Geschrieben von Sonntag, 16 April 2017 17:16

Striker, Thunderstone und Sonata Arctica - Matrix, Bochum

Bochum, 04.04.2017 – Der Termin in der Matrix in Bochum ist in gewisser Weise eine Ausnahmesituation und relativ kurzfristig als Ersatz für die ausgefallenen Konzerte im X in Herford und der Essigfabrik in Köln angesetzt – der Veranstalter der beiden Veranstaltungen hatte Insolvenz angemeldet. Deshalb ist es extrem schwer abzuschätzen, was der Abend an Besuchern und Stimmung bringen wird.

Auf der einen Seite hat man einen Pool aus zwei kompletten SONATA ARCTICA Konzerten und einen neuen zusätzlichen Einzugsbereich, aus dem man schöpfen kann. Auf der anderen Seite steht die Frage, wer von denen, die Tickets für Herford oder Köln gekauft haben, bereit ist, am Dienstagabend bis Bochum zu fahren und wer aus dem Bochumer Umland, dem Köln oder Herford zu weit gewesen wären, noch Karten besorgt hat.

Die kaum vorhandene Schlange zum Einlass und Gespräche mit Menschen, die einen Haufen Karten von Freunden bekommen haben, weil die es wegen der Verlegung nicht schaffen, lassen vermuten, dass die Matrix heute nicht besonders voll sein wird. Zumindest werden die alten Tickets am Einlass gegen frisch gedruckte, hübsche "Matrix Bochum präsentiert Sonata Arctica" Tickets getauscht.

Striker

STRIKER sind, trotz ihres mittlerweile fast zehnjährigen Bestehens, recht frisch auf meinem Radar. Da das nach einigen Gesprächen eine verbreite Situation zu sein scheint, sei hier nochmal explizit auf Peters Besprechung zum aktuellen Album und das Interview, das im Anschluss an die Show entstanden ist, hingewiesen.

Zurück zum Konzert: STRIKER machen Heavy Metal – bei der Diskussion, ob man es jetzt "klassisch" nennt oder "new wave", spaltet man meiner Meinung nach nur die traditionell üppig vorhandenen Haare. Die Musik hat ordentlich Schub, die Band eine gute Bühnenpräsenz, sichtlich Spaß an ihrer Musik und die Matrix füllt sich langsam. Noch nicht so, dass man von voll oder gar ausverkauft sprechen dürfte, aber doch auf ein angemessenes Metal-Party-Niveau.
STRIKER werden gut aufgenommen, passen sie doch vom Stil her recht gut zum Power Metal von SONATA ARCTICA, liefern aber doch auf der anderen Seite mit Überzeugung ihr eigenes Ding ab. Nachdem das Set dann (dem Vorbandstatus entsprechend) schnell vorbei ist, sind die "Zugabe!"-Rufe recht laut und die Schlange am Merchstand, an dem die Band den Rest des Abends zu finden sein wird, lang.

Thunderstone

Als zweite Vorband, von den Rahmenparametern etwas dichter an SONATA ARCTICA, ist die finnische Power Metal Truppe THUNDERSTONE dabei. Da ich den größten Teil des Sets erst geduldig in der STRIKER-Selfie-Schlange und dann Backstage im Interview mit STRIKER Sänger Dan Cleary verbringe, muss ich mich hier auf die Eindrücke anderer Konzertbesucher verlassen – die sich aber durchaus mit den Beobachtungen decken, die ich selbst machen darf: etwas generischer Power Metal, aber eine sympathische Band. Die drei großen Meinungsströmungen, die auszumachen sind: "Ok als Vorband, aber nicht so gut wie STRIKER", "Da muss ich mal etwas intensiver rein hören" und "Der Keyboarder war hübsch und hat oben ohne gespielt".

Sonata Arctica

SONATA ARCTICA sind mittlerweile an diesem Punkt – mit, je nachdem wie man zählt, 18 oder 21 Jahren Geschichte –, an dem der Name so ziemlich jedem Metalfan zumindest grob etwas sagt, fast jeder Powermetalfan mindestens ein oder zwei Titel kennt, aber die Zeiten, als die Band noch frische Aufsteiger und ein vermeintlicher Geheimtipp waren, lange vorbei sind. Die meisten, die SONATA ARCTICA gucken, haben das vor zehn Jahren auch schon getan, oder kennen zumindest jemanden, der so lange dabei ist. Das erzeugt bei Konzerten diese besondere, familiäre Atmosphäre, bei der jeder im Raum aus Überzeugung da ist und genau weiß, worauf er sich eingelassen hat.

Sänger Tony Kakko bedankt sich mehrmals für das zahlreiche Erscheinen – mittlerweile haben sich doch einige in dem engen Gemäuer der Matrix eingefunden – trotz der ungünstigen Umstände, für die er sich im selben Atemzug entschuldigt. Bei den bekannten Hymnen und Balladen wird fleißig mitgesungen, nachdem die ersten Akkorde fertig bejubelt sind, und am Ende sind sich wieder alle einig, dass man mehr Vodka braucht.

Alles in allem ein SONATA ARCTICA Konzert von gewohnt guter Qualität und trotz der organisatorischen Probleme im Umfeld mit recht reibungslosem Ablauf. SONATA ARCTICA kann man also auch immer noch Leuten ans Herz legen, die nicht schon aus Gewohnheit zu ihren Konzerten pilgern.