Primal Fear - Unbreakable Tipp

primal fear unbrekable

Stil/Spielzeit: Heavy/Power Metal (57:39)
Label/Vertrieb (VÖ): Frontiers Records/Soulfood (20.01.2012)
Bewertung: 8/10

primalfear.de

Auf manche Bands ist einfach Verlass, komme was wolle. Seit ihrem gleichnamigen Debüt veröffentlichen PRIMAL FEAR regelmäßig starke Alben, unter denen es vielleicht leichte Qualitätsunterschiede und auch mal eine nicht ganz rundum gelungene Scheibe gab. Eine nur durchschnittliche oder gar schlechte CD haben die Deutschen in ihrer Karriere bislang aber noch nie eingespielt. Auch "Unbreakable", das dem Vorgänger "16.6 (Before The Devil Knows You're Dead)" locker das Wasser reichen kann, führt die Reihe an hochklassigen Power Metal-Alben fort.

Nach einem Filmsoundtrack-artigen Intro bedient der zackige Opener "Strike" die Erwartungen der Hörerschaft: Ralf Scheepers ist in Topform, fette Riffs, ein quietschendes Gitarrensolo, feine doppelläufige Leads und ein Refrain zum Mitgrölen sorgen für einen hörenswerten Einstieg nach Maß, dem mit dem straighten "Give 'Em Hell" und dem stampfenden "Bad Guys Wear Black" zwei weitere typische Nackenbrecher folgen, die die Fahne des traditionellen Stahls hoch halten. Der erste Höhepunkt nach diesem hochklassigen Standardrepertoire an PRIMAL FEAR-Songs folgt mit dem pfeilschnellen, mit göttlichen Melodien versehenen "And There Was Silence", das wie "Riding The Eagle" vom Vorgänger an eine Mischung aus stahlharten PRIMAL FEAR und HELLOWEEN zu "Keeper"-Zeiten erinnert. Der Chorus ist zum Niederknien! Mit "Metal Nation" folgt eine feine, abwechslungsreiche Midtempo-Hymne mit melodischem Instrumentalteil, die gleich in den nächsten Knaller überleitet: Mit eingängigen Leads startet der epische Achtminüter "Where Angels Die", mit seiner leicht melancholischen Grundstimmung, dezenter Orchestrierung, einem ausladenden Instrumentalteil und tollen Melodien ein weiteres Highlight auf "Unbreakable".

Der Titeltrack Part 2 (Part 1 ist das Intro) macht dann wieder als stampfender PRIMAL FEAR-Brecher Spaß, während "Marching Again" geschickt mit dem Tempo variiert und sich nach dem thrashigen Beginn und abgehackten Strophen in einem hochmelodischen Chorus entlädt, in dem die Doublebass durchgedrückt wird. Scheepers zeigt sich hier von seiner besten Seite, wie er überhaupt alle Songs unnachahmlich und variabel interpretiert und seinen früheren Ruf, ein reiner Rob Halford-Klon zu sein, mit aller Kraft widerlegt. Selbst in seinen besten Zeiten hätte der JUDAS PRIEST-Shouter keine Chance gegen den deutschen Muskelprotz gehabt, aber das dürften einige Fans der britischen Legende anders sehen. Sei's drum, auch in der dramatischen Halbballade "Born Again" überzeugt nicht nur Scheepers mit emotionalem Gesang, auch der Rest der PRIMAL FEAR-Mannschaft – allen voran das Gitarrenduo Alex Beyrodt und Magnus Karlsson – zeigt seine Qualität. Karlsson in die Band aufgenommen zu haben, war die beste Entscheidung, die Mat Sinner und seine Mitstreiter treffen konnten.

Insgesamt betrachtet kommt mir "Unbreakable" ein wenig runder und leichter zugänglich vor als "16.6", einen signifikanten Qualitätsunterschied kann ich aber nicht erkennen. Mit "Blaze Of Glory" hat sich zudem ein Filler eingeschlichen, doch auch auf dem Vorgänger war nicht jeder Song ein absoluter Volltreffer. Neben guten, eher typischen Nackenbrechern wie "Conviction", "Give 'Em Hell" oder "Unbreakable (Part 2)" finden sich mit "Where Angels Die", "Marching Again", "Born Again" und meinem Fave "And There Was Silence" auch einige an der Höchstpunktzahl kratzende Höhepunkte, die "Unbreakable" zu einer Pflichtnummer für Freunde des traditionellen Stahls machen.