Geschrieben von Dienstag, 26 August 2014 18:01

X Rockfest 2014 - Der Festivalbericht

Bereits zum zweiten Mal kamen hochkarätige Metalbands im Rahmen des X Rockfestes in das kleine, beschauliche Herford in OWL. Auf Grund privater Umstände konnte ich mich dieses Jahr erst etwas später auf den Weg machen und habe WOVENWAR und ANYGIVENDAY verpasst. Diese sind als kurzfristiger Ersatz für OF MICE AND MEN eingesprungen, die ich eigentlich gerne gesehen hätte ... so aber gab ich dem Privaten Vorrang.

Nachdem ich endlich einen Parkplatz gefunden hatte, reihte ich mich in die ewig lange Schlange vor dem Festivalgelände ein, in der sich einige Besucher schon seit über eine Stunde befanden. Mir völlig unbegreiflich, dass es immer noch solche Probleme an der Einlasskontrolle gibt. Andere Besucher erzählten, dass erst um knapp 10:45 Uhr die Tore geöffnet wurden, anstatt der angekündigten 10:00 Uhr.

Die Verzögerung am Eingang und das lange Warten führetn dazu, dass ich WOVENWAR leider komplett verpasst hatte.

ANYWAYGIVEN sollen ihr Ding gut durchgezogen haben, waren aber nach allem, was ich über den Gig gehört habe, eher ein unterdurchschnittlicher Ersatz für OF MICE AND MEN.

Danach kam der musikalische „Exot“ dieses Tagesfestivals: NAPALM DEATH. Sie erfreuten gerade die Jungspunde im Publikum mit der ersten Wall of Death des Tages, die nicht die letzte sein sollte. Die Briten sind live einfach eine unglaubliche Macht. Das freute mehr das ältere Publikum als das jüngere. Ich hörte später einige Kids sagen, diese komische Krachband habe zu kurze und zu chaotische Songs. Bitte, was will man mehr? Das war großer Sport, allerdings meiner Meinung nach zu früh im Line Up. Egal, nach diesem Auftritt sollte ganz Herford wach gewesen sein.

Nach dieser Grindcore/Crust-Lehrstunde ging der Altersdurchschnitt vor der Bühne wieder deutlich runter. AUGUST BURNS RED enterten die Bühne und verbrannten ein wahres Breakdowngewitter. Die Karate- und Jugendfraktion im Publikum dankte es ihnen. Für die Jugend war der Auftritt der absolute Wahnsinn, für mich eher nett anzusehen.

Auf diese modernen Töne wurde es retro auf der Bühne in Form von GRAVEYARD. Trotz ihres 70er Jahre Sounds gelang es dem Quartett aus Schweden, ordentlich Leute vor die Bühne zu ziehen, ältere wie jüngere. Und der Menge an Shirts mit Bandmotiven nach zu urteilen, belegten GRAVEYARD nach MACHINE HEAD an diesem Tag sogar Platz zwei. Die Jungs lieferten eine gute Show ab und gaben dem Publikum eine kleine rockige Verschnaufpause, die es auch benötigte.

Denn nachfolgend zerlegten CALIBAN das Festival, wahrscheinlich sogar ganz Herford. Die sympathischen Jungs kamen, spielten und zerstörten. All inclusive: Stagediving, Wall of death, einfach mit allem, was das jüngere Metalherz begehrt.

Anschließend blieb es unerwartet voll vor der Bühne, viele ältere Besucher waren offenbar mit LIFE OF AGONY groß geworden. Die jüngeren Leute blieben eher wegen der Frage „Ist das nicht diese alte Hardcore Band, die einen Sänger hat, der mittlerweile eine Frau ist?“. Ja, aber scheiße, wen kümmert es? Die New Yorker Urgesteine sind nach über 25 Jahren und einer Reunion immer noch live der absolute Wahnsinn. Und das Publikum fraß ihnen aus der Hand und war unglaublich textsicher. Traurig war allerdings die Tatsache, dass LOA kein Merch mit dabei hatten.

Jetzt kam für mich mein persönlicher Überraschungsauftritt: AIRBOURNE, die modernen AC/DC. Ich konnte bisher nicht wirklich was mit der Band anfangen, aber live gehen die sowas von steil und lieferten eine super Performance ab. Da störte es einen auch nicht, dass Joel ein überlanges Solo spielte. War dieses zunächst noch dem Rollstuhlfahrer in der ersten Reihe gewidmet, ließ er sich danach von einem Kumpel der Band auf den Schultern durchs Publikum tragen, ohne dabei mit dem Spielen aufzuhören.

Mittlerweile hatte es in Herford angefangen zu regnen, als wüsste der Himmel schon vorher, was passieren sollte. Auf der Bühne standen zwei übergroße Drachenköpfe, Nebel und viele, viele Feuersäulen durchzucken den Herforder Himmel. Die Wikinger AMON AMARTH waren da und mit ihnen das Feuer, Odin und ein Wikingerschiff, gepackt mit Hits. Und diese zündeten.

MACHINE HEAD machten es ihren Vormännern gleich und fuhren Feuer auf, allerdings deutlich weniger, dafür aber mit mehr Hits und einem neuen Song vom kommenden Album, der vielversprechend klang. Mittlerweile hatte es sich eingeregnet und es war kalt geworden, aber dennoch trotzte das Herforder Publikum dem Wetter und wollte sich diese Hammer Live Performance mit neuem Bassisten nicht entgehen lassen. Ein zweifelsohne würdiger Headliner, der keine Fragen offen ließ. Allerdings hätte das Quartett gerne noch eine halbe Stunde länger spielen dürfen.

Als Fazit lässt sich sagen, dass die Veranstalter einiges verbessert haben, allerdings gibt es noch die eine oder andere Baustelle. Der Einlass sollte nächstes Jahr definitiv eher geöffnet werden. Weiterhin muss auch noch irgendwas am Sound gemacht werden, denn gerade weiter hinten klingt dieser matschig. Als positives Gimmick wären Stoffbändchen ein Highlight, weil meinem Kumpel sein Band leider im Regen gerissen ist. Wäre das nicht erst bei MACHINE HEAD passiert, hätten wir das Gelände nicht mehr verlassen können.

Der Ablauf auf der Bühne klappte dieses Jahr wieder ohne Probleme und Verzögerungen, die Auswahl der Bands war auch großer Sport: Hier war für Jung und Alt etwas dabei. Und so fand am Herforder X wieder eine tolle, friedliche und gut organisierte, generationenübergreifende Metalparty statt. Ich werde nächstes Jahr wieder mit dabei sein.

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