Geschrieben von Donnerstag, 21 September 2006 00:06

Summer Breeze Open Air 2006 - Der Nachbericht


Summer Breeze Open air
Dieses Jahr wurde das Summer Breeze Open Air seinem Namen gerecht. Sommerliche Temperaturen, die noch im angenehmen Bereich lagen, und abends eine sommerliche leichte Brise. Optimales Festivalwetter - fast, denn am letzten Tag öffnete Petrus am späten nachmittag dann doch noch die Schleusen. 


Das neue Festivalgelände in Dinkelsbühl - Sinbronn ist eine gelungene Location für ein Festival dieser Größe. Die nächsten Häuser waren ein gutes Stück weit entfernt und die Bühnen so aufgebaut, dass wirklich niemand gestört wurde. Schon auf dem Parkplatz war nichts mehr zu hören - Hügel sei Dank. Das wäre wahrscheinlich gar nicht nötig gewesen, erwiesen sich die Franken doch als recht aufgeschlossen, und auch einige Senioren aus der Umgebung wollten das Schauspiel näher inspizieren.

Zu Anfang des ersten Tages gab es etwas Verwirrung, anstelle der Band VOLBEAT eröffneten die Schwaben von SUBCONCIOUS das Festival. Grund: FEAR MY THOUGHTS und REGICDE mussten leider kurzfristig absagen, und VOLBEAT hatten irgendwo auf dem langen Weg nach Franken einen Achsenbruch. Die Australier TOURETTES SYNDROM, welche wohl definitv den weitesten Anreiseweg hatten, sprangen als zweite Band ein. Schließlich schafften es VOLBEAT doch noch auf die Bühne. Leider war aber schon die Zeit fortgeschritten und so konnten nur wenige Lieder performt werden.
Dies alles ging mehr oder weniger an mir vorbei, dauerte das Einchecken und Parken doch länger als erwartet. So war ich dann überrascht, nachdem ich durch die lange Schlange am Einlass zum Festivalgelände gelangt war, das trotz regem Publikum auf der Bühne Leere herrscht. 

Richtig ging es also erst mit UNDERTOW los. Drei Festivals diesen Sommer, zweimal UNDERTOW. Gewohnt gut spielten die Ellwanger ihre Mischung aus Metal, Hardcore und Doom. Mit viel Gefühl und Routine könnte vor allem Fronter und Gitarrist Joschi das Publikum begeistern. Dennoch wirkte die Painstage mit drei Mann etwas leer.

Sänger/Shouter/Growler Benjamin Hilleke von NEAERA konnte es gar nicht fassen, auf dem Summerbreeze, vor so viel Publikum, zu spielen. Er bedankte sich mehrmals bei den Organisatoren und dem Publikum. Entsprechend super motiviert bolzten die Münsteraner ihre Mischung aus Metalcore und Deathmetal in die Wogen aus Crowdsurfern. Der Sound fiel ungewöhnlich deathig aus und konnte damit auch alle Fans des Extrem-Metals zufriedenstellen. Die "Summerbreeze-Entjungferung" (Zitat: Benjamin Hilleke) war ein voller Erfolg.

ANGEL BLAKE wollten nicht so recht anfangen, was dazu führte, dass einige Personen aus dem Publikum schon unschöne Worte auf die Bühne hinaufschrien. Verstecken brauchte man sich aber nicht, konnte man mit dem ersten Auftritt dieser Formation auf musikalischer Seite überzeugen. Sind doch die Protagonisten alles andere als unbeschriebene Blätter, wie z.B. Sänger Tony Jelencovich (Ex-MNEMIC). Der Kontrabass war ein Blickfang in der Schnittmenge aus Rock und Metal. Dem Publikum war dies eher egal und zerstreute sich ein wenig.

NEARA hatten schon gut vorgelegt, aber THE HAUNTED sollte für noch mehr Trubel sorgen. Ohne Ansage ging es drei Songs non stop nach vorne. Die Fans waren schon in Extase. Fronter Peter Dolving hatte leichtes Spiel und konnte mit seinen humorvollen Ansagen weiter punkten. Knaller von allen bisherigen vier Alben gaben sich die Klinke in die Hand. Leider gab's noch kein neues Material abzufeiern.

