privat als auch Konzerttechnisch. Es wird Einiges zu tun geben.

Zur Überbrückung bis zur nächstes Jahr erscheinenden neuen OBITUARY und zur Motivation für alles andere, hier ihre Live-Aufnahme zu der 2021 aufgenommenen „The End Complete“-Performance. Kann ich mich auch nicht dran sattsehen:

Marcel

Marcel

2022 war ein gutes Jahr für Musik. Erstmals seit Pandemiebeginn konnte ich wieder Konzerte besuchen, sowohl lokale Hardcore-Gigs, als auch professionelle Konzerte internationaler Bands. Darüber hinaus erschienen einige von mir lange erwartete Alben und konnten meinen Erwartungen fast ausnahmslos gerecht werden. „Fast“, weil mich das zweite Studioalbum der Mathcore-Upstarter VEIN.FM ehrlich gesagt etwas enttäuschte. Ansonsten war ich aber sehr zufrieden mit der Auswahl an neuer Musik.

Meine Top 10 der Veröffentlichungen 2022

10. RUINED - Everything Is
9. STAND STILL - In A Moment’s Notice (EP)
8. ASKYSOBLACK - Autumn In The Water (EP)
7. SHOW ME THE BODY - Trouble The Water
6. REGULATE - Regulate
5. SPEED - Gang Called Speed (EP)
4. HIPPIE TRIM - What Consumes Me
3. WORLD OF PLEASURE - World Of Pleasure And Friends (EP)
2. SOUL BLIND - Feel It All Around
1. FLESHWATER - We’re Not Here To Be Loved

Doch auch nächstes Jahr gibt es wieder neue Musik zu hören und Shows zu besuchen. Anfang nächsten Jahres bringen NARROW HEAD ein neues Album heraus, auf das sich Fans von Grunge und Shoegaze freuen können. MODERN COLOR werden 2023 den Nachfolger zu „From The Leaves Of Your Garden“, einem meiner Lieblingsalben aus dem Jahre 2020, veröffentlichen. Obendrein plant die Sängerin der Band FLESHWATER im kommenden Jahr das erste Album ihres Solo-Dream-Pop-Projektes MIRSY an die Menschen zu bringen.

Zu guter Letzt wäre da noch das neue ENTER SHIKARI Album, das dem bisherigen Anschein nach wieder etwas härter daherkommen und ebenfalls im nächsten Jahr erscheinen soll. Es gibt also genug musikalischen Nachschub. 2023 wird ein turbulentes Jahr, aber insgesamt freue ich mich auf die Zukunft. Neben neuen Albumveröffentlichungen lächelt bereits das erste Konzert im April: COUNTERPARTS und KUBLAI KHAN TX – und es gibt allen Grund zur Vorfreude.

Luise

Luise

„Dieses Jahr ist ja auch schon wieder so viel passiert, oder war das letztes Jahr?“ sinnierte meine 84-jährige Großmutter am zweiten Weihnachtsfeiertag und trifft damit meines Empfindens nach den Nagel auf den Kopf. Kein anderes Jahr hatte ich persönlich so stark das Gefühl, dass die Zeit in nahezu jedem Aspekt des Lebens förmlich an mir vorbei gerast ist.

Ob das an den zwei vergangenen pandemiedominierten Jahren lag oder nicht, vermag ich nicht zu beurteilen. Fakt ist jedoch, 2022 fühlte sich ohne Lockdowns und mit stattfindenden Klein- und Großveranstaltungen schon fast wieder normal an, gemessen an Prä-Pandemie-Standards. So war es mir dieses Jahr vergönnt, insgesamt acht Konzerte – eins davon in meinem geliebten Skandinavien – und ein Festival zu besuchen. Dies ist zwar kein Vergleich zu Jahren wie 2019 oder 2018, in denen die erste Zahl weit im zweistelligen und die zweite im hohen einstelligen Bereich lag, aber wie auch beim Sport: Man soll ja wieder klein anfangen.

Apropos Festival, es war wieder WACKEN, eines meiner Highlights des Jahres! Endlich wieder zusammen mit Freunden den Acker unsicher machen, Konzerte gucken und der guten Stimmung frönen. Es tat mal wieder gut und mit dem bisherigen Line-Up freue ich mich jetzt schon unheimlich auf den August.