Deutlich gemächlicher sollte es bei SALTATIO MORTIS mit deren Mittelaltermetal werden. Dennoch fand sich eine große Schar an treuen Fans, die gebannt den Dudelsackklängen lauschte. Definitiv nicht meine Baustelle. So konnte ich mich, im Gegensatz zum Rest des Publikums, nicht für die Mitmachspiele erwärmen. Für Fans der Truppe war dies aber ein gelungener Auftritt.

MOONSPELL feierten 2006 mit dem Album "Memorial" wieder ein Art "Comeback". Auch auf dem Breeze zeigten sich die Portugiesen wiedererstarkt. Eine dichte Atmosphäre aus Gothic und Blackmetal gab dem frühen Abend die richtige Stimmung. Sänger Fernando Ribeiro zeigte sich stilvoll in einer roten Robbe. Nebelschwaden und Lichteffekte unterstützen die Show weiter und das Publikum war gebannt von der Darbietung. Nach 2001 ein gelungener zweiter Auftritt auf dem Breeze.

Wirklich schwarzmetallisch wurde es mit 1349. Viele Blackies erwarteten schon die einzige wirkliche Blackmetalband, die dieses Jahr auf dem Festival spielte. 1349 erfüllte aber auch jedes Klischee einer oldschooligen Blackmetalband. Pandalook, Patronengurte und Nietenbänder. Dazu unmenschlich schnelle Drumparts. Diesmal von Tony Laureano (Ex-NILE und MALEVOLENT CREATION) der für Frost (u.a. SATYRICON) eingesprungen war und den Job super meisterte. Die Norweger fegten sich dann auch im schnellen Tempo durch 45 Minuten knüppeldorniges Dickicht. Dabei sprang besonders die schon erwähnte Schlagzeugarbeit ins Ohr.

Einen stimmungsmäßigen Höhepunkt erreichte der erste Tag beim Auftritt von FINNTROLL. Ist die Band doch ein Garant für eine ausgelassene Party. Der Neuzugang am Mikro, Mathias Lillmans, machte einen super Job. Der Humpa Humpa Metal ging live voll auf und auch ich bangte wild in der Menge, obwohl ich bisher die Band auf Platte nicht so klasse in Erinnerung hatte. Muss ich wohl nachsitzen. Auch die Matten, die auf der Bühne geschüttelt wurden, waren wohl die längsten aller Bands. Vor der Bühne kochte es und es gab reges Gedränge bis hinter die Mischerkabine. So voll wurde es nur noch selten in dem großzügigen Festivalareal.

Eine Zäsur stellte der Auftritt von ASP dar. Mit reichlich Pyro und Flammensäule wurde mit deutschen Texten eine Mischung aus Gothic/EBM und Riffs ala RAMMSTEIN dargeboten. Durch das elektronische Schlagzeugset und dem konstanten Beat war die Musik recht tanzbar. Die Gothicchicks waren entzückt. Sänger Alexander Spreng lieferte eine gute Show und fiel durch sein böses Clownsgesichtspainting auf. Bei den Textzeilen "Ich bin ein wahrer Satan", von der gleichnamigen Singleauskopplung des aktuellen Albums, kam mir aber die Galle hoch. Durch die einsetzende Dunkelheit kam die Pyroschow mit abschließendem Feuerwerk natürlich klasse rüber. Anfreunden mit ASP kann ich mich deswegen aber nicht.

Viele hatten heute KREATOR erwartet. Ein Headliner erster Güte. Im Vorfeld wurde eine besondere Bühnenshow angekündigt. Und ja, eine Lichterwand und zwei hohe Podeste mit Treppen gaben der Bühne mehr Profil. Weitere Effekte suchte man aber vergebens. Auch wurden die beiden Treppen kaum genutzt. Zog es "Mille" doch eher vor, etwas näher bei den Fans zu sein, wie man es von ihm gewohnt ist. Eine klasse Set hatten die Thrashhelden im Gepäck: "Enemy Of God", "Immpossible Bruatilty", "Suicide Terrorist", "Voices Of The Dead" vom aktuellen Album und dazu jede Menge Klassiker, wie z.B. "Extreme Aggression", "Violent Revolution", "Pleasure To Kill" und viele mehr. Damit wurde jeder Wunsch der zahlreichen Kreator-Fans bedient. Waren die Shirts der Band doch sehr zahlreich auf dem gesamten Summerbreeze vertreten. Mille feuerte immer wieder das Publikum an und wollte "einen verdammten Moshpit" sehen. Zu guter letzt wurden die Rufe nach "Flag Of Hate" erhört. Leider war zeitlich eine Zugabe nicht mehr drin. Prima Auftritt!

Mit KREATOR endete für mich auch der erste Tag... früh "morgens" um 11.00 ging es am zweiten Tag mit APOSTASY weiter. Die Gesichter sahen dementsprechend müde und erschöpft aus. Dennoch fruchteten die Bemühungen der Schweden, die ihren ersten Auftritt in Deutschland überhaupt absolvierten. Die Mischung aus melodischem Death- und Blackmetal kam gut an, und immer mehr Leute krochen aus den Zelten.

Auf die EXCREMENTORY GRINDFUCKERS hatte ich mich besonders gefreut, wurde es doch auch dem Metallic Noise Festival nicht wirklich was. Mit Grindcore-Schlagerverhunze folgte auf Geblaste immer wieder eine schräge Einlage. Vor der Bühne sammelte sich schon eine beträchtliche Zahl, und auch eingefleischte Fans mit Gesichtsmasken standen in der ersten Reihe. 14 Songs in 30 Minuten. Einfach klasse und kurzweilig.

Doch was kam jetzt? Hiphopintro... ein Frontmann im weißem Feinripshirt, Glatze und dicker Goldkette... Der optische Eindruck sollte täuschen. LENG TCH´E aus Belgien feuerten aus allen Rohren ihre Mischung aus Grindcore, Deathmetal und Hardcore ab. Sänger Marko agierte reichlich sick auf der Bühne (siehe Fotos). Prima Show - abwechslungsreiche Musik, die nicht im Grindcoreeinerlei versank.

Wer glaubte, dass es jetzt ruhiger werden sollte, der irrte. THE OCEAN überraschten schon beim Bühnenaufbau. Ein doppeltes "Drumset", das quer zum Publikum stand, wurde feilgeboten. Neben der "klassischen" Metalschlagzeugschule wurde hier noch mit allerlei Becken zusätzlich gecrasht oder die Flex an die Stahltonne gehoben. Dies sorgte natürlich für reichlich Funkenflug und eine nette optische Untermalung. Entsprechend vielschichtig war auch die Mischung aus Metalcore, Progressive und Hardcore. Durch den Weggang des zweiten Sängers bestand das Set vorwiegend aus den schwereren Geschützen. Definitiv was anderes und das richtig gut.

Während des Auftritts von TRAIL OF TEARS brauchte ich eine Pause und so nutzte ich die Zeit das große Merchandiseareal zu begutachten. Leider waren die Preise für T-Shirts, Patches etc. nicht interessant. Bei CD´s hingegen konnte so mancher ein Schnäppchen verzeichnen.

Die deutsche Band FRAGMENTS OF UNBECOMING ist erst relativ kurz aktiv. Nämlich seit 2002. Die Musiker dahinter blicken aber schon auf reichlich Banderfahrung zurück. So ist es auch kaum verwunderlich, dass man es schon auf drei Veröffentlichungen gebracht hat. Musikalisch wird dem Swedentod der 90er Jahre, namentlich AT THE GATES gehuldigt, sowie die Floridaschule integriert. Nicht innovativ, aber hörenswert. Sänger Sam Anetzberger keifte und growlte was das Zeug hielt und wirkte mit rasiertem Schädel und Zöpchen wie ein asiatischer Shaolinmönch.