TOP 10 Konzerte (ohne Reihenfolge):

AVATAR - Trädgårn, Göteborg (SE)
MR. HURLEY UND DIE PULVERAFFEN - Mau Club, Rostock (DE)
GHOST - Stadthalle, Wien (AT)
FINNTROLL - (szene), Wien (AT)
ELUVEITIE & AMORPHIS - Gasometer, Wien (AT)
SLIPKNOT - Wacken 2022
LORDI - Wacken 2022
WIND ROSE - Wacken 2022
KNASTERBART - Wacken 2022
THE HALO EFFECT - Wacken 2022

Honorable Mention: BABYBEARD - Yunicon 2022 (AT)

Musikalisch war das Jahr durch das oben erwähnte „Hilfe-wo-ist-auf-eimal-die-Zeit-hingekommen?“-Phänomen kaum Zeit, Neues zu entdecken und leider teilweise auch Altbekanntes aktiv mitzuerleben. Daher fällt auch die Liste meiner dieses Jahr reviewten Alben peinlich kurz aus. Was sich hoffentlich im neuen Jahr ändern wird.

Highlights gab es natürlich trotzdem und meine Top-10-Alben (s.u.) gestalten einen bunten Mix aus (Melodic-) Death-, Black-, Folk- und Alternative-Metal. Generell würde ich meinen persönlichen Musikgeschmack dieses Jahr als ziemlich bunten Genremix bezeichnen. Sollte man dem Jahresrückblick eines bekannten Streamingdienstes Glauben schenken, ist meine „Listening Personality“ abenteuerlustig und geprägt von Vielfalt. Ich denke, da hatte der Algorithmus recht.

Top-10-Alben (ohne Reihenfolge):

THE HALO EFFECT - Days of the Lost
GHOST - Impera
AMORPHIS - Halo
TYR - A Night at the Nordic House
TROLLFEST - Flamingo Overlord
SATYRICON - Satyricon & Munch
HEILUNG - Drif
BRYMIR - Voices in the Sky
EVERGREY - A Heartless Portrait
BLOODYWOOD - Rakshak

2023 steht schon zum Anfang mit Alben zweier meiner Lieblingsbands in den Startlöchern: COPPELIUS und AVATAR. Für die dazugehörigen Touren sind die Tickets natürlich auch schon gesichert. Vorfreude bereiten ebenfalls die Veröffentlichungen von INSOMNIUM, TURMION KÄTILÖT und TWILIGHT FORCE. Konzertmäßig freue ich mich neben dem W:O:A und oben genannten Touren besonders darauf, ALESTORM mal wieder live zu erleben und die letzte Tour von KNASTERBART zu zelebrieren.

Wie jedes Jahr wünsche ich euch allen ein schönes Silvester und ein gesundes neues Jahr. Wir lesen uns 2023!

Theo

Theo

Das Musikjahr 2022 fühlte sich erstaunlich unaufgeregt an. Platten wurden veröffentlicht, Konzerte gespielt und nebenbei auch noch eine nie dagewesene Anzahl an Singleauskopplungen auf den Markt geworfen. Wer wollte, konnte sich in diesem Überangebot von Harmonie, Klang und endlich auch wieder Live-Musik verlieren. Denn mit dem Ende der letzten Coronamaßnahmen begann das Nachholen all der seit 2020 verschobenen und abgesagten Tourneen. Von der schieren Flut an Albumveröffentlichungen gar nicht zu sprechen.

Und doch scheint die Freude über den oberflächlichen Aufschwung der Musikindustrie bei mir nicht so ganz anzukommen. Ja, Konzerte finden wieder statt, doch die Kluft zwischen groß und klein erscheint weiter als je zuvor. Die Inflation trägt Sorge für eine neue Priorisierung von Kulturgütern, denen insbesondere die Shows in den kleinen Konzerthäusern und physische Tonträger zum Opfer fallen. Neu ist das alles nicht, durch den Ukraine-Krieg haben sich diese Entwicklungen aber noch einmal beschleunigt.

Es ist dieser Krieg, der soviel im letzten Jahr in Frage stellte und immer noch stellt. Warum wurde das Aggressionspotenzial Russlands so fatal unterschätzt? Warum waren Georgien, Syrien und die Krim nicht Mahnung genug? Wie gehen wir als Gesellschaft mit dieser Konfliktlinie sowohl außen- als auch innenpolitisch um? Während in Europa täglich wieder Menschen für Großmachtfantasien sterben müssen, erscheint einem das Schreiben über Musik und Künstler:innen weltfremd und unwichtig.