In Mönchskutten und Bischofskappe enterten POTENTIA ANIMI die Main Stage. Auch die Instrumentierung machte klar, dass hier Schluss mit der extremen Metalkeule war. Ein Drumset, das ziemlich weit vorne aufgebaut, mit allerlei "mittelalterlich" anmutenden Pauken und Schlagwerk, sowie eine Geige wiesen den Weg für ein mittelalterliches Spektakulum. Die authentischen Ansagen von Bruder Liebe und seinen Glaubensbruder gaben Anlass für manchen Schmunzler im Publikum. Demgegenüber konnte ich der mittelaterlichen Musik nichts abgewinnen.

Richtig geil wurde es wieder bei SCAR SYMMETRY, melodischem Deathmetal der Göteburgschule. Knallharte Growls kombiniert mit glasklaren melodischen Gesangspassagen und dies aus ein und derselben Kehle - Respekt! Direkt ins Ohr gingen auch die Kracher vom aktuellem Album "Pitch Black Progress". Bestimmten sie doch den Großteil des Sets. Die vierzig Minuten Spielzeit gingen runter wie Öl.

Die Fahne für US-Power Metal hielt am diejährigem Summer Breeze die Band REBELLION hoch. Gegründet von den ehemaligen GRAVE DIGGER-Mitgliedern Uwe Lulis und Tomi -göttlich fröhnen Sie dem Powermetal mit deutschem Heavy Metal Einschlag. Sänger Michael Seifert poste genretypisch und souverän vor den Fans. Bassist Tomi Göttlich war gerührt und bedankte sich bei den Fans für über 20 Jahre Support. Prima Show mit schönen Hymnen. Einzig  Simone Wenzel an der Rhythmusgitarre wirkte etwas unsicher.

Die zweite Band neben ANGEL BLAKE, die aus der Asche von THE CROWN entstanden ist, war ONE MAN ARMY & THE UNDEAD QUARTET. Auch vom Sound her war man der Vorgängerband näher als am Vortag ANGEL BLAKE. Nicht zuletzt durch Auftritte bei Rock am Ring / Rock im Park konnte man mit Death´n´Roll die Leute begeistern. Robert Axelsson am Bass und Frontmann Johan Lindstrand feuerten sich gegenseitig mit ihren Gesängen immer wieder an, und auch sonst hatte das untote Quartett jede Menge Spaß. Genau wie das Publikum.

Bei der Autogrammstunde wirkte Frontröhre Masha noch ein wenig müde und erledigt. Doch als es für EXILIA losging, war davon nichts mehr zu spüren. Energiegeladen wirbelte die Italienerin mit ihren Rasters über die Bühne. Zweiter Hingucker war Bassist Random mit seinen vielen bunten Tattoos. Nu-Metal mit Crossover stand auf dem Programm. Und man muss schon sehr abgeschottet sein, um noch nie etwas von dieser Formation gehört zu haben. "Kill Me" vom neuem Album "Nobody Excluded" war dann auch ein würdiger Opener für die kommenden 50 Minuten. 

Battle Metal!!! TURISAS wurden ihrem Schlachtenruf gerecht. Mit reichlich Kriegsbemalung und in Wolfspelzen ging es derb ab. Dabei konnte eine Stimmung erreicht werden, wie tags zuvor bei FINNTROLL. Doch nicht nur das Outfit war außergewöhnlich, sondern auch die eingestze Geige und das Schifferklavier. Dennoch passte alles zusammen in der Mischung aus Folklore, gepaart mit schwarzmittalischer Raserei und reichlich Hymnenhaftigkeit. Die Digicam war in Dauerauslösestellung. Boten die Herren aus Norwegen doch die beste Show überhaupt.

Gemächlicher wurde es bei AMORPHIS. War deren Mischung aus Death- und Gothicmetal doch eher was fürs ruhige Genießen. Dabei zeigte man sich von einer variablen Seite und spielte auch mal deathigere Songs der Vergangenheit, sowie aktuelleres radiokompatibleres Material. Der neue Mann am Mikro, Tomi Joutsen, machte eine gute Figur und beherrschte sowohl tiefe Growls als auch cleane Passagen und schüttelte fleißig seine Rastalocken. Musikalisch wie atmosphärisch sehr dicht, konnte die Show dennoch nicht ganz mithalten. TURISAS hatten einfach die Latte zu hoch gelegt.

HEAVEN SHALL BURN gaben sich schon bei der Autogrammstunde locker und waren mit den Fans auf Augenhöhe. Da war auch ein kurzer Plausch drin. Das machte die Band mir sehr sympathisch. Auf der Bühne ließen die Jungs dann auch nichts anbrennen. Von Beginn an versprühten die deutschen Metalcorler jede Menge Energie, die sofort auf das Publikum überschlug und zu Crowdsurfer-Wellen, sowie Circlepits über die gesamte Spielzeit führte. Der brandneue Track "Counterweight" war ebenso vertreten wie Songs von den allerersten Demos. Der Spaß, den die Band hatte, war förmlich fühlbar.

Mit MORBID ANGEL gab sich ein Deathmetalurgestein die Ehre. Blickt man doch schon auf gute 20 Jahre Bandgeschichte zurück, die durchaus ihre Höhen und Tiefen hatte. Mit dem Reunion-Lineup bestehend aus Trey Azagthoth (Lead Guitar),  Pete Sandoval (Drums), Eric Rutan (Rhythm Guitar) und Shouter/Bassist David Vincent hatte man viele Fans glücklich gemacht. Weiterhin erfreulich, es wurden nur Songs der ersten vier Alben gespielt. Davon vor allem vieles vom Album "Altars Of Madness" aus dem Jahre 1989. Trey an der Leadgitarre spielte unglaublich. Sein ganzer Körper bog sich um die Gitarre. Technisch beeindruckend. Auch die GRINDFUCKERS, die in meiner Nähe standen, bewunderten das Können. David Vincent wußte, welche Knöpfe er beim Publikum drücken musste, und mir als Fan musste er das nicht zweimal sagen.

LIV KRISTINEs Auftritt war zugleich der Ausklang für mich am Samstag. Eine schöne Stimme und superchices Outfit ließen Liv im Scheinwerferlicht wie einen Engel wirken. Neben eigenem Material wurden auch Coversongs gespielt. Unter anderem BRUCE SPRINGSTEENS "Streets Of Philadelphia". Eine reichlich internationale Besetzung hatte die Begleitband, es waren Musiker aus den USA, Deutschland, der Schweiz usw. vertreten. Auch ein kleines klassisches Ensemble hatte man im Aufgebot. Für mich war es nach all dem technsichen Geknüppel, die es an diesem Tag schon auf die Ohren gab, ein gelungener Ausklang.

LACRIMOSA und die DEATHSTARS mussten ohne mich auskommen. 

Fünf nach zwölf schlug es, als LUMSK aus Norwegen loslegten. Auch für Sie war es der erste Auftritt in Deutschland. Eine Mischung aus Folk und Metal, wobei dieser eher dezent ware, prägten den Sound. Auch optisch gab man sich in traditionellen Gewändern. Sängerin Stine Mari Langstrand hatte eine schöne Stimme, ohne dabei zu klassisch zu wirken. Man fühlte sich direkt in die Natur des hohen Nordens versetzt. Ein schöner Auftritt, den auch das Publikum gebührend würdigte, trotz Kater.

Hierzulande ist die französische Band GOJIRA (japanisches Wort für Godzilla) noch wenig bekannt. Dabei kann die 1996 gegründete Band auf bereits vier Alben zurückblicken. Desto erstaunter war vielleicht manch einer, was die Jungs alles auf dem Kasten haben. Geboten wurde ein Bastard aus Death, Black und Progressive. Dass dazu hohes technisches Können von Nöten ist, war selbstverständlich. Und so gab man sich keine Blöße und stellt gar das 1349 - Drumming in den Schatten. Dreißig Minuten waren im Nu vorbei. Für GOJIRA hat es hierzulande erst angefangen.

Ein wenig fühlte ich mich an NIGHTWISH beim Auftritt von VISIONS OF ATLANTIS erinnert. Nur dass Sängerin noch wesentlich mehr Sexappell versprühte und gekonnt ihren Körper einsetzte. Gothic-Metal stand auf dem Programm, und das Wechselspiel von mal growlender Männerstimme und glasklarem, fast opernhaftem Gesang ist ja bereits ein häufig kopiertes Rezept. Dennoch wird einem die Single "Lost", die auch im deutschem Musikfernsehen läuft, wohl nicht entgangen sein. Nach den Turbulenzen bei NIGHTWISH könnte die Truppe vielleicht profitieren.