So trat auch bei mir das Hören neuer Alben im letzten Jahr häufiger hinter das Hören aktueller Podcasts zu den verschiedenen globalen Konflikten und Brandherden zurück. Nichtsdestotrotz sollen zum Abschluss dennoch einige neue (und auch ältere) Perlen Erwähnung finden, die mir das Musikjahr 2022 nachhaltig versüßt haben:

GHOST - Impera
TAYLOR SWIFT - Folklore & Evermore
THE BROS. LANDRETH - Come Morning
AMORPHIS - Halo
ARCH ENEMY - Deceivers
PURE REASON REVOLUTION - Above Cirrus
MARILLION - An Hour Before It‘s Dark
WOVENHAND - Silver Sash

Chris

Chris

Boah, dieses 2022 ... also für mich war nach der Hälfte eigentlich der Drops schon gelutscht – bitte skippen zum nächsten Jahr, danke. Und als würden die globalen Krisen und politischen Ärgernisse nicht schon genug Energie fressen, kamen für mich auch noch einige persönliche Erlebnisse hinzu, auf die ich gerne verzichtet hätte. Natürlich hat mir Musik geholfen. Es gibt wohl kaum ein negatives Gefühl, das sich nicht besser mit Death-Geballer oder progressiv-doomiger Melancholie ertragen lässt.

In puncto neue Alben und Konzerte war ich das erste halbe Jahr ziemlich verschlafen, um gegen Ende nochmal richtig aufzudrehen. Großartigstes Live-Erlebnis war die Faces Of Death Tour mit u.a. RIVERS OF NIHIL und ALLEGAEON, die ich anschließend rauf und runter gehört habe. Wall Of Death und Circlepits sind im kleinen Hamburger Logo ein nicht alltäglicher Anblick. Auch UNTO OTHERS würde ich gerne nochmal in einem kleinen Club sehen, genau wie CARCASS – deren Performance war zwar grundsolide, passte aber nicht so recht in die kühle Arenen-Atomsphäre vor Ort.

Black Metal spielte mit Ausnahme von BEHEMOTH und der einen oder anderen schwarzmetallenen Scheibe zwischendurch (GAEREA, DARKTHRONE – bestes Albumcover des Jahres!) keine besondere Rolle, ganz im Gegensatz zu Death Metal, der in diesem Jahr mein ständiger Begleiter war. Es gibt so viele unfassbar talentierte Bands da draußen, die 2022 ein wahres Extreme-Metal-Inferno entfacht haben – gefühlt jede Woche wurde ein neues Knaller-Album aus dem Tech-Death-Bereich veröffentlicht:

HATH, COSMIC PUTREFACTION, REVOCATION, ENTERPRISE EARTH, LORNA SHORE, INGESTED – alles Bands, deren aktuelle Scheibe ich sehr empfehle. Ein paar Türen weiter, deutlich gemäßigter, haben mich OCEANS OF SLUMBER, HAKEN und DVNE glücklich gemacht. Daneben ging's drunter und drüber mit IN FLAMES, THE HALO EFFECT, UGLY KID JOE, FJØRT, HE IS LEGEND, WHITE WARD, CONJURER, dem Backkatalog von RIVERS OF NIHIL, DEATH und ALLEGAEON ... aber um es denn mal einzudampfen:

Hier meine 10 Top-Alben des Jahres 2022:

ALLEGAEON - Damnum
BLOODBATH - Survival Of The Sickest
MEGADETH - The Sick, The Dying... And The Dead!
MALEVOLENCE - Malicious Intent
WAKE - Thought Form Descent
ALEXISONFIRE - Otherness
RED HOT CHILI PEPPERS - Unlimited Love
PIST.ON - Cold World EP
ONCE HUMAN - Scar Weaver
MACHINE HEAD - Of Kingdom And Crown

Video: Allegaeon mit "Of Beasts and Worms"

Und 2023? Lugt mit geplanten Konzerten von KATATONIA und METALLICA sowie Henry Rollins auf Spoken-Word-Tour schon vielversprechend um die Ecke. Es kann nur besser werden.

Zum Abschluss noch ein TV-Tipp: Die Fan-Doku "Heavy Metal Saved My Life" ist kostenlos in der ARD-Mediathek abrufbar und interessant wegen der O-Töne, vor allem der zweite Teil mit den LGBTQ-Fans und Gaahl, FAITH NO MORE und JUDAS PRIEST.

Und jetzt bleibt alle gesund und habt ein erfolgreiches, glückliches neues Jahr!