LEGION OF THE DAMNED haben mit ihrer aktuellen CD "Malevolent Rapture" ein solides Stück Thrashmetal abgeliefert. Klar, dass auch live das Material entsprechend in Szene gesetzt wurde. Gesichter waren nur selten zu erkennen, wirbelte die Band doch ihre langen Matten unermüdlich. Genau wie die vorderen Reihen des Publikums. Der Einfluss SLAYERs war deutlich zu vernehmen, und so war es kein Wunder, dass mann bei den Metalheadz gut ankam.

Da gabs eine Lektion in Sachen Instrumentenunterricht. Die deutschen NECROPHAGIST sind schon länger ein Underground-Tipp, wobei das Underground eigentlich nicht mehr gerechtfertigt ist. Technischer Death Metal par excellance. Allein auf das, was der Bassist spielte, wäre mancher Gitarrist neidisch. Man stelle sich mal DREAM THEATER auf Deathmetal vor. Klar, dass dabei der Growlgesang eher eine Nebenrolle und die Musik sehr viel Platz einnahm. Im Gegensatz zum brachialen Sound wirkten die Akteure auf der Bühne schon fast brav.

Moderner Thrashmetal die fünfundzwanzigste... Nach einem Weihnachtslied-Intro ging es für CARNAL FORGE los. Fronter Jonas Kjellgren sah dabei alles andere als schwedisch aus, sondern würde auch bei einer jamaikanischen Reggaeband eine gute Figur abgeben. Doch dies nur optisch. Beim Einsetzten des Gesangs war klar, dass hier ein hartes Brett gefahren wird. Agressiver Thrashmetalgesang und Growls gaben sich die Klinke in die Hand. DEW SCENTED ließen schön grüßen. Mit der Mischung hatte man es auch schwer, am dritten Tag nach schon reichlich geilen Auftritten noch für große Reaktionen zu sorgen.

Bereits vor zwei Jahren waren TOTENMOND auf dem Breeze gebucht, erschienen aber nicht. Nachholchance gab es dieses Jahr. Doch wirklich erpicht auf den Auftritt schien man nicht. So hatte man keine rechte Lust anzufangen und nebelte sich lieber mit der Nebelmaschine ein. Auch die Musik war nicht richtig greifbar. Mal eher Thrash, dann wieder ein Punkcover "Mach kaputt was dich kaputt macht" und schließlich eine Grind-Einlage. Dies alles mit deutschen Texten, aber wie gesagt sehr lustlos und statisch. Auch gerieten die Pausen zwischen den Songs recht lang, reichte man doch Getränke ins Publikum. Petrus hatte dann auch genug und strafte mit einsetzendem Regen die Band ab.

Mit dem Regen kam die Flucht, und viele retteten lieber ihre Habseligkeiten. Auch ich machte mich schon sichtlich erschöpft nach zweieinhalb Tagen musikalischer Dauerberieselung auf den Heimweg. So verpaßte ich zwar FEAR FACTORY, aber bei Regen macht das keinen Spaß. 

Fazit: Viele, viele Bands und das ohne Überschneidungen und meist ohne wirklicher Pause. Mit der neuen Location haben die Organisatoren ein Glücksgriff getan. Klar, dass auf einem neuem Gelände dann noch nicht alles so Routine war, so war die Beleuchtung nachts eher spärlich. Aber bis auf Kleinigkeiten wurde das Festival einer solchen Größe professionell über die Bühne gebracht. 
Das Summerbreeze ist dafür bekannt, auch mal "exotische" Bands ins Programm zu nehmen. Dieses Jahr wurde mir das Extrem-Metal-Festival aber zu sehr verwässert. Einige Bands als Kontrastprogramm sind immer willkommen, wenn sie nicht überhand nehmen. Damit kann man zwar auch Fans anderer Genres gewinnen, aber auch bisherige Fans verlieren. Da werde ich wohl nächstes Jahr das Programm im Vorfeld noch genauer studieren müssen.

http://www.summer-breeze.de

